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Ausstellung: Superhelden gibt es auch im Alltag

Die Bildungsstätte Anne Frank zeigt die Gewinner des bundesweiten Comic-Wettbewerbs „Welt retten“ im Frankfurter Museum für Kommunikation.
Zu den besten Arbeiten des Comic-Wettbewerbs „Welt retten“ gehört diese Zeichnung des 22 Jahre alten Jannik Jochim mit einem Obdachlosen, den ein Kinoplakat vor Regen schützt. Abbildung: Jannik Jochim Zu den besten Arbeiten des Comic-Wettbewerbs „Welt retten“ gehört diese Zeichnung des 22 Jahre alten Jannik Jochim mit einem Obdachlosen, den ein Kinoplakat vor Regen schützt. Abbildung: Jannik Jochim
Frankfurt. 

Gertrude Hadley Jeanette ist eine couragierte Frau. Die heute 103 Jahre alte Dame kann sich noch gut erinnern, wie sie 1942 ihre Lizenz zum Taxifahren erhielt. Damals war die 28-Jährige die erste schwarze Taxifahrerin in New York – und musste sich gleich gegen ihre männlichen Kollegen zur Wehr setzen. Einer von ihnen schnitt ihr vor einem Hotel sogar die Vorfahrt ab. Aber nachdem sie sein Taxi gerammt hatte, merkte er erst, dass er es mit einer Frau zu tun hatte und war fortan friedlich.

Die alte Dame erzählt ihre bewegte Geschichte im Rückblick. Übrigens machte sie nur wenige Jahre später auch Karriere als Schauspielerin in Theater, Rundfunk, Film und Fernsehen. Für die 21-jährige Kasseler Kunststudentin Janne Marie Dauer ist Gertrude eine Heldin, deren Taxifahrer-Episode sie als Comic auf einem Blatt gezeichnet hat. Damit gewann sie einen Preis der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, einem Zentrum für politische Bildung und Beratung, das weit über Hessen hinausstrahlt, um Jugendliche und junge Erwachsene für die Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft zu stärken.

Das Zentrum, benannt nach dem jüdischen Mädchen aus Frankfurt, dessen Tagebuch aus dem Amsterdamer Versteck weltberühmt wurde, lobt mit der Investmentbank William Blair alljährlich einen Kunstwettbewerb über Migration aus. Im vierten Jahr kamen zum Thema „Welt retten – Superheld*innen für heute“ mehr als 400 Einsendungen aus ganz Deutschland. Jetzt sind die 21 besten Arbeiten bis 14. Januar nächsten Jahres im Frankfurter Museum für Kommunikation zu sehen, unterteilt in die Alterskategorien bis 14 Jahre, von 15 bis 19 und ab 20.

Wildes Kriegsgetümmel

Der jüngste Teilnehmer ist erst neun Jahre alt. Lasse Jakob Natter hat die Rückkehr des Yeti-Ritters gezeichnet, der dafür sorgt, dass die letzten lebenden Eisbären, die ohnehin schon vom Aussterben bedroht sind, nicht auch noch als Jagdtrophäen enden. Mit einem coolen „BAM!“ schleudert er den Jäger in einen Eisberg. Der älteste Teilnehmer ist der 31-jährige Paul Rietzl, der in Augsburg als freiberuflicher Illustrator und Comiczeichner arbeitet. Aus Rietzls wildem Kriegsgetümmel schält sich ein Mensch heraus, der einen Verletzten trägt.

Die Comics machen mobil gegen Rassismus, Sexismus, Ausgrenzung, Flucht oder Umweltzerstörung. Und sie zeigen, dass die oft gescholtenen jungen Menschen durchaus an Politik interessiert sind. „Sie haben Meinungen und vertreten auch klare Positionen, aber sie werden viel zu wenig gehört. Gerade in einer Stadt wie Frankfurt, die einen großen Migrationshintergrund hat, ist ihnen etwa Mobbing vertraut“, meint Projektleiterin Céline Wendelgaß.

Sogar Bienen werden in den Comics zu Helden, denn ohne ihr Bestäuben von Pflanzen kann der Mensch nicht leben. Die zwei neuen Hochhäuser können die Bienen zwar nicht verhindern, die sich nun einen anderen Platz suchen müssen. Aber die neuen Mieter haben vorgesorgt. Auf beiden Wolkenkratzern wachsen Pflanzen und Bäume, dazwischen baumelt an einer Schnur ein Bienenkorb. So sehen es die Frankfurter Marlene Baumung und Finn Hansen (14): „Superheld*innen müssen nicht Superkräfte haben oder groß und stark sein – ihr Handeln zeichnet sie aus.“ Es braucht also nicht nur Superhelden. Viel wichtiger sind die Alltagshelden. Sie tauchen oft in den Comics auf, etwa die freiwillig in Kriegsgebieten arbeitenden Ärzte, die Verkäufer im Supermarkt oder die Eltern. Die 13-jährige Daniela Shteynberg indes hat eine fiktive Geschichte erfunden von der besten jüdischen Rennfahrerin, die sie Emily Rothschild nennt, frei nach der berühmten Frankfurter Bankiersfamilie. Und bei der 19-jährigen Lea Heckar wird eine blinde Frau zur Heldin, die Gedanken von Menschen beeinflussen kann. So lässt der Straßenräuber rasch von seinem Opfer ab.

Schlafende Menschen

Den William-Blair-Preis aber erhielten die 13-jährigen Vivien Goltz und Nils Erik Weicht aus Oberursel für ihre Superheldin „Dream“. Die verwandelt Vorurteile in Verständnis, indem sie schlafende Menschen in die Lage von Geflüchteten versetzt. Das hätte auch Anne Frank gefallen, die jetzt 88 Jahre alt wäre. Nicht so betagt wie die Taxifahrerin, aber ähnlich couragiert.

Museum für Kommunikation

Frankfurt, Schaumainkai 53. Eröffnung am heutigen Donnerstag um 19 Uhr. Dann ab 8. Dezember bis 14. Januar: Di bis Fr 9–18, Sa/So 11–19 Uhr.
Eintritt 5 Euro. Katalogheft gegen Spende. Telefon (069) 6 06 00.
Internet www.mfk-frankfurt.de

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