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STREIFZÜGE

Das geht ja gut los: Kaum hat die Messe ihre Pforten geöffnet und Lichtschranken in Betrieb genommen, stolpern Männer mit Anzügen über Koffer von Frauen mit Stöckelschuhen.

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Schon zur frühen Morgenstunde poltert Literaturkritiker Denis Scheck auf der ARD-Bühne: „Die Krimis von Sebastian Fitzek sind das Gegenteil von Literatur. Die Bücher lesen sich, als würde der Kerl seine Texte mit dem Faustkeil herunterbrechen.“ Zustimmendes Nicken im Publikum.

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Reporter zu Krimi-Autor Friedrich Ani: „Heißt Ihr Protagonist, der Kriminalhauptkommissar Jakob Franck, so, weil Sie den Fußballer Franck Ribéry so gerne mögen?“ Antwort Ani: „Was haben Sie denn heute Morgen eingeschmissen?“

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Denis Scheck hat sich mittlerweile in Rage geredet: „Der Regionalkrimi ist eine Pest.“

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Auf der Messe werden von lächelnden Mädchen klassische Motto-Jutebeutel verteilt. „Facebook ist nicht Kafka“, steht drauf. Das muss man wohl akzeptieren.

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Judith Holofernes, im Brotberuf Sängerin von „Wir sind Helden“, hat einen Gedichtband geschrieben. Der Literaturkritiker will vor laufender Kamera wissen: „Was war Ihr Impetus?“ Wie gemein, Holofernes kann nicht wegrennen.

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Selbst wenn man sich zwischen TV-Köchen und Pappaufstellern verloren fühlt, den Hallenausgang bloß vermutet, aber nicht findet – selbst dann kann man sich immer noch am roten Haarschopf von Sascha Lobo orientieren, der weithin sichtbar leuchtet.

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Im indonesischen Pavillon lässt es sich derweil gut entspannen. Das liegt nicht nur an der geschmackvollen Illumination, sondern hauptsächlich am umfangreichen Essensangebot, das in der Halle kostenfrei gereicht wird.

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Ken Follett ist angeblich auch da. Zumindest gibt es dort, wo er sein soll, kein Durchkommen.

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Das It-Girl der Stunde, Ronja von Rönne, Bachmann-Preis-Leserin und Feministenschreck, steht vor der Halle, raucht Kette. Sie sagt: „Man lacht, man trinkt, man hofft, dass die anderen genauso einsam sind.“

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Der Schweizer Verlag Kein & Aber hat im Hof ein Dschungelcamp aufgebaut. Statt Kakerlaken gibt es hier Bücher zu konsumieren. Schmeckt besser.

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Plötzlich Krach, Lärm, Rhythmus. Irritation auf den Rolltreppen, Panik in den Gängen. Eine indonesische Folklore-Gruppe klopft auf Trommeln herum. Trotz des Regens wird im Hof getanzt.

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Frage: „Was ist denn die drängendste philosophische Frage der Gegenwart?“ Fernseh-Philosoph Richard David Precht: „Abgesehen von den Antworten zu grundlegenden Fragen, wird die größte Herausforderung die digitale Revolution sein. Wir werden in 20 Jahren in einer ganz anderen Gesellschaft leben“, sagt Precht. „Ohne Gewerkschaften, jedoch mit selbstfahrenden Autos. Das wird eine große Aufgabe, nicht nur für Philosophen, sondern für alle.“

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Auf der Rolltreppe am Bahnhof werden die dringendsten Fragen geklärt: „Was ziehst Du denn heute Abend auf der Rowohlt-Party an?“

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