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Konzert: Sting bringt Shaggy auf die Bühne - ein Bonus, den nicht jeder wollte

Vielleicht war das genau der richtige Musikmix für eine laue Sommernacht. Zu Reggae-Beats schaukelt es sich so wunderschön in Ferienstimmung. Nur hätte das Superstar Sting sicherlich auch ohne seinen Adepten Shaggy geschafft.
Sting (rechts) und Shaggy (links) – das war manchem zu viel. Sie hatten sich auf Sting pur eingerichet. Foto: Sven-Sebastian Sajak Sting (rechts) und Shaggy (links) – das war manchem zu viel. Sie hatten sich auf Sting pur eingerichet.
Mainz. 

Es ist vierzig Jahre her, dass Sting das erste Mal im Rhein-Main-Gebiet auftrat. Am 23. Mai 1978 in der Stadthalle Offenbach gehörte er mit seinen Bandkumpels Andy Summers und Stewart Copeland zum Ensemble von Eberhard Schoeners „Trance-Formation Laser In Concert Tour“. „The Police“ wollte da noch kaum einer hören. Als Solist ging Sting ab 1985 dann durch viele Metamorphosen. Da ließ er sich zunächst von hochkarätigen Jazzmusikern begleiten. Dann interpretierte der Brite Brecht/Weill und Eisler, gab sich dem Minnesang („Ten Summoner’s Tales“) hin oder tauchte mit John-Dowland-Adaptionen ins elisabethanische Zeitalter ein. Zudem überraschte er mit kammermusikalisch instrumentierten Winterliedern, darunter Franz Schuberts „Leiermann“. Um nur einige Eckpunkte zu nennen.

Zufällig im Studio

Jetzt also hat er ein gemeinsames Album mit Shaggy aufgenommen und tourt mit dem Jamaikaner. Ein Kreis schließt sich so. Denn der Post-Punk- und New-Wave-Sound von „The Police“ war Ende der Siebziger maßgeblich vom Offbeat des Reggaes inspiriert. Warum aber dieser Schulterschluss mit Shaggy? Weil beide in New York leben? Trotz seines Megahits „Boombastic“ 1995 – für echte Reggae-Kredibilität bei Pop-Kompatibilität hätte Sting besser Jimmy Cliff oder Toots Hibbert von den „Maytals“ wählen können. Das sind Ikonen. Aber diese Konstellationen trafen eben nicht zufällig im Studio aufeinander und haben gemeinsame Geschäftspartner.

Der Zufall stand also Pate für „44/876“. Die Telefonvorwahlen von Großbritannien und Jamaika bilden den CD-Titel. Acht der zwölf neuen Kompositionen darauf würde das ungleiche Duo auch beim „Summer In The City“ in Mainz auf die Bühne bringen. Bevor sie aber mit dem Titelsong und „Morning Is Coming“ erste Kostproben dieser relaxten Zusammenarbeit zum Besten gaben, startete das Oktett mit „Englishman In New York“ mit einem Sting-Klassiker in die laue Sommernacht.

Sprechgesangsfetzen

Keine Frage: Selbst wenn Orville Richard Burrell alias Shaggy als Einpeitscher die „Reggae People“ im Publikum beschwor – das Gros der Besucher im ausverkauften Volkspark war wohl wegen Sting gekommen. Es gab einzelne Fans, die ihre Vorverkaufstickets vorzeigten, auf denen von Shaggy gar nicht die Rede war. Ein Bonus, den nicht jeder wollte, zumal der 49-Jährige bei Sting- und „Police“-Songs zwar hier und da mal eine Strophe übernahm oder den Refrain mitsang, ansonsten aber eher als Stings Echo auf einzelne Textzeilen nur lautmalerisch und mit Sprechgesangsfetzen reagierte.

Während Stings Stimme, die in den Höhen ein wenig verloren hat, einen hohen Wiedererkennungswert und sehr eigenen Charakter hat, ist Shaggys Organ eher durchschnittlich. Aber schnell hatten sich die 9000 Menschen im Grünen auf die Grooves eingeschaukelt.

Zum Glück ist Stings Basspiel prägnant und schob die Band gemeinsam mit Schlagzeuger Josh Freese unaufhaltsam voran. Dass keine Lethargie beim Anhang aufkam, lag vor allem an der durchdachten Dramaturgie. Wann immer Gassenhauer wie „Every Little Thing She Does Is Magic“, „Message In A Bottle“ oder das gospelnde „If You Love Somebody“ anklangen und erkannt wurde, ging ein Aufschrei durch die Menge, und das Mitsingen war ganz ohne Animation gesichert. Balladen wie „Fields Of Gold“ sorgten für romantische Momente.

Fairerweise muss gesagt werden, dass auch Shaggy über die Rolle des Pausenclowns hinauswuchs und schon vor seinem „Boombastic“ im Medley mit „Roxanne“ zum Finale nach neunzig Minuten seinen Beifall für „Angel“ oder „Hey Sexy Lady“ bekam. Szenenapplaus gab es für Backgroundsänger Gene Noble und seine fein ziselierten Soloparts in „Shape Of My Heart“. Das hatte Soul und erinnerte ein wenig an den jungen „Earth,-Wind-&-Fire“-Vokalisten Philip Bailey. Ein Riesentalent wie auch der zweite Gitarrist Rufus Miller, der Sohn von Stings kongenialem Sideman Dominic Miller. Als der in bester Andy-Summers-Tradition diese typischen „Police“-Gitarrenakkorde für die Frühhits „So Lonely“ und „Roxanne“ anschlug, gab es im Auditorium kein Halten mehr. In „Crooked Tree“, dem besten Stück von „44/876“ live, gab Shaggy den Richter mit Perücke und Robe und Sting den Ganoven in gestreiften Gefängnisklamotten. Natürlich fehlten politische Statements gegen Rassismus und für „Oneness“ (ein Rasta-Terminus) nicht. „Fragile“ beschloss schließlich einen letzlich unterhaltsamen Abend.

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