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Interview: Sängerin Anastacia : „Ich bin ein Boxer im Regen“

Anastacia, das Stimmwunder aus Chicago, präsentiert neue Songs zwischen Rock, Pop und Soul. Mit dem Album „Evolution“ will sie aufzeigen, dass sie sich persönlich weiterentwickelt hat.
Anastacia wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Vorab beschenkt sie sich mit einer neuen Platte. Anastacia wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Vorab beschenkt sie sich mit einer neuen Platte.

Schon zweimal in ihrem Leben bekam die Sängerin die Diagnose Brustkrebs, aber ihren Humor hat sie nicht verloren. Während des Treffens mit Olaf Neumann in Berlin nimmt die quirlige Endvierzigerin Anrufe auf dem Zimmertelefon entgegen und schlüpft in die Rolle der eigenen Sekretärin.

Anastacia, Sie haben Ihr aktuelles Album „Evolution“ in Schweden aufgenommen. Wie kam es dazu?

ANASTACIA: Das hatte etwas damit zu tun, dass ich voriges Jahr für Aldi meine erste Modelinie konzipiert habe. Eigentlich sollte sie in der Saison Frühling/Sommer 2018 rauskommen. Dann hätte ich mich vorher auf mein Album und meine Tournee konzentrieren können. Aber ich verstand mich mit den Aldi-Leuten so toll, dass wir die Modelinie in Rekordzeit entworfen haben. Und dann brauchte ich noch Begleitmusik in Form einer Platte. Also fing ich im März 2017 während einer Englandtournee an zu schreiben. Zwischendurch flog ich immer wieder nach Schweden, um an Songs zu arbeiten.

Bisher haben Sie Ihre Platten in Amerika aufgenommen. War es schwer, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen?

ANASTACIA: Ich habe bisher auch sämtliche Songs in meinem Haus geschrieben. Normalerweise benutze ich mein eigenes Auto, wenn ich an einer Platte arbeite. Ich mag es, wenn es entspannt zugeht. Diesmal fühlte es sich aber an, als würde mir jemand eine Pistole auf die Brust setzen. Ich muss darüber lachen, weil ich noch immer nicht begreife, wie ich das alles geschafft habe. Ich hätte auch grandios scheitern können.

Sie gelten als Kämpfernatur, spätestens seit Sie den Krebs besiegt haben.

ANASTACIA: Ich bin ein Boxer im Regen! Wenn ich an etwas glaube, dann stehe ich voll dahinter, aber ohne jemanden von meiner Meinung überzeugen zu wollen. Als ich die Diagnose Brustkrebs bekam, habe ich das Wort „Cancer“ (Krebs) umgeändert in „Can“ (kann). Die ersten drei Buchstaben fand ich super, die restlichen drei brauchte ich nicht.

Hat die Krankheit Sie nicht aus der Bahn geworfen?

ANASTACIA: Nein. Aber sie hat auf jeden Fall mein Tempo gedrosselt. Als ich das erste Mal die Diagnose Krebs bekam, dachte ich im ersten Moment, ich müsste sterben. Ich wusste ja überhaupt nichts über diese Krankheit. Mit der Zeit habe ich mich schlau gemacht und wurde fast schon wütend, dass ich als Frau so wenig über Brustkrebs wusste. Auch meine Ärzte hatten mich nicht informiert. Als Person des öffentlichen Lebens verspüre ich die Verpflichtung, alle Frauen über ihre Brüste zu informieren. Ich möchte niemandem Angst einjagen, aber aufmerksam machen. Aufmerksamkeit ist der Schlüssel im Kampf gegen den Krebs.

Sie werden am 17. September 50 Jahre alt. Wie gehen Sie damit um?

ANASTACIA: Ja! Dann bin ich ein halbes Jahrhundert alt. Je älter ich werde, desto mehr liebe ich das Leben.

Die Musik auf „Evolution“ verströmt Kraft. Hat der Krebs Sie am Ende noch stärker gemacht?

ANASTACIA: Ich bin stärker geworden aus den verschiedensten Gründen. Das hat etwas zu tun mit Lebenserfahrung, dem Wandel in der Musikindustrie, der gesellschaftlichen und weltpolitischen Entwicklung und meiner Gesundheit. All das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Vielleicht habe ich ja vom Buddismus gelernt.

Können Liebeslieder mehr verändern als Politsongs?

ANASTACIA: Ich glaube das. Ich bevorzuge Lieder, die zugleich stark und zerbrechlich sind, denn in ihnen steckt viel Wahrheit. Ich möchte mit meinen Songs hinter die Maske schauen. Ich mag keine sarkastischen oder unbarmherzigen Songs über Schießereien und Drogen. Ich klinge jetzt vielleicht altmodisch, aber es ist nicht cool, mit solchen Texten die Jugend erreichen zu wollen. Es gibt Songs, die treiben Kids sogar zum Selbstmord. Ich verspüre in meiner Position eine Verantwortung. Das habe ich meiner Mutter zu verdanken.

Hat Ihre Mutter Ihnen eingebläut, gefälligst die Finger von den Drogen zu lassen?

ANASTACIA: Ich hatte noch nie das Verlangen, mich abzuschießen. Meinen ersten Alkoholversuch unternahm ich mit 21, da war ich nach dem Gesetz volljährig. Aber ich war schon nach ein paar Bieren sturzbetrunken. Blackout. Da wusste ich, Alkohol ist nicht mein Ding. Als ich dann meinen ersten Plattenvertrag unterschrieben hatte, habe ich das mit meinem Manager gebührend gefeiert. Seit meiner zweiten Krebserkrankung lasse ich aber die Finger vom Alkohol. Er ist für mich Gift. Brauche ich einen Kick, dann rühre ich einfach etwas Süßstoff in meinen Ice-Coffee. Wenn ich mit Freunden ausgehe, bin ich die erste, die auf dem Tresen tanzt – und zwar stocknüchtern!

Alte Oper Frankfurt

4. Mai, 20 Uhr. Opernplatz 1, Frankfurt. Tickets ab 67,70 Euro unter Telefon 01806-57 00 70 und unter www.eventim.de

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