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Zeichnungen von Frank Hoppmann im Frankfurter Caricatura-Museum: So tierisch sind die Promis

Der Münsteraner Karikaturist Frank Hoppmann ist viel zu wenig bekannt. Dabei ist er der beste Porträtist in Europa, der sich auch der Tierwelt widmet.
. . .  während Donald Trump wie ein Äffchen oder eine Flunder wirkt. 
Der Fantasie des Betrachters sind keine Grenzen gesetzt. So auch bei . . . . . . während Donald Trump wie ein Äffchen oder eine Flunder wirkt. Der Fantasie des Betrachters sind keine Grenzen gesetzt. So auch bei . . .

Bedankt hat sich bisher niemand, beschwert aber auch nicht bei Frank Hoppmann, dem Urheber dieser Porträts. Dabei werden bei ihm selbst schlanke Menschen zu aufgeplusterten Kopftypen mit rotviolett schillernder Haut, die den nahen Herzinfarkt ankündigt. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat solch ein gigantisches Schwabbelkinn, das offensichtlich nur aus Fleischwurst besteht. Ganz zu schweigen von nicht ganz so schmal gebauten Zeitgenossen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz feixt im grünen Hawaiihemd vor sich hin und erinnert an eine Kröte. Abbildungen: Frank Hoppmann Bild-Zoom
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz feixt im grünen Hawaiihemd vor sich hin und erinnert an eine Kröte. Abbildungen: Frank Hoppmann

Gut kommen sie alle nicht weg bei Frank Hoppmann, dem Karikaturisten aus dem Emsland, der im westfälischen Münster lebt. Der 42-Jährige charakterisiert die Promis aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport alles andere als schmeichelhaft, aber treffend. Einfach genial, der Ober-Choleriker Erdogan mit dickem Schmollmund, der jetzt im Frankfurter Caricatura-Museum neben 274 anderen Werken vom morgigen Donnerstag an bis 3. Dezember zu sehen ist. Hier trifft er auf Gegner wie Merkel oder den Satiriker Jan Böhmermann, dem eine dicke Nase gewachsen ist.

. . . Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Hoppmann einen wenig schmeichelhaften Schweinenacken zum Eulen-Gesicht verpasst. Bild-Zoom
. . . Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Hoppmann einen wenig schmeichelhaften Schweinenacken zum Eulen-Gesicht verpasst.

Alle Porträtierten haben einen viel zu großen Kopf auf einem viel zu kleinen Körper. Auch dem nur aus den Augenwinkeln lugenden Donald Trump ergeht es nicht anders; die Hände sind schmal und feingliedrig wie die einer Madonna, als hätte der Politiker nie schwer gearbeitet. Dieses im Dezember in der „Los Angeles Times“ erschienene Porträt wurde kürzlich mit einem angesehenen amerikanischen Preis gewürdigt.

Kühne Stricheleien

Darüber kann Wladimir Putin nur diabolisch grinsen, während SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im grünen Hawaiihemd vor sich hin feixt. Kurzum: Der Hoppmann traut sich was mit seinen kühnen Stricheleien, die durchaus als persönliche Sticheleien zu verstehen sind. Gelernt hat er sein Metier beim Designstudium in Münster, verfeinert hat er sein Können als Gerichtszeichner für Zeitungen und Fernsehanstalten. Seine Diplomarbeit trug den Titel „Spirituosenliebhaberei hat viele Gesichter“ – einige der 250 Zugedröhnten sind jetzt zu sehen. Frank Hoppmann gilt unter Kennern als „legitimer Nachfolger von Tomi Ungerer“, des mittlerweile 85-jährigen französischen Illustrators und Autors. Auch F. W. Bernstein, einer der Großmeister der komischen Kunst und Mitbegründer der „Neuen Frankfurter Schule“, ist von Hoppmanns pointiertem Strich überzeugt und lobt ihn als „besten Porträtzeichner europaweit“. Der wiederum bedankt sich mit wunderbaren Tusche-Porträts von Bernstein und dem Frankfurt-Trupp um Gernhardt, Traxler, Poth und Waechter.

Karikaturist Frank Hoppmann verleiht den Politikern gerne ein tierisches Antlitz: Der türkische Präsident Erdogan schmollt mit Hundegesicht . . . Bild-Zoom
Karikaturist Frank Hoppmann verleiht den Politikern gerne ein tierisches Antlitz: Der türkische Präsident Erdogan schmollt mit Hundegesicht . . .

Ohnehin verblüfft Hoppmann mit einem ständigen Wechsel seiner Techniken. Mal zeichnet er mit Blei- und Buntstift, Kohle oder Tusche, mal koloriert er mit Wasserfarben oder Acryl, scheinbar nach Lust und Laune. Sogar beim Material kennt er keine Hemmungen; neben Papier verwendet er auch Holz, Pappe oder aneinandergeklebte Zettel. Wenn es das Motiv erfordert, wird einfach angeklebt, denn Hoppmann will „kein DIN-A2-Maler sein“, sprich: Er will seine Freiheiten bewahren.

So wirkt alles etwas provisorisch, fast beiläufig entstanden. Dennoch wurden die Porträts des feinfühligen Beobachters schon mit Gebirgslandschaften verglichen, angefangen bei der runzligen Denkerstirn bis hin zum feisten Doppelkinn. Zuweilen erlauben seine „Charakterköpfe“ auch Vergleiche mit der Tierwelt.

Angela Merkel etwa könnte fast als Nachteule durchgehen. Und Erdogan, so Martin Sonntag im Katalog, erinnert an einen Pekinesen, Trump an eine Flunder. Eben verzerrt und überzeichnet, aber durchaus naheliegend. Tatsächlich hat Hoppmann eine gewisse Schwäche für Tiere, wie der Ausstellungstitel „Animalism“ verrät. Folglich geht es ihm um „die Vermenschlichung der Tiere und die Vertierung der Menschen“, so Museumschef Achim Frenz. Vor allem die (bekanntlich intelligenten) Schweine haben es dem Künstler angetan. Die zeichnet er gern mit Anzug, Krawatte und Zigarre; er lässt sie freilich auch hüllenlos mit schicken roten Pumps oder gar als „Geile Sau“ auftreten.

Wie eine Therapie

„Wo Schweine sind, da sind aber auch Fliegen“, bemerkt Hoppmann in seiner typisch trockenen Art. Doch das Zeichnen von Fliegen ist „fast so etwas wie eine Therapie nach der intensiven Arbeit an einem Porträt“. Dann studiert er, ähnlich akribisch, Fliegen unter der Lupe oder zwischen den Fingern. Ein weiteres Blatt zeigt nur zwei Fliegenpatschen an der Wand, versehen mit dem Titel „An den Nagel, the war is over“. Die Schlacht mit den Fliegen ist entschieden, bis zum nächsten Tag.

 

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