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"Don Karlos" in Wiesbaden: Schillers Infant von Spanien überzeugt auf der Bühne

Von Am Staatstheater Wiesbaden lotet Intendant Uwe Eric Laufenberg in der Inszenierung von Friedrich Schillers „Don Karlos“ die vielschichtigen Charaktere des Stücks fein aus.
Und die Seele? Nils Strunk (l.) spielt Don Karlos. Foto: Andreas Etter Und die Seele? Nils Strunk (l.) spielt Don Karlos.

Wer jemals geglaubt hat, man müsse nur mit Macht ausgestattet sein, um alle Probleme lösen zu können, dem sei Friedrich Schillers (1759–1805) „Don Karlos, Infant von Spanien“ ans Herz gelegt. Das Stück führt nämlich nicht nur ins Zentrum der Macht, sondern auch in das Zentrum einer letztlich immer aktuellen Frage: Lassen sich privates Glück und Staatsräson verbinden? Oder etwas alltagstauglicher: Wie viel von seiner Persönlichkeit muss ein Mensch für Aufgaben oder Ämter aufgeben, welche Ideen oder Ideale im Leben für das Machtspiel opfern?

In Schillers Fünfakter kollidieren nicht nur unterschiedliche Interessen unterschiedlicher Menschen, sondern auch unterschiedliche Interessen innerhalb eines Menschen: So ist Marquis Posa Karlos Freund und möchte ihn an der Spitze der Freiheitsbewegung in den Niederlanden sehen. Karlos ist zukünftiger Staatsmann, möchte aber eigentlich nur von Elisabeth, der zweiten Frau seines Vaters, geliebt werden. Und König Philipp der Zweite will den Aufruhr in den Niederlanden stoppen, muss eine intrigante Entourage in Schach halten, hätte aber gern einen Menschen an seiner Seite und muss doch Staatsmann und Vater sein.

Uwe Erik Laufenberg und seinem Ensemble ist es hervorragend gelungen, die aus diesen vielschichtigen Interessenslagen entstandenen komplexen Charaktere fein auszuloten. Das Bühnenbild von Gisbert Jäkel entwirft dafür das Bild eines düsteren und auf Funktion ausgerichteten Palasts, der nur in den ganz privaten Räumen hell ist. Obwohl alle bis auf Philipp dezent historisierende Kostüme tragen (Kostüme: Marianne Glittenberg) und sich an dem in Jamben verfassten Schillerschen Versdrama nicht vorbeimogeln können, wirken die Figuren verblüffend heutig.

Allen voran der von Tom Gerber gespielte König Philipp. Zwar ist die Kirche mit ihren machtpolitischen Interessen stets präsent, dennoch könnte Philipp in seinem Anzug auch moderner Politiker oder Unternehmens-Chef sein. So kühl, wie er anfangs den König gibt, der gegenüber dem Sohn den Vater vermissen lässt, und zeigt, dass er auch seine Frau als Teil seines Machtbereichs ansieht, so sehr hört er später Posa ernsthaft und abwägend zu, und so sehr bricht am Ende in ihm der Mensch mit der eigenen Sehnsucht nach Freundschaft und Liebe durch.

Das genaue Gegenteil von Philipp ist über weite Strecken der junge Karlos. Karlos, das zeigt Nils Strunk gleich zu Beginn sehr deutlich, sehnt sich vor allem nach Liebe. Als er seinen Freund Posa umarmt, hängt er sich förmlich an den Marquis. Ein schönes Bild dafür, dass diese Sehnsucht schon zu einer Art Last geworden ist. Da kann man sogar verstehen, dass Philip diesem heißblütigen Jungspund in Sachen Staatsgeschäfte nicht allzu viel zutraut.

Eindrucksvoll gelingt es Stefan Graf, einen Marquis Posa zu zeigen, der glaubwürdig für die hehren (republikanischen) Ideale einsteht und für seine Ziele und Ideale aber auch ein paar unlautere Mittel anwenden muss. So hat die wache Gespanntheit seines Posa auch immer wieder etwas Lauerndes und Kalkulierendes. Mit schöner Klarheit und Würde stattet Llewellyn Reichman ihre Elisabeth aus. Am Ende begeisterter Applaus.

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