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Massenets Oper "Manon": Sie wickelt die Männer um den Finger

Mit einer sirenenhaft schillernden Manon, einem smarten Sängerliebhaber und überquellender Spielfreude begeistert „Manon“ in Wiesbaden. Mehr noch: Bernd Mottls stilsichere Regie steht im Verdacht, der Opern-Blockbuster der Saison zu werden.
Der Opern-Klassiker „Manon“ von Jules Massenet ist in Wiesbaden als farbenfrohe Neuinszenierung zu sehen. Sie erzählt vom Aufstieg und Fall ein Femme fatale, gespielt und gesungen von Cristina Pasaroiu (hier neben Nathaniel Webster). Foto: Karl & Monika Forster Der Opern-Klassiker „Manon“ von Jules Massenet ist in Wiesbaden als farbenfrohe Neuinszenierung zu sehen. Sie erzählt vom Aufstieg und Fall ein Femme fatale, gespielt und gesungen von Cristina Pasaroiu (hier neben Nathaniel Webster).

Es ist nicht nur der verführerische Schmelz von Cristina Pasaroius lyrischem Sopran, der die Männerwelt an diesem Premierenabend im Wiesbadener Staatstheater in elektrisierte Aufmerksamkeit versetzt. Auch nicht die laszive Art, sich in roter Unterwäsche im gemeinsamen Lotterbett mit ihrem Geliebten herumzuwälzen, ihr herrlich ironisches Rokoko-Tänzchen mit dem reichen Verführer Brétigny oder die mit allen weiblichen Verführungskünsten auftrumpfende Finesse, mit der sie um die Rückkehr ihres Chevalier aus dem Priesteramt buhlt.

Ins Kloster verbannt

Vielmehr begeisterte Cristina Pasaroiu mit ihrer außergewöhnlichen Tapferkeit, die den Premierengästen allen Respekt abnötigte. Hatte sie sich doch bereits in der zweiten Probenwoche das rechte Bein gebrochen und konnte anschließend den künstlerischen Prozess lange nur stimmlich begleiten. Angeblich saßen zwei der Wiesbadener Chirurgen, die am Heilungsprozess der Primadonna beteiligt waren, so Intendant Uwe Eric Laufenberg, unter den Premierenbesuchern.

Pasaroiu jedenfalls, medizinisch gut versorgt, warf sich rückhaltlos in die Rolle der verführten und verführerischen Manon Lescaut, die als flatterhafte 16-Jährige von ihren Eltern ins Kloster verbannt werden soll, dort aufgrund ihrer außergewöhnlichen Reize aber nie ankommt. Bei den darauf folgenden Ränken, amourösen Verwicklungen und Intrigen und den verbissenen Kämpfen der Männer um die Trophäe der raffinierten Kindfrau vergisst Regisseur Bernd Mottl nie zu betonen, dass diese vor allem ein Opfer der patriarchalen Gesellschaft ist. Und nicht nur ein naives Nymphchen, das luxusversessen mit großen Geldlappen, Spielbankchips und Juwelen herumspielt.

Spielerische Eleganz

Es gibt eine Fülle von Szenen, in denen die Sopranistin fantastische Schauspielerqualitäten entfaltet – allein die Art, wie sich ihr Gesicht hoffnungsvoll erleuchtet, als sie am Ende noch einmal ihren Chevalier im Gefängnis sprechen darf; wie sie dabei unter dem aufgesetzten, lippenstiftverschmierten Sphinx-Gesichtsausdruck, den sie sich nach den angedeuteten, massiven polizeilichen Übergriffen antrainiert hat, aufgeregt erblasst, während ihr zeitgleich die Zigarette aus dem Mundwinkel fällt. Ihr zur Seite brilliert Ioan Hotea als ein in jeder Hinsicht passioniert liebender Chevalier, der intensive tenorale Strahlkraft und eine Fülle spielerischer Eleganz ins Feld führen kann. Das Bühnenbild und die Kostüme von Friedrich Eggert zeigen ein angedeutetes Filmset mit 50er-Jahre-Elementen, bevölkert mit den oberflächlichen Gespielinnen Poussette (Shira Patchornik), Javotte (Stella An) und Rosette (Silvia Hauer), die als fleischgewordener Männertraum in weißen Cowboy-Kostümchen feststecken.

Manons Cousin, zuständig für die Familienehre der Lescauts, wird von dem beeindruckenden Bariton Christopher Bolduc verkörpert, dem als Macho-Rocker nicht nur der Charakter seiner Cousine, sondern auch ihre ausgeprägte Spielsucht mehr und mehr entgleitet. Erik Biegel als Guillot-Morfontaine ist ein überkandidelt vergnügungssüchtiger Vertreter des Patriarchats, während Florian Kontschak dem Vater des Chevalier eine vertrauenswürdige väterliche Noblesse zu verleihen vermag. Benjamin Russel gibt seinem Monsieur de Brétigny die Aura eines barocken Aristokraten, der junge Mädchen sammelt, wie andere Menschen kostbare Briefmarken.

Duftiger Orchesterklang

Aus dem Orchestergraben dirigiert der in Wiesbaden debütierende Jochen Rieder einen ebenso duftigen wie süß schmelzenden Massenet, der in den großen Tableaus zu echter Puccini-Konkurrenz auffahren darf. Den farbintensiv und tanzfreudig die Bühne enternden Chorsängern ist der Spaß an der Produktion in Körper und Gesicht abzulesen. Kein Wunder, dass sie unter der Leitung von Albert Horne in jeder Hinsicht eine vorzügliche Ensembleleistung abliefern.

Großer Jubel belohnte einen kurzweiligen, stimmigen Opernabend, ganz besonders aber galt der Applaus der Sängerin Cristina Pasaroiu in der überaus fordernden Titelpartie.

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