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Interview: Sharleen Spiteri: "Wir haben uns nie Regeln auferlegt"

Die erfolgreiche schottische Popband „Texas“ kommt mit dem neuen Album „Jump On Board“ in die Frankfurter „Batschkapp“.
Sharleen Spiteri will Spaß mit ihrer Musik haben. Sharleen Spiteri will Spaß mit ihrer Musik haben.

Wer die alten „Texas“-Hits wie „I Don’t Want A Lover“ mit der schnarrenden Bottleneck-Gitarre oder das rockige „The Thrill Has Gone“ kennt, aber die Hinwendung zum „Northern Soul“ mit dem Ohrwurm „Black Eyed Boy“ verschlafen hat, wird sich beim Video zur aktuellen Single „Let’s Work It Out“ verwundert die Augen reiben. Denn hier tanzt Sängerin Sharleen Spiteri ausgelassen unter einer Discokugel. „Jump On Board“ heißt das neue Album der Glasgower. Detlef Kinsler sprach mit Sängerin Sharleen Spiteri.

Frau Spiteri, eines Ihrer ersten Konzerte in Deutschland spielten Sie im zarten Alter von 21 Jahren 1989 in der alten „Batschkapp“. Oft waren Sie seither nicht in Frankfurt. Einmal bedauerten Sie, Deutschland täte sich seit jeher schwer mit „Texas“.

SHARLEEN SPITERI: Tatsächlich lief es von Anfang an in ganz Europa erstaunlich gut für uns, in Deutschland eigenartigerweise nicht. Es war immer eher naja. Also gilt: Jetzt aber, Deutschland!

Beim neuen Album „Jump On Board“ sprechen Sie von einer Art Neubeginn. Warum?

SPITERI: „Jump On Board“ ist ein neues Kapitel in unserer Bandgeschichte, für uns klingt die Musik darauf bei aller Kontinuität irgendwie neu und frisch.

In einer Kritik hieß es, das sei Musik „that shimmers, shines and glows“. Ist diese positive Ausstrahlung Ihre „Botschaft“?

SPITERI: Das klingt aber schön (lacht). Ich glaube, man wird mit den Jahren einfach offener. Als junger Mensch bist du einfach ichbezogener und selbstbesessen. Im Alter kannst du besser mit deinen Gefühlen umgehen. Es ist schon lustig: Man bringt Punk immer mit Jugend in Verbindung, aber wir älteren Menschen sind viel mehr Punk, weil wir uns in vielen Situationen denken, das geht mir jetzt am Allerwertesten vorbei. Das ist sehr befreiend.

Punk als Haltung, nicht als Musikstil.

SPITERI: Wenn du in eine Band einsteigst, dann auch, weil du im normalen Leben nicht die richtigen Worte für deine Gefühle findest. Wenn du dann Songs schreibst, wird es plötzlich viel einfacher, deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Nur, plötzlich wirst du erfolgreich, und dann fragen dich alle, was wolltest du uns mit diesem Lied sagen? Du sollst deine eigene Musik erklären. Ich habe die Band nicht gegründet, um mein Tun zu analysieren. Es ist, was es ist.

Sie hatten immer das Glück eines funktionierenden Bandgefüges alter Freunde aus Glasgow. Das stärkt.

SPITERI: Wenn du Erfolge feierst, ist es sehr einfach, irgendwann alles hinter dir zu lassen, geistlos wie Popstars zu agieren, träge, denkfaul und betriebsblind zu werden. Aber wir haben als Band immer hart an uns gearbeitet, immer neue Songs geschrieben und tourten durch die Welt. Wir sind mit Leidenschaft dabei, brennen für unsere Band.

Sie haben über Ihre neue Platte gesagt, sie sei eine Art Hilfestellung, der Realität jeden Tag eine paar Minuten zu entkommen und euphorisiert von der Musik in der Küche einfach mal zu tanzen zu beginnen.

SPITERI: Im Leben geht es doch genau um diese Balance, sich einfach auch mal zu entspannen. Wenn du dich immer nur total auf eine Sache fokussierst, wirst du irgendwann bei allem Übereifer schließlich verrückt. Es ist wichtig, dir diese Freiheit von Zeit zu Zeit zu gönnen, einfach mal abzuschalten.

Als „Texas“ 1986 gegründet wurde, war es Wim Wenders’ Roadmovie „Paris, Texas“, das der Band ihren Namen gab. Die Wahrnehmung von „Texas“ war die einer Rockband. Wie haben Sie Ihre Metamorphosen hin zu Northern Soul und Dance Music selbst wahrgenommen?

SPITERI: Dass das alles wunderbar zusammenpasst. Es ist einfach so passiert, wir haben nie darüber nachgedacht, einfach die unterschiedlichsten Einflüsse auf unsere Musik zugelassen. Wir haben uns nie Regeln auferlegt, zum Beispiel keine Sekunde in Frage gestellt, ob es falsch sein könnte, nach Amerika zu reisen, um eine Soulplatte aufzunehmen.

Und dann meldete sich „Rammstein“.

SPITERI: Als Till Lindemann mich 2005 fragte, ob ich mit ihm das Duett „Stirb nicht vor mir (Don’t Die Before I Do)“ singen möchte, dachte ich nur: Wow, das könnte eine verblüffende Kombination werden, total cool, mit „Rammstein“ ins Studio zu gehen. Den Zweiflern, die nach dem Warum fragten, antwortete ich: Warum nicht? So denken wir in der Band. Wir entscheiden etwas, und genau so wird es dann auch gemacht. Wir wollen Spaß mit der Musik und mit unserem Publikum haben. Darum geht es uns bis zum heutigen Tag.

Allein 13 Top-10-Single in Großbritannien, 3 Nummer-1-Alben, 40 Millionen verkaufter Platten weltweit und unzählige Preise wie den „Brit Award“. Man hat Sie zu Ikonen erklärt. Bedeutet Ihnen das viel?

SPITERI: Nicht wirklich. Selbst bei 400 Millionen verkaufter Platten wäre meine Antwort die gleiche.

„Batschkapp“ Frankfurt

3. November, 19 Uhr. Karten zu
42,25 Euro im Internet unter www.batschkapp.tickets.de

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