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"Shape of Water": Stumme Putzfrau verliebt sich in einen Wasser-Mann

Von Mexikos Filmemacher Guillermo del Toro erzählt von der Liebe einer stummen Frau zu einem Mann aus dem Meer, der in einem Labor der US-Armee lebt.
Eliza (Sally Hawkins, links) und ihre Kollegin (Octavia Spencer) müssen die Toiletten eines unterirdischen Labors des amerikanischen Militärs reinigen. Eliza (Sally Hawkins, links) und ihre Kollegin (Octavia Spencer) müssen die Toiletten eines unterirdischen Labors des amerikanischen Militärs reinigen.

In einer düsteren, feuchten, heruntergekommenen Wohnung lebt die stumme, vereinsamte Eliza. Sie gehört zu den Traumtänzerinnen unter den Menschen. Und das hat seinen Grund. Ohne die Flucht in die Fantasie wäre es nicht auszuhalten, was die scheue, zierliche Frau (Sally Hawkins) zu ertragen hat. So aber wünscht sie sich weg in andere Welten und erfindet sich ein eigenes Wunderreich. Es gleicht dem großen Kino namens Orpheum, das unter ihrer Wohnung liegt und geradezu wörtlich ihre Unterwelt darstellt. In dem abgedunkelten, herrlich altmodischen Raum mit den Samtpolstern sind große schöne Lichtspiele auf der Leinwand zu sehen, erfunden und ins Bild gesetzt von Künstlern, deren Einfallsreichtum grenzenlos scheint. Mit wenigen, sehr symbolbeladenen Bildern entwirft Guillermo del Toro die Szenerie eines Fantasyfilms, der im Amerika der 60er Jahre spielt und an viele andere, klassischere Märchen erinnert.

Die Schöne und das Biest

Zu allererst denkt man an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Dann neigt man dazu, Eliza für ein heutiges Aschenputtel zu halten. Arbeitet sie doch als Toilettenputzfrau in einem unterirdischen Forschungslabor des US-Militärs. Irgendwann verliebt sich Eliza in ein Wasserwesen, das dort gefangengehalten wird. Es ist ein amphibienartiger Mann mit Schuppen und Schwimmhäuten (Doug Jones). Ein Mann, der so stumm, bemitleidenswert und liebebedürftig ist wie Eliza selbst. Jetzt erinnert das Geschehen eher an „Die Schöne und das Biest“ oder „Das Phantom der Oper“. An eine Erlösungsgeschichte also, in der es darum geht, wie das Gute sich gegen das Böse durchsetzt und dabei eine unschuldige Kreatur rettet.

Gequält wird der Wasser-Mann von Wissenschaftlern und Geheimdienstlern der Vereinigten Staaten, die im Wettbewerb gegen die Sowjets ein Lebewesen heranzüchten wollen, das sich dank seines besonderen Atemsystems ins All schicken lässt. Warum der aus dem Amazonas herbeigeschleppte Meeres-Mann aber mit Elektroschlägen misshandelt und nicht aufgepäppelt wird für den großen Weltraumversuch, kann nur Guillermo del Toro beantworten. Der mexikanische Filmemacher erweitert sein Märchen zum Gruselstück. Er macht aus den Geheimdienstlern Sadisten und füllt die Handlung mit weiteren Bruchstücken verschiedenster Filmgattungen auf.

Kann man machen, aber Guillermo del Toro lässt die beiden besten Schmiermittel für derlei Genremischungen ungenutzt: Witz und Ironie. Beide haben bereits Stanley Kubrick für seine irre Rückkehr in den Kalten Krieg gute Dienste geleistet („Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“), ebenso wie Woody Allen für seine Agentenparodie „What’s up, Tiger Lily?“.

Mischung ohne Stil

In „The Shape of Water“ hingegen sollen allein die Poesie und die Ästhetik über sämtliche Brüche hinweghelfen. Aber auch ihnen fehlt es trotz aller Anstrengungen an einer eigenen Stilistik, einer besonderen Erzählform, ohne die sie keine Wirkung entfalten können. Guillermo del Toro („Biutiful“, „Manolo und das Buch des Lebens“) zitiert und kopiert wie wild andere Kinowerke. Er hat hier nur ein Secondhand-Märchen erschaffen. Kein neues Original. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: E-Kinos (D+OF), Harmonie (D+OmU), Metropolis (OF).
Limburg: Cineplex. Mainz: Cinestar

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