Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 23°C

Yasemine Hamdan: Lieder wie Gebete: Sängerin macht die Batschkapp zu einem Ort der Andacht

Wenn die libanesische Sängerin Yasmine Hamdan eine Bühne in der betritt, dann darf man von ihr eines nicht erwarten: ein gewöhnliches Konzert. Auch in der Frankfurter Batschkapp zelebrierte die tiefsinnige Schönheit ihre Lieder wie Gebete.
Eine außergewöhnliche Aura umgibt diese Frau aus dem Libanon: Die Sängerin Yasmine Hamdan in der Frankfurter "Batschkapp". Foto: Sven-Sebastian Sajak Eine außergewöhnliche Aura umgibt diese Frau aus dem Libanon: Die Sängerin Yasmine Hamdan in der Frankfurter "Batschkapp".
Frankfurt. 

Erst kürzlich lief im deutschen Fernsehen das Vampirdrama „Only Lovers Left Alive“. Wer es gesehen hat, wird eine Szene nicht vergessen. Die hat Kultregisseur Jim Jarmusch – hingerissen von ihrer Aura – Yasmine Hamdan gleichsam auf den Leib geschrieben: In einer Bar in Tanger singt sie selbstvergessen ihr Liebeslied „Hal“, das in der Schummrigkeit des Lokals fast lasziv wirkt. Voller Liebe und Schmerz besingt sie ihr armes Herz, das den Liebsten vermisst, obwohl sie ihn eigentlich verlassen wollte: „Nights are filled with ghosts like you“. Vor der Tür erklärt Tilda Swinton als untote Eva ihrem Langzeit-Lover Adam: „Yasmine ist Libanesin, und ich bin mir sicher sie wird sehr berühmt werden.“

Tatsächlich bescherte der Erfolg des Streifens Yasmine Hamdan mehr Aufmerksamkeit jenseits eingeweihter Zirkel und Konzerte in der ganzen Welt. Aber wenn es nur so einfach wäre! Die, die in die „Batschkapp“ gepilgert sind, füllen die Halle nur zu gut einem Drittel.

Hamdans Musiker Cedric Le Roux (Gitarre), Lois Maurin (Schlagzeug) und Minh Pham (Keyboards, Electronic) bauen behutsame eine Atmosphäre auf, die im Halbdunkel fast bedrohlich wirkt. Hamdan schlendert dazu barfuß und im unspektakulären Jeans-Outfit ans Mikrofon. Ernst sieht sie aus, konzentriert. Der Gesang trifft vom ersten Ton an ins Mark – eine leise Intensität. Wer simple Songstrukturen erwartet hat, Strophe-Refrain-Strophe, merkt schnell: Klischees werden hier nicht bedient. Wer immer sich beim aktuellen Soloalbum „Al Jamilat“ an einer Definition des Hamdan-Sounds versuchte, griff auf drei Begriff zurück: Electro, Pop und Folk. All das findet sich wieder –und klingt dann doch ganz anders, wenn fließende, schwebende Klänge und tiefe Bass-Dronetones vom Keyboarder mit den eher perkussiven Schlagzeugfiguren und effektvollen Legato-Gitarrenmotiven zusammenfinden. Geigenbogen und E-Bow beschwören zudem Assoziationen wie Psychedelic Rock oder Ambient Music herauf. Es wirkt fast wie eine Performance.

Und es ist immer Yasmine Hamdan, der Soundtrack ihres Lebens. Sie sing Arabisch in unterschiedlichen Dialekten. Weil die meisten Zuhörer in Frankfurt die Texte nicht verstehen und die Sängerin auf Erklärungen verzichtet, müssen sie sich in die sinnliche Klangpoesie einfühlen. Sie enthält ein ganzes Universum: Flucht vor dem Bürgerkrieg in der Heimat, Nomadenleben im Exil zwischen Ägäis und Persischem Golf, Rückkehr in ein zerstörtes Beirut. Man versteht leicht den elegischen Charakter vieler ihrer Lieder. Da schwingen immer Melancholie und Trauer, auch Wut mit.

Keine Folklore

Mit ihrer Electro-Pop-Band „Soapkills“ erfand Yasemin Hamdan „Trip-Hop à la l’oriental“, Zeugnis eines Lebens in einer „Geisterstadt“, in dem all das Düstere, Klaustrophobische, Surreale des vom Krieg gezeichneten „Paris des Nahen Ostens“ zur Geltung kam. Diese Underground- Musik war ein Versuch, die Verzweiflung ihrer zermürbten jungen Landsleute mit einem Hoffnungsschimmer aufzuhellen. Das machte Hamdan zu einer Ikone des Orients – bis heute. Obwohl sie heute in Paris lebt, steht sie noch immer für den Brückenschlag zwischen Tradition und Aufbruch. In ihrer Musik verschmelzen wie selbstverständlich Abend- und Morgenland.

Dabei vermeidet sie jeglichen Anflug von Folklore. Auch nicht jeder Hüftschwung muss ein angedeuteter Bauchtanz sein. Sie gilt als „das moderne Gesicht der arabischen Musik“.

Nach nur 70 Minuten ist das Konzert zu Ende. Niemand beklagt sich. Diese Lieder wirken nach, sie sind meditativ, hypnotisch, eher wie Gebete. Ein Konzert mit Yasemin Hamdan ist wie eine Andacht, voller Sehnsucht nach Frieden.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse