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Konzert des Songschreibers in der Jahrhunderthalle: Songschreiber Clueso: „Ich schau mir die Texte von Bob Dylan an“

Von seiner Band hat sich Clueso getrennt. Doch allein fühlt sich der Sänger nicht weniger stark. Das will er auch beim Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle zeigen.
Clueso (36) fühlt sich gerade voller Energie. Eine gute Voraussetzung für einen „Neuanfang“, wie sein jüngstes Album heißt. Clueso (36) fühlt sich gerade voller Energie. Eine gute Voraussetzung für einen „Neuanfang“, wie sein jüngstes Album heißt.
Frankfurt. 

Thomas Hübner, der sich Clueso nennt, ist Sänger, Rapper, Songschreiber und Produzent aus Erfurt („Weit weg“, „Stadtrandlichter“). Er war mit Herbert Grönemeyer auf Stadiontournee und arbeitete mit Udo Lindenberg. In Hamburg stellte er dieser Tage sein Album „Neuanfang“ vor. Mit dessen Songs geht Clueso auf Tournee und kommt auch am 27. September nächsten Jahres in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Äußerlich wirkt Clueso zwar wie ein unbekümmerter großer Junge. Doch der 36-Jährige nimmt seine Musik ernst. Seinen Künstlernamen wählte Clueso übrigens in Anlehnung an den ungeschickten Polizeiinspektor der „Pink-Panther“-Filme: Clouseau. Olaf Neumann sprach mit dem Sänger.

Clueso, Sie haben sich voriges Jahr von Ihrer Band getrennt, um sich anderen Projekten zu widmen. Waren Sie mit Ihrer Musik zuletzt nicht mehr glücklich?

CLUESO: Das kann ich nicht sagen. Wir waren eine großartige Band mit vielen tollen Bühnenmomenten. Es war eher so, dass große Fragezeichen im Raum standen und ich mich von vielen Sachen getrennt habe, weil ich einfach Lust auf etwas anderes hatte. Ich stellte mir die essentielle Frage, wie ich mich aus einer Fremdbestimmung lösen kann, ohne zu brechen. Ich wollte beweglicher und weniger Unternehmer sein, ich wollte auch mal wie ein Maler einen Monat lang auf einem Stuhl sitzen und die weiße Leinwand anstarren.

Als freischaffender Künstler weiß man oft nicht, woher man nächsten Monat das Geld für die Miete bekommen soll. Woher kriegen Sie Zuversicht?

CLUESO: Mir geht es besser, wenn ich nicht die Verantwortung für andere habe. Es gibt Leute, die darin aufgehen, ein Unternehmen zu leiten. Ich aber weniger, ich bin lieber Musiker und ein bisschen freier.

Gibt es im knallharten Musikgeschäft Freundschaften?

CLUESO: Das weiß man wahrscheinlich immer erst, wenn es hart auf hart kommt. Mit Udo Lindenberg zum Beispiel gab es bisher keine Situation, in der ich ihn wirklich gebraucht habe und er auch da war, unsere Beziehung ist eher musikalischer Natur. Aber selbst dann beweist sich eine Freundschaft. Ich kann Udo jederzeit anrufen, und er würde mich sofort einladen. Mit ihm im Hotel im Pool zu sitzen und wirklich mal über private Dinge und das Leben zu talken, war ein schöner Moment. Udo steht drauf, in Freundschaften ein bisschen Künstlermagie drin zu lassen. Er lebt das so. Wolfgang Niedecken ist da anders, er schreibt einem auch aus dem Urlaub.

Welchen Rat holen Sie sich von älteren Kollegen wie Lindenberg oder Niedecken?

CLUESO: Gerade mit einer Band erlebt man viele euphorische Situationen, das schweißt zusammen. Sich davon lösen zu wollen, ist schon krass. Da habe ich natürlich um Rat gefragt. Wolfgang Niedeckens Rat lautete, man solle sich immer fragen, wofür man angetreten ist und wofür man heute noch steht. Wenn man darauf eine Antwort hat, wisse man schon, was zu tun ist. „Du bist du“, sagte er. „Das kann dir keiner übel nehmen“.

Haben Sie auch beim Musikmachen selbst etwas verändert?

CLUESO: Vor allen Dingen habe ich bestimmte Dinge abgegeben, auch auf die Gefahr hin, dass es eher der Fingerabdruck des Produzenten sein wird als mein eigener. Im Studio gab es eigentlich nur den Produzenten Tobias Kuhn, den Drummer Tim Neuhaus und mich. Tobi sagte mir bereits bei der ersten Begegnung: „Ich will dein bestes Album machen“ und fragte mich im Studio immer: „Gefällt es dir? Ja. Dann lass es weg!“ Wir haben nach einer Nische gesucht, aber wir wollten keine neuen Rezepte erfinden.

Sie erzählen Geschichten, die erfunden, aber keine Lügen sind. Was bedeutet das?

CLUESO: Ich erzähle erdachte Geschichten, aber darin fließt auch Autobiografisches mit ein. Manche Figuren entwickeln eine Eigendynamik. Damit sie funktionieren und auch bei mir eine Emotion erzeugen, muss ich sie sich manchmal von mir wegbewegen lassen, obwohl ich ihnen alles von mir mitgebe. Somit sind sie erfunden, aber gleichzeitig auch keine Lüge. Das habe ich von Dylan gelernt.

Wie sehr sind Sie mit Dylans Werk vertraut?

CLUESO: Dieses dicke Buch mit seinen Texten ist für mich wie eine Bibel. Ich schlage es immer wieder auf, weil ich Bob Dylans Denkweise einfach erfrischend finde. Gerade wenn es bei mir mal hapert, schaue ich mir seine Texte an und denke: „Mach dir keinen Kopf, manche Sachen muss man nicht verstehen“. Texte dürfen auch anecken und zwischen den Zeiten hin und her springen. Ich lese gern Musikerbiografien, wie die von Miles Davis, Neil Young, Anthony Kiedis, David Bowie, Patti Smith. Da ist viel zu holen.

 

Album: „Neuanfang“, Text & Ton/Universal. Konzert: Jahrhunderthalle Frankfurt.
27. September 2017 um 20 Uhr. Karten zu 41,30 (Stehplatz) und 45,90 Euro unter Hotline 01806-57 00 70.
Internet www.fnp.de/ticketshop

 

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