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Sie kostet jede Leidenschaft aus

Die Slowakin Edita Gruberová zählt zu den führenden Sopranistinnen unser Zeit. Nun gab sie einen Liederabend an der Oper Frankfurt.

1970 feierte sie ihr Bühnendebüt – das sind 45 Jahre, in denen Edita Gruberova nun das Publikum beglückt! Unwillkürlich denkt man an Ausnahmesänger wie Alfredo Kraus, Nicolai Gedda oder Anja Silja, an Persönlichkeiten, die ihre Begabungen und Stimmen pflegen und, bei Verausgabungen, über Jahrzehnte kultivieren.

Natürlich gibt es Verluste, aber es tun sich auch Welten auf jenseits jugendlichen Stürmens und effektheischenden Virtuosentums: im Ausdruck, in den lange Lebenserfahrung einfließt, technische Routine, mit der sich kokettieren lässt, und in den Klangfarben, die nicht mehr gleißen, sondern durch goldene Patina hindurchschimmern.

Die Gruberová hat ihre Fans, die das Opernhaus reichlich füllten. Anstatt mit bequemen Gefälligkeiten die Stimme in Gang zu bringen, sang die Sopranistin in der ersten Hälfte kaum einen lauten Ton, kaum jene geläufigen Koloraturen, für die sie gefeiert wird. Für lange und leise Töne, die die reife Stimme besonders fordern, fand sie ohne jede Schärfe, mit präzisem Ansatz auch in der Höhe Sitz und Sicherheit. Peter Valentinovic am Klavier rollte ihr dafür einen samtenen Teppich aus. Wie traumverlorene Gesänge zur Harfe klangen die je zwei Lieder von Tschaikowsky und Rimskij-Korsakow; Dvoráks temperamentvolle „Zigeunerlieder“ wandelten sich in hintergründige Charakterstudien.

Je eine Gruppe Strauss und Mahler folgte vor dem dritten Teil, einem halben Dutzend Zugaben, die auch ins italienische Arienrepertoire mit einigen halsbrecherischen Kunststückchen führten. Man muss eben nicht alles so schnell wie möglich singen, sondern die Leidenschaft auskosten und glaubwürdig machen, die Donizetti („Linda di Chamounix“) und Puccini („Turandot“, „La Rondine“) von ihren Sängerinnen verlangten. In den deutschsprachigen Liedern verfiel Gruberova gelegentlich in eine Art Sprechgesang, wie man es von Schönbergs „Pierrot Lunaire“ kennt, in dessen Wiener Nähe nun Straussens „Georgine“ oder Mahlers „Hans und Grete“ rückten. Ein wunderbarer Abend.

(bom)
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