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Synkopen-Gewitter am Sonntagvormittag

Von Der Saxofonist Christof Lauer eröffnete die Frankfurter Reihe „Jazz im Museumspark“ mit virtuosem Trio-Jazz samt Gruß an Albert Mangelsdorff.
Schon öfter war Christof Lauer beim „Jazz im Park“.	Foto: Mouson Schon öfter war Christof Lauer beim „Jazz im Park“. Foto: Mouson

Je kleiner die Formation, desto wichtiger die Präzