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Brite ist einer der beliebtesten Thriller-Autoren in Deutschland: Simon Beckett : „Ich knallte gegen eine Wand“

Bestsellerautor David Beckett sprach mit Günter Keil über seine Schreibblockade bei der Entstehung von „Totenfang“, das Bedrohliche am Element Wasser, Graf Dracula und die Allgegenwart seiner Figur David Hunter.
Ab und zu ist der Autor aus Sheffield auch mal in Deutschland. Am Sonntag signiert er sogar auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild) Ab und zu ist der Autor aus Sheffield auch mal in Deutschland. Am Sonntag signiert er sogar auf der Frankfurter Buchmesse.

Nach fünf Jahren Pause Simon Beckett wieder einen Roman mit seiner berühmtesten Figur David Hunter veröffentlicht. In „Totenfang“ (Wunderlich-Verlag, 22,95 Euro) ermittelt der Forensiker in den Backwaters, einer Sumpflandschaft im Südosten Englands. Mit „Die Chemie des Todes“ startete Simon Beckett 2006 seine Hunter-Serie, deren bisherige vier Titel alle auf Platz 1 der Bestsellerlisten standen. Die Romane des 56-Jährigen erreichen in 30 Ländern eine Gesamtauflage von 9,5 Millionen. Beckett, der früher als Journalist, Englisch- und Spanischlehrer sowie als Schlagzeuger arbeitete, lebt mit seiner Frau Hilary in Sheffield. Am Sonntag wird der Autor zwischen 12 und 13 Uhr am Rowohlt-Stand (Halle 3.1 / Stand 3.1/E 65) sein Werk signieren.

Mr. Beckett, wie weit haben Sie es von zu Hause bis zum Meer?

SIMON BECKETT: Sheffield liegt ziemlich genau in der Mitte Großbritanniens, weswegen es von mir aus immer am weitesten zur Küste ist, egal in welche Richtung ich fahre. Zum Glück sind wir jedoch eine ziemlich kleine Insel, so dass die nächste Küste nur eine zweistündige Fahrt entfernt ist. Ich bin oft am Meer, am liebsten in Whitby, einer kleinen Stadt im Nordosten Yorkshires.

Hat dort nicht Bram Stoker „Dracula“ geschrieben?

BECKETT: Genau! Stoker lebte um 1890 in Whitby, und sein Graf Dracula kommt mit seinem Schiff in Whitby an. Sie sehen also, diese Stadt hat eine große Vergangenheit von Geschichtenerzählern.

Der Schauplatz Ihres neuen Romans liegt auch am Meer, in den Backwaters, viel weiter im Süden. Warum haben Sie „Totenfang“ dort angesiedelt?

BECKETT: Die Backwaters bestehen aus einem Labyrinth von Kanälen und Bächen, die das Marschland durchziehen, bei Ebbe leerlaufen und dann nassen Schlick, Schlamm und Gräben freilegen. Die realen Walton Backwaters in Essex haben mich zwar ein bisschen inspiriert, aber sie unterscheiden sich von der Gegend im Buch. In gewisser Weise ist das so wie bei meinen Figuren: Obwohl sie nicht real sind, möchte ich, dass sie sich so anfühlen. Die kleine Küstenstadt Cruckhaven, die Hunter besucht, existiert auch nicht wirklich.

Auch eine Wasserleiche, ähnlich jener, die Hunter untersucht?

BECKETT: Als Junge war ich einmal mit meinen Eltern am Meer, als die Polizei einen Ertrunkenen abtransportierte. Jahrelang dachte ich nicht mehr an diese Situation, aber jetzt erinnere ich mich wieder genau, wie der Mann aussah.

Inwiefern eignet sich Wasser besonders gut für einen Thriller?

BECKETT: Einerseits empfinde ich Wasser als sehr erholsam und atmosphärisch, vor allem, wenn ich selbst schwimme oder in der Nähe des Meeres bin. Andererseits umgibt es auch immer ein Gefühl von etwas Geheimnisvollem und einer Bedrohung. Diese Aura hat mich gereizt, und ich wollte schon lange einmal einen Hunter-Roman ums Wasser herum aufbauen – es ging nur noch darum, die Story dafür zu finden.

Das hat offenbar lange gedauert: Der letzte Hunter-Fall „Verwesung“ erschien vor fünf Jahren.

BECKETT: Es scheint tatsächlich so als ob ich für jeden neuen Band dieser Serie immer noch länger brauche. Das war auch schon vor „Verwesung“ so. Und glauben Sie mir: Das ist ein Muster, das ich sehr gerne durchbrechen würde.

Woran liegt es denn?

BECKETT: Dafür gibt es verschiedene Gründe – oder vielleicht sind es auch Ausreden, wer weiß. Einer ist, dass ich mich natürlich bemühe, jedes Buch anders und besser zu machen als das vorherige. Im Falle von Hunter bedeutet das, dass ich jedes Mal einen völlig neuen Schauplatz und eine andere Besetzung brauche. Und, noch wichtiger: die Story muss ich so drehen und wenden können, dass sie zwar unvorhersehbar, aber doch auch ganz normal und authentisch wirkt. Das alles führt dazu, dass ich mich beim Schreiben unter enormen Druck setze, was nicht immer eine gute Sache ist. „Totenfang“ habe ich mehrmals neu begonnen, immer mit anderen Schauplätzen, und jedes Mal knallte ich nach etwa 20 000 bis 30 000 Wörtern gegen eine Wand.

Und was hat Sie gerettet?

Also hörte ich auf und startete wieder von vorne. Ich hatte mich so auf Hunter fokussiert und in das Buch verbissen, dass ich aus dem Blick verloren hatte, warum ich ursprünglich anfing zu schreiben: weil ich Spaß daran hatte. Mit dieser Erkenntnis wurde das Buch plötzlich lebendig, und ich schrieb es sehr schnell.

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