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Ausstellung an Städelschule: So sieht die Kunst von morgen aus

Insgesamt 38 junge Künstler stellen ihre besten Werke vor und zeigen, was sie bei ihren neun Professoren an der Frankfurter Städelschule gelernt haben.
Amputierte Schaufensterpuppen kämpfen in Ryan Cullens Installation „On Civility“ (Mit Anstand) gegeneinander. Bilder > Foto: Axel Schneider Amputierte Schaufensterpuppen kämpfen in Ryan Cullens Installation „On Civility“ (Mit Anstand) gegeneinander.

Vorhang auf für den großen Moment, von dem alle Künstler träumen, dem Auftritt in einem Museum. Natalia Rolón hat diesen großen Auftritt in die Tat umgesetzt für sich und die 37 anderen diesjährigen Absolventen der Frankfurter Städelschule. Im MMK 3, dem früheren Zollamt und seit geraumer Zeit ein Ableger des Museums für Moderne Kunst (MMK) schräg gegenüber dem Haupthaus, hat sie kurz hinter der Glastür einen hellgrauen Vorhang aufgehängt. So entsteht ein Kabinett, das auch nachts einsehbar ist als Schaufenster der Ausstellung.

In diesem Kabinett, zugleich Auftakt der Schau, zeigt die argentinische Künstlerin ihre Vorbilder von Wassily Kandinsky bis Claude Monet und ein Selbstporträt. Der Vorhang ist ein geschickter dramaturgischer Kunstgriff für die alljährliche Präsentation der Studienabgänger. Noch nie freilich war die Qualität so hoch wie in diesem Jahr bei der neunten Ausgabe, die bis 12. November läuft.

Platz zur Entfaltung

Das liegt nicht nur an der ungewöhnlich hohen Zahl der Absolventen aus den neun Klassen, sondern auch an der sehr großzügigen Präsentation. Neben dem MMK 3 werden nämlich drei weitere Räume im Haupthaus MMK 1 bespielt, im Erd- und Untergeschoss. Gebt den jungen Leuten viel Platz zur Entfaltung und stärkt ihr Selbstvertrauen – den Rest schaffen sie allein. So ist es tatsächlich dank der klugen Mithilfe des MMK-Kurators Sergey Harutoonian. Der betont, dass 90 Prozent der Werke eigens für die Schau entstanden sind, rein ortsbezogen oder die Räume mit ausgreifenden Installationen nutzend.

Im MMK 1 sind die Installationen zu sehen, im MMK 3 triumphiert die Malerei aus den Klassen von Amy Sillman und Josef Strau, aber auch von Judith Hopf (freie Kunst) und Tobias Rehberger (Bildhauerei). Es ist eine freiere Art von Malerei, die mit anderen Genres spielt, mit Zeichnung und Skulptur. So hat Lennart Constant seine Serie von flitzenden Kellnern mit Öl und Acryl auf linierte Leinwände gemalt, als handle es sich um Entwürfe auf Notizblöcken. Sein tschechischer Kollege Richard Nikl hingegen hat Holz- und Styroporplatten in schöne Reliefs verwandelt und mit Löchern die Tiefendimension geöffnet.

In Bussen und Bahnen

Auch Leda Bourgogne pendelt zwischen Malerei und Objekt. Sie montiert Abzugsgitter in ihre Bilder, zeichnet aber auch sehr fein ein menschliches Rückgrat und hängt darüber das passende Symbol in Form von Haltegriffen, wie sie in Bussen und Bahnen zu finden sind. Ohne die Griffe würden die Passagiere bei heftigen Bremsmanövern den Halt verlieren. Bei Bourgogne sind die Haltegriffe zwar etwas zu hoch, aber die Anspielung funktioniert auch ohne praktische Umsetzung.

Die Ausstellung ist ein „Home of the Brave“, so der Titel der Schau, ein „Hort der Tapferen“ – denn Künstler haben es nicht leicht in unserer Gesellschaft, die auf oberflächlichen Konsum getrimmt ist. Da bleibt kaum Geld über, um noch Kunst zu erwerben. Doch das wäre wichtig, um der nachwachsenden Generation den Start in die Zukunft zu ermöglichen. Das MMK bietet dieses Forum an, denn das Haus will frühzeitig Talente entdecken und fördern, aber auch deren Werke günstig kaufen.

So wie bei Anne Imhof, die hier vor fünf Jahren als Absolventin startete, nun in Venedig auf der Biennale den Deutschen Pavillon allein bespielt und dafür den „Goldenen Löwen“ erhielt. Ihre Freundin Eliza Douglas ist jetzt unter den Absolventen als furios-virtuose Malerin. Nicholas Pittman hingegen hat Teile der Stellwände ausgesägt, mit Acryl bemalt und vor die entstandenen Löcher gehängt – so entstehen dreidimensionale und wunderbar farbig schillernde Bilder von Grün über Gelb und Orange bis zu Rosa.

Der Australier Damien Butler schließlich führt uns in einen kleinen schwarzen Raum, der an der Decke komplett verspiegelt ist. Doch in der Luft liegt ein leichter, aber sehr eigener Duft nach Holz.

Stahl und Maschendraht

Butler hat ein Parfüm kreiert vom australischen Wald nach dem Regen – immer wenn ein Neugieriger die Tür zum schwarzen Spiegelraum öffnet, wird der Duft wieder ein wenig mehr in die Ausstellung getragen und verbreitet sich in alle Räume. Ein schönes Spiel mit den subtilen Einflüssen.

Im MMK 1 überrascht Hanna-Maria Hamari mit ihrem Wolfsrudel, dem man auf dem Weg ins Untergeschoss zur Toilette oder zum Filmsaal begegnet. Aus Kunstfell, Stahl und Maschendraht schuf sie Tiere, deren Kopf und Gliedmaßen man automatisch ergänzt – ein starker Auftritt der Finnin, die bei Tobias Rehberger studiert hat. An dem reibt sich jedoch Sathit Sattarasart, indem er in eine bequeme Liegestatt ein Rehberger-Aquarell einfügt – eine witzige Idee, die aber zu wenig über den thailändischen Schüler aussagt. Überzeugender ist da allemal der Argentinier Tomás Nervi. Er hat an einer Wand einen leeren Bilderrahmen mit Glas exakt in die abgerundete Ecke eingepasst. Die Maßarbeit ist Kunststück genug, auch ohne Abbildung.

Museum für Moderne Kunst

MMK 3 und MMK 1, Frankfurt, Dom- straße 3 und 10. Bis 12. November. Geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.
Eintritt 6 Euro. Katalog 10 Euro. Telefon (069) 21 23 04 47.
Internet www.mmk-frankfurt.de

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