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Lyrik: Schweizer Schriftsteller Martin Suter tourt mit Liedermacher Stephan Eicher

Der elegante Wortschmied Martin Suter als Poet und Musiker? Mit dem Liedermacher Stephan Eicher kommt er jetzt auf deutsche Bühnen. Und Eicher bescheinigt dem musizierenden Autor, nun ja, „pure Emotion“.
Autor Martin Suter (links) und Liedermacher Stephan Eicher. Gemeinsam präsentieren sie „Songbook“. Foto: Vera Hartmann (Live Nation) Autor Martin Suter (links) und Liedermacher Stephan Eicher. Gemeinsam präsentieren sie „Songbook“.

Treffen sich zwei und werden Strahler. Also Kristall- und Mineraliensucher, so heißt das in der Schweiz. Wenn einer der beiden der Schweizer Erfolgautor Martin Suter und der andere der Liedermacher Stephan Eicher ist, dann zündet dabei ein höchst kreatives Feuerwerk. Daraus entsteht dann etwas wie das „Songbook“, ein skurriles, witziges, anrührendes Buch mit Liedern und Texten, das die beiden als Bühnenschau ab September in Deutschland präsentieren.

Für Suter-Fans vielleicht neu: Der Schöpfer von Bestsellern wie „Elefant“ und „Der Koch“ und der Krimiserie „Allmen“ schreibt seit Jahren Liedtexte. Die zarte Poesie der vorgestellten Songs stammt von ihm. Und Suter spielt auf der Bühne Mundharmonika. „Er ist kein Vivaldi“, sagt Eicher am Rande eines Tourneeauftritts in Zürich trocken zu Suters Musikkünsten. „Pure Emotion, eher ein Paganini.“

In der Kletterhalle

Aber der Martin Suter mit den Designeranzügen als Kristallsucher? Der coole Chansonnier Eicher zum Training in einer Kletterhalle, wie es in einer anderen Geschichte heißt? Die biografischen Episoden, die Suter zwischen die Lieder gedichtet hat und von denen sich die Künstler vermeintlich inspirieren ließen, sind genau das: Dichtung, frei erfunden, räumt Suter gleich in der Einleitung ein.

So skurril ist das Leben von allein halt nicht. Die Sutersche Version der Männerfreundschaft sprüht vor Witz. Kostproben: Neben den waghalsigen Strahler-Touren und sinnstiftenden Wanderungen experimentieren Suter und Eicher auch auf dem Gebiet der Küche.

Info: Martin Suter und Stephan Eicher kommen nach Frankfurt

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Ihres sei „eine Freundschaft von zwei Männern mit einer großen Gemeinsamkeit: Beide verstehen die Welt nicht.“ Das Wort „Männerfreundschaft“ mögen beide nicht. Doch dann beschreiben sie ihre Beziehung fast zärtlich: „Ich freue mich immer auf die Zeit mit Martin, er fehlt mir manchmal auch“, sagt Eicher. „Der Stephan ist einer, der da ist, wenn man ihn braucht, das ist nicht allgemein so bei Männerfreundschaften“, sagt Suter.

Seine lyrische Seite zeigt Suter auch in den Songtexten. Es geht um Liebe, Sehnsucht, Genügsamkeit: „Nebel auf dem See/Reife in den Bäum’/Raben auf dem Feld/Du in meinen Träum’.“ Dass das nicht in schmalzige Traurigkeit abdriftet, dafür sorgen Eicher – manchmal mit spontanen Tanzeinlagen – und Suter selbst, der auf der Bühne seine höchst amüsanten Texte selbst vorträgt. Ein Lied mit dem Titel „(Dreht sich) Nur um Dich“ wird mit einer Portion Höhenangst in der Kletterhalle eingeleitet, „Nimm mich wie ich bin“ mit einem besoffenen Schluchzer, der Suter und Eicher in einer Bar belästigt.

„Näbel uf em See“

Die Songs gab es zuerst, den neuen Kontext hat Suter später dazu geschrieben. „Das ist ja das Spannende, dieselbe Geschichte, aber aus einem Winkel, den es vorher gar nicht gab in meiner Vorstellung“, sagt Eicher. „Das ist doch ein Traum, neue Winkel zu zeigen.“

Suter liest seine Texte auf Hochdeutsch, Eicher singt aber Schweizerdeutsch, Berner Variante. Im Original heißt die Nebelpassage „Näbel uf em See/Riife-n-i de Böim/Rabe-n-uf em Fäld/Du i mine Tröim.“ Es wird auf deutschen Bühnen Untertitel geben.

Suter, der als eleganter Wortschmied in seinen Romanen und Krimis ein Millionenpublikum gewonnen hat, ist ein begeisterter Poet. Reime und strenges Versmaß schätzt er. „Dann übernimmt das Gedicht das Zepter, man kann nicht mehr alles sagen, es muss sich ja reimen. Das reduziert die Dinge, die man sagen kann“, sagt er. Diebischen Spaß hat er bei Reimen wie dem über Kühe und Bauern: „Meistens bleiben ein paar sitzen . . . und erzählen von entzündeten Zitzen.“ Ihm und Eicher gelingt das Kunststück, dass selbst so etwas nicht platt wirkt.

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