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Cellistin Sol Gabetta und Pianistin Hélène Grimaud: Sie schwelgen und schweben

Von Ein Traum-Duo macht Kammermusik vom Feinsten: Ovationen für die Cellistin Sol Gabetta und ihre Klavierkollegin Hélène Grimaud bei „Pro Arte“ in der Alten Oper Frankfurt.
Traumpaar: Sol Gabetta (l.) und Hélène Grimaud. Foto: Ansgar@Klostermann.net Traumpaar: Sol Gabetta (l.) und Hélène Grimaud.

Gegensätze ziehen sich an – was ein physikalisches Grundgesetz auf dem Gebiet des Magnetismus ist, trifft zuweilen auch auf menschliche Wesen zu. Im besten Falle führt ein solches Aufeinanderwirken, gerade unter Künstlern, zu einer Harmonie, die man gerne als perfekt bezeichnen möchte.

So geschehen bei Hélène Grimaud und Sol Gabetta. Die zwei Musikerinnen waren schon immer ausgeprägte Künstlerpersönlichkeiten: Grimaud die nachdenkliche und tiefgründige französische Philosophin am Klavier; Sol Gabetta die extrovertiert temperamentvoll-impulsive argentinische Cellistin. Doch seit sich die beiden als Kammermusik-Duo zusammengetan haben, scheinen sich die jeweiligen Stärken auch auf die Partnerin übertragen, die Musikerinnen sich gegenseitig künstlerisch befruchtet zu haben. Denn selten hat man Hélène Grimaud so gelöst erlebt wie an diesem Abend in der Alten Oper. Und Sol Gabetta schien in ihrer Empfindungskraft die Musik noch tiefer auszuloten.

Glöckchen-Klang

„Es geht um den Herzschlag, den Puls, den gemeinsamen Atem“, hat Hélène Grimaud das Einzigartige ihrer Zusammenarbeit mit Sol Gabetta einmal beschrieben. Und genau dies war schon beim eingangs gespielten Arvo-Pärt-Stück „Spiegel im Spiegel“ zu spüren. In seiner Schlichtheit mit den gebetsmühlenartigen Wiederholungen einfachster Tonfolgen forderte es zu meditativer Versenkung auf, zum genauen Hinhören auf die feinsten dynamischen Schattierungen und Entwicklungen. Hélène Grimaud realisierte dies mit einem berückenden „Glöckchen“-Klang am Klavier, Sol Gabetta mit sanftem, natürlich-schönem, leicht nasalem Cello-Ton.

Nahtlos schlossen die beiden Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“ an, das Cello nun mit aufgerauterem Timbre, der Klavieranschlag Schumann-typisch aufgewühlt. Das Volkstümliche dieser Preziosen wurde durch das wunderbare Duo-Spiel gleichsam geadelt, denn Hélène Grimaud und Sol Gabetta gelingt das scheinbar Unvereinbare: die Musik auf eine höhere Sphäre zu heben, ohne die Bodenhaftung zu verlieren – zu schwelgen und zu schweben. Diese seltene Gabe kam auch Debussys Cellosonate d-Moll zugute. Witzig-groteske Gestalten der Commedia dell’arte schienen hier ihr Unwesen zu treiben, voller Esprit und Ironie.

Bei allem romantisch-expressiven Drängen verzauberte schließlich Brahms’ G-Dur-Sonate als Höhepunkt des Abends mit ihrer heiteren Grundstimmung, die tiefschürfenden, gehaltvollen Ausdruck nicht ausschließt. Am Ende gab es Standing Ovations für ein freudestrahlendes Kammermusik-Duo, das sich beseelt mit vier Zugaben von Chopin, Manuel de Falla und Schostakowitsch verabschiedete.

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