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Interview: Sänger der Metal-Legende "Judas Priest" über das Leben, Altern im Rock und das neue Album

Nachdem sich „Black Sabbath“ von der Bühne verabschiedet haben, sind „Judas Priest“ aus der Stahlstadt Birmingham die letzten Großen aus der Frühzeit des harten Sounds. Seit fast 50 Jahren ist ihr Einfluss auf die Rock-Szene kaum zu überschätzen. Morgen erscheint nach vier Jahren das neue Album: „Firepower“.
So sehen Metal-Götter aus: Der Zeus von „Judas Priest“ ist Rob Halford (66), der Sänger. Er steht in der Mitte und schleudert auf dem neuen Album „Firepower“ wieder gewaltige Blitze. Foto: Sony So sehen Metal-Götter aus: Der Zeus von „Judas Priest“ ist Rob Halford (66), der Sänger. Er steht in der Mitte und schleudert auf dem neuen Album „Firepower“ wieder gewaltige Blitze. Foto: Sony

Er sieht wild aus mit seiner Nieten-Lederkutte. Doch Rob Halford (66), Sänger von „Judas Priest“, ist ein freundlicher Mann. Mit sanfter Stimme erzählt er aus seinem Leben. Halford gehört zu den letzten wirklich großen und noch aktiven Rockstars des 20. Jahrhunderts. Die Texte des 18. Studioalbums „Firepower“ sind ungewöhnlich politisch. Steffen Rüth sprach mit dem „Metal God“ über Musik, das Alter und seine Lebensphilosophie.

Mr. Halford, vor Jahren hatten Sie angekündigt, auf Abschiedstournee zu gehen. Jetzt sind Sie immer noch da. Warum?

ROB HALFORD: Das hängt mit der sehr einfachen und für uns sehr schönen Tatsache zusammen, dass wir immer noch so viel Lust haben, unterwegs zu sein, Songs zu schreiben und uns im Studio auszutoben. „Judas Priest“ sind stark und voller Ideen.

2019 werden Sie Ihr fünfzigjähriges Bandjubiläum feiern. Heftig!

HALFORD: Exakt. Das Ende ist nicht nah. Ich habe, wenn ich mal unbescheiden sein darf, das Gefühl, die Welt wartet auf uns und ist bereit für eine ordentliche Packung „Firepower“.

„Judas Priest“ sind nach der Pensionierung von „Black Sabbath“ jetzt die führende Heavy-Metal-Band der Welt. Was bedeutet das?

HALFORD: Tja, wir sind immer noch dabei zu realisieren, dass „Sabbath“ jetzt in Rente sind. Das Leben verändert sich, der Körper verändert sich, irgendwann ist es genug. Aber noch nicht für uns!

„Firepower“ ist wieder ein Album voller Wucht, Energie und Kraft. Fällt es mit zunehmendem Alter nicht schwerer, sich im Studio aufzuraffen?

HALFORD: Nein. Wir wissen, dass wir unsere Art, Musik zu machen, nicht mehr grundlegend verändern. Unsere Fans wissen, woran sie bei uns sind. Innerhalb dieses Rahmens probieren wir Neues. Wir sind keine Band, die nur auf plattgefahrenen Pisten unterwegs ist.

Welche Musik hören Sie selbst am liebsten?

HALFORD: Das ist stimmungsabhängig. Das kann von Heavy Metal zu Barbra Streisand, Frank Sinatra oder Michael Bublé wechseln. Heute Vormittag hatte ich Lust auf Blues. Ich sagte also beim Frühstück „Alexa, spiel’ mir Blues“. Und dann verbrachte ich eine schöne Stunde mit Howlin’ Wolf, Muddy Waters und „Cream.“

Sie haben so ein Sprachsteuergerät daheim?

HALFORD: Oh ja. Ich bin sehr neugierig und aufgeschlossen, was neue technologische Entwicklungen angeht. Nur zu sagen: „Ach, Mensch, früher, was war das schön“? Nein. Wir sollten High Tech lieben lernen.

Sind Sie aktiv in den sozialen Netzwerken?

HALFORD: Yep. Überall, Facebook, Youtube, aber am meisten Spaß macht es mir bei Instagram.

Das ist doch eine Seite für Teenie-Mädchen .

HALFORD: Finde ich gar nicht! Ich mag es, neue Bilder hochzuladen und zu gucken, wie die Leute reagieren.

