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Texte verkaufen: Schlüssel zu Ruhm und Geld

Caterina Kirsten ist Literaturagentin. Auf der Buchmesse trifft sie sich im 15-Minuten-Takt mit Lektoren, um Texte zu bewerben. Bericht von einer Ochsentour.
„Belletristik, die Verleger vom Hocker reißt“: Caterina Kirsten (32). Foto: Holger Menzel „Belletristik, die Verleger vom Hocker reißt“: Caterina Kirsten (32).

Es liegen stressige Wochen hinter Caterina Kirsten. Manuskripte lesen, Manuskripte bewerten, Manuskripte verteidigen, Manuskripte in die Tonne werfen, Manuskripte beschreiben, Manuskripte kritisieren, Manuskripte verbessern, Manuskripte bewerben, von Manuskripten träumen. Jetzt aber, endlich, endlich, steht Caterina Kirsten auf einer Rolltreppe in der Frankfurter Messeburg, Ziel: Agentenzentrum. In ihrer Tasche stecken drei Texte, für die sie in den anstehenden Messetagen auf ausreichend Schlaf und ausgewogene Ernährung verzichten wird. Es sind drei Texte, für die sie alles geben wird.

1000 unverlangte Manuskripte

In den vergangenen zwölf Monaten landeten rund 1000 unverlangt eingesandte Romane im Briefkasten der Frankfurter Literaturagentur Copywrite. Es sind Texte, von denen die Autoren hoffen, dass sie ihnen Ruhm und Geld bescheren. Und Caterina Kirsten soll der Schlüssel dazu sein. Der Wunsch der noch unbekannten Autoren: Caterina Kirsten soll den Roman für einen möglichst hohen Vorschuss an einen renommierten Verlag verkaufen. Vor ein paar Tagen zum Beispiel landete ein Text auf ihrem Schreibtisch, der vor Ambition vibrierte. Seufzen. Text geprüft, nichts zu machen, Absage geschrieben.

„Wir schauen uns jedes Manuskript, das bei uns eintrifft, sehr genau an“, sagt sie. „Aber, ganz ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt aus diesem Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte einen Schriftsteller gefunden haben, den wir mit unserer Agentur vertreten.“ Seit Jahren schon läuft die Akquise in der Branche anders: Caterina Kirsten und ihre Agentur-Kollegen tummeln sich auf Literaturwettbewerben. Der Open Mike in Berlin ist längst ein Branchentreffen geworden, wo Agenten, Verleger, Lektoren mit Visitenkarten um sich werfen : 20 junge Autoren, die noch kein Buch veröffentlicht haben, lesen jedes Jahr im November in einem Theater um die Wette. Danach verteilen die Agenten Komplimente und Handynummern, denn, man weiß ja nie, könnte doch der nächste Christian Kracht unter den Jungschriftstellern sein. „Vertritt man als Agent den Gewinner dieses Preises, da hören die Verlage bei den Gesprächen schon ganz genau hin“, sagt sie. Was auch gut kommt: Veröffentlichungen in den einschlägigen Literaturzeitschriften „Bella triste“ und „Edit“. Teilnahme am sogenannten Häschenkurs in Klagenfurt. Ein Studium an den Schreibschulen in Hildesheim und Leipzig sei hingegen längst kein Selbstläufer.

Texte, die vom Hocker reißen

Von den drei Texten, die Caterina Kirsten in diesen Tagen ins Agentenzelt trägt, ist keiner aus dem Stapel der eingeschickten Manuskripte. Es sind Texte, nach denen sie Ausschau gehalten hat. Es sind Texte, von denen sie weiß: „Dafür gibt es einen Markt. Die sind anspruchsvoll. Das ist Belletristik, die Verleger vom Hocker reißt.“

Im Agentenzentrum herrscht Aufregung. Der Saal ist grau und groß, ein gigantisches Großraumbüro mit kostenfreiem Wasser und Filterkaffee für 3,50 Euro. Die Luft ist trocken. Klimaanlage. Erkältungsgefahr. Hier sitzen die Agenten nun, und es geht zu wie beim Speed-Dating: 15 Minuten Zeit, um den Lektoren von Rowohlt, Hanser, Suhrkamp, Kiwi die heißen Manuskripte vorzustellen. Das sind Verkaufsgespräche, bei denen es zur Sache geht, bei denen es auf den einen Satz, auf das eine Wort ankommt. Da wird nichts dem Zufall überlassen: „Wir haben diese Gespräche im Vorfeld geprobt.“ Verkauft wird auf der Messe nichts, es geht darum, die Verlage auf die Texte heiß zu machen. Es geht um die magischen Worte aus dem Mund der Verlagslektoren: „Klingt super. Das will ich unbedingt lesen.“ Nach der Messe gehen die Manuskripte raus, es kommt zu Versteigerungen und zu Abschlüssen. Erst Wochen nach dem Messe-Wahnsinn wird die Ernte eingefahren.

Sechs Stunden im Agentenzelt, zwischendurch mal einen Kaffee, Abstecher bei den Verlagen. „Hallo“ sagen, einfach mal so. Caterina Kirsten kommt auf einige Kilometer Fußmarsch während der Messe. Und die Nächte, die kommen ja auch noch hinzu: „Die sind mindestens genauso wichtig wie die Messetage.“ Da steht man rum, bei der Rowohlt-Party, in der Schirn-Rotunde. Raucht Zigaretten, trinkt Rotwein, spricht über den neuen Kehlmann. „Die Szene kennt sich, viele Lektoren, Agenten, Verleger, Kritiker sind miteinander befreundet.“ Schadet dennoch nicht, Visitenkarten griffbereit zu haben.

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