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Schweineblut und Skelett: Bei Jan Fabre im Laboratorium

Jan Fabre ist einer der experimentierfreudigsten Künstler. Seine Ausnahmeprojekte entstehen im „Laboratorium” in Antwerpen. Ein Ort, der an die Factory von Andy Warhol erinnert. Ein Besuch.
Skelette erinnern an James Ensor. Foto: Sabine Glaubitz Skelette erinnern an James Ensor. Foto: Sabine Glaubitz
Antwerpen. 

Auf dem Sofa liegen Skelette, die Küche ist mit Schweineblut beschmiert, und aus den roten Ziegeln ragen herrlich blaue Lapislazuli. Werke, die internationale Künstler bei ihrem Besuch im „Laboratorium” des Allround-Stars Jan Fabre in Antwerpen hinterlassen haben.

Über 70 Kunstwerke befinden sich mittlerweile in dem rund 3000 Quadratmeter großen Gebäude, das dem belgischen Maler, Choreografen, Performance-Künstler und Regisseur als Treffpunkt internationaler Künstler dient und als Ort, an dem seit 2007 seine Ausnahmeprojekte entstehen.

Über dem Metalleingang steht in weißen Lettern „Troubleyn”. So heißt die Performance-Truppe, die Fabre 1986 gegründet hat. Von außen sieht der Ort eher unscheinbar aus. Er ist nach dem Mädchennamen seiner Mutter Helena benannt und liegt in dem ehemaligen Arbeiterviertel Seefhoek, nordöstlich des Antwerpener Hauptbahnhofs.

Fabre ist in dieser Gegend aufgewachsen, nur wenige Häuser entfernt von seinem „Laboratorium”. Beton- und Glaswände verbinden das ehemalige katholische Stadtteiltheater mit einer früheren Schule. Sie gehören der Stadt Antwerpen. Beide Gebäude hat die flämische Hafenstadt ihrem wohl bedeutendsten Sohn der Gegenwart auf 30 Jahre zur Verfügung gestellt.

Das „Laboratorium” ist ein Ort, an dem sich bildende Künstler, Theaterleute, Kulturschaffende und Freunde von Fabre treffen. Er erinnert an die Factory in New York von Andy Warhol. Der amerikanische Pop-Art-Künstler hatte in dem Studio zusammen mit Musikern, Tänzern und Schauspielern an seinen Projekten und Objekten gearbeitet. Eines davon bestand darin, seine berühmten Gäste auf Stühlen Platz nehmen zu lassen. Er selbst verließ den Raum und filmte ihre Reaktionen.

Auch in Fabres „Laboratorium” wird experimentiert. „Jan und seine Truppe erforschen hier zusammen mit dem Studienfeld Sport des Universitätskrankenhauses Antwerpen die Bewegungsabläufe und die Leistungen der Tänzer, um sie zu optimieren und zu verbessern”, erklärt Mark Geurden, der Manager der Truppe und des „Laboratoriums”. Man betreibe das, was man mit dem deutschen Begriff Tanzmedizin umschreiben könne.

Was Leistungsoptimierung heißt, hat die Truppe mit der Marathon-Performance „Mount Olympus” unter Beweis gestellt, einem 24-stündigen archaischen Treiben, wo rund um die Uhr geschrien, getanzt, geschlafen, gelitten und geliebt wird. Ein Kraftakt, der auch in Deutschland aufgeführt wurde. Einstudiert und geprobt wurde im „Laboratorium”. Ein Jahr lang und täglich bis 12 Stunden, wie Mark ergänzt.

In dem rund 3000 Quadratmeter großen Gebäude sind neben der Bühne des ehemaligen „Ringtheaters” auch Workshop-Räume für Masterclasses mit internationalen Regisseuren wie dem Briten Peter Brook und dem Deutschen Raimund Hoghe untergebracht. Für die Verköstigung der Gäste und der über 25 Troubleyn-Tänzer gibt es zwei Küchen.

In einer hat Marina Abramovic ihre Spuren hinterlassen. Mit Schweineblut hat die serbische Ikone der Performance-Kunst 2007 auf eine der Wände geschrieben: „Schneide Dich mit einem scharfen Messer tief in den Mittelfinger der linken Hand. Iss den Schmerz.” In ihren Peformances lotet die 70-Jährige die physischen und psychischen Grenzen aus. Dabei peitscht und schneidet sie sich blutig. 

Das Laboratorium ist ein Kunstwerk an sich. Denn mittlerweile haben sich über 70 Künstler in dem Gebäude verewigt. Im Theater auf dem ersten Balkon hat der Franzose Fabrice Hyber ein Fresko hinterlassen, auf dem sich seltsame Tiere tummeln. Aus der Wand gegenüber fliegt eines der verstörenden Menschenwesen der deutsch-bulgarischen Künstlerin Oda Jaune. Genannt hat die Witwe des 2007 verstorbenen Malers Jörg Immendorff ihre Wandmalerei schlicht „Above”. 

Die Skelette im Empfangsbereich sind keine Kreationen. Wie Mark erklärt, sind sie eine Anspielung auf den belgischen Maler James Ensor (1860-1949), dessen bevorzugte Motive Masken, Dämonen, der Tod waren. Themen, die auch Fabres Kreationen bestimmen. 

Das „Laboratorium” kann besucht werden. Gruppenführungen werden das ganze Jahr über organisiert. Kontakt: Mark Geurden, +32 (0)3 201 13 00

(Von Sabine Glaubitz, dpa)
Bilderstrecke Schweineblut und Skelett: Bei Jan Fabre im Laboratorium
Skelette erinnern an James Ensor. Foto: Sabine GlaubitzJan Fabre hat sich mit seinem „Laboratorium” eine eigene Factory geschaffen. Foto: Georg HochmuthDer Eingangsbereich des „Laboratoriums” ist eine Mischung aus Club, Kino und Fitnessraum. Foto: Sabine Glaubitz
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