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Neues Album von Modest Mouse: Sie waren nicht weg, sie waren nur nicht zu sehen

Von Die amerikanischen Gitarren-Zyniker von „Modest Mouse“ sind auf ihrem Album „Strangers To Ourselves“ so gut, dass man ihre lange Abwesenheit verzeiht.
Gitarrist Isaac Brock beherrscht die leichte Schwermut. Foto: Steven C. Mitchell (EPA) Gitarrist Isaac Brock beherrscht die leichte Schwermut.

Was treibt Isaac Brock eigentlich den ganzen Tag? Das letzte Album seiner Indie-Rock-Schwergewichte „Modest Mouse“ wurde 2007 veröffentlicht, seitdem rissen sich die Fans rund um den Globus die Haare vor Langeweile aus. „Modest Mouse“ hatten 2004 mit „Float On“ einen Hit für die Ewigkeit geschrieben, mit „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ (2007) das erste Nummer-eins-Album abgeliefert. Jetzt, acht Jahre später, kommt die sechste Platte der US-Indie-Visionäre so ganz nebenbei heraus, als ob es alltäglich wäre, dass die vielleicht aufregendste Gitarrenband der Nullerjahre eine neue CD veröffentlicht. „Strangers To Ourselves“ (Fremde für uns) heißt das Album, umfasst 15 Songs, läuft fast eine Stunde und ist, wie zu erwarten war, ein Monster.

Das geht schon mit der schwermütigen Eröffnung „Strangers To Ourselves“ los: Der Song ist so leise, so schwermütig, als ob sich die „Pixies“ mit einer Kiste Rotwein in ein Baldrian-Feld zurückgezogen hätten. Allein von diesem ersten Song kommt man kaum runter. Eine dramatische Pauke gibt den Weg vor, eine traurige Violine zieht vorbei, und Brock singt über all die Glücklichen, die in der Nacht selig schlafen, ohne von ihren Sorgen aus den Träumen gerissen zu werden. So leise und melodramatisch bleibt das hier aber natürlich nicht. Die Single „Lampshades On Fire“ poltert sich mit Ska-Gitarren, unbestechlichem Viervierteltakt und einer grandiosen Hookline durch ihre drei Minuten. Die schlurfige Halbballade „Coyotes“ beginnt mit einem „Norwegian-Wood“-Intro und gipfelt in einem rauschhaften Seemannschor. Selbst die krude R-’n’-B-Hip-Hop-Verballhornung „Pistol (A. Cunanan, Miami, FL 1996)“ kommt mit viel Verve, reichlich Humor und einiger Spitzfindigkeit daher.

Diese Band ist mit so viel Talent und Ideen gesegnet, dass es auch jetzt noch nicht wundert, dass hier einst Johnny Marr von „The Smiths“ mitmischen wollte. Auch für „Strangers To Ourselves“ kann sich die Gästeliste sehen lassen: James Mercer von „The Shins“, Jim Fairchild von den seligen „Grandaddy“ und Dann Gallucci von den „Cold War Kids“ haben sich während der Aufnahmen im Studio blicken lassen.

 

Letzte Schreie

 

Das Highlight dieses 60-minütigen Gitarrenmarschs haben „Modest Mouse“ ans Ende ihrer neuen Platte gepackt: „Of Course We Know“ ist ein psychotischer Feedbackbrocken, mit viel Hall, undurchsichtigem Rhythmus, gellendem Hilfeschrei und einer Kinderlied-Melodie in den letzten Sekunden. Das sitzt hier alles so gut, dass „Modest Mouse“ spätestens mit diesem Album zu den modernen Klassikern des Indie-Rocks gezählt werden müssen.

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