Es fällt auf, dass Sie in Ihren neuen Songtexten, etwa in „Rising From Ruins“ oder „Evil Never Dies“, politischer sind als sonst. Wieso?

HALFORD: Ich finde es cool und wichtig, dass „Judas Priest“ heute inhaltliche Botschaften verbreiten. Dass wir etwas zu sagen haben und uns in unseren kleinen Songs in Debatten einschalten. Wir decken ja beides ab: Fantasie und Realität. Manche Songs dienen der reinen Freude und dem Eskapismus, die Texte sind dazu da, die Stimmung der Musik zu unterstreichen. Und dann gibt es Stücke wie „Rising From Ruins“, in denen es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden und Widrigkeiten zu trotzen. Das können Probleme bei der Arbeit, persönliche Krisen oder auch weltpolitische Themen sein. Zu kämpfen und sich aus Tälern wieder empor zu hangeln, das ist ja der Kern des Metalspirit.

Sie sind gesanglich in Superform auf „Firepower“. Wie machen Sie das?

HALFORD: Wenn du gesund bist, passt das mit der Stimme von selber. Und für die Gesundheit muss man was tun, die bekommt man nicht geschenkt. Ich achte auf mich, ich habe soeben das 32. Jahr vollendet, in dem ich ohne Drogen und ohne Alkohol lebe. Ich rauche auch nicht mehr. Sich nicht jede Nacht die Birne wegzuballern, ist so ziemlich das Beste, was du deinem Wohlbefinden antun kannst.

Handelt der Song „Lone Wolf“ auf „Firepower“ von Ihnen? Sind Sie selbst ein „einsamer Wolf“?

HALFORD: Irgendwie schon. Ich verbringe gerne Zeit mit mir selbst. Ich genieße es, allein zu sein, Musik zu hören, ein Buch zu lesen. Mein Partner und ich sind seit 25 Jahren zusammen, aber wir sind beide irgendwo Einzelgänger. Wir geben uns gegenseitig viel Raum. Das Ding mit dem Leben ist ja: Du wirst allein in diese Welt geboren, und du wirst sie auch allein wieder verlassen. Wenn du dich selbst gern magst, dann fällt es dir auch leichter, andere Menschen zu mögen oder gar zu lieben.

Sie haben sich 1998 als homosexuell geoutet. Heute gibt es die gleichgeschlechtliche Ehe. Wir sehr hat sich die Welt in den vergangenen zwanzig Jahren verändert?

HALFORD: Wenn ich mein Leben als schwuler Teenager und junger Heranwachsender mit der heutigen Zeit vergleiche, dann stimmt es: Wir haben viel geschafft, die Menschen sind im Schnitt toleranter geworden, aber es ist auch noch viel zu tun. Dass wir überhaupt über mein Coming Out reden, und ich rede gern darüber, ist ein Zeichen dafür, dass es eben noch nicht hundertprozentig selbstverständlich ist, schwul zu sein. Es gibt immer noch Ungleichheit und Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Wir sprechen heute über Homosexualität, so wie man in den Sechzigern über Rassentrennung sprach. Manche Leute, selbst im aufgeklärten Westen, denken immer noch, man gehöre in die Hölle. Und im Mittleren Osten würde man Menschen wie mich von der Brücke stoßen. Das ist eine Schande.

Sind Sie gern ein Vorbild für die Menschen?

HALFORD: Ja klar. Wenn mir auf Facebook die Leute schreiben, ich sei eine Inspiration und ein Held, nun ja, so viel Zuspruch erwartet man nicht unbedingt als schwuler Mann. Ich stehe zu meiner Verantwortung und nehme die Aufgabe an. Aber ich bin erstens ein Metal-Sänger, der zweitens halt schwul ist.

Heavy Metal ist heute eines der populärsten und beständigsten Genres der ganzen Musikwelt. Bei Jungen und Älteren beliebt – verblüfft Sie das?

HALFORD: Aber hallo! Wir waren die schwarzen Schafe, dann lief es kurz gut, dann galten wir als altbacken und gestrig. Heute ist Metal vielleicht größer als das Genre je war. Ich empfinde mein Leben und meine Arbeit als Schatz. Wir tragen die Fackel jetzt noch eine Weile selbst, und dann geben wir sie hoffentlich weiter an die nächste Generation. Heavy Metal wird noch sehr lange sehr lebendig sein.

 

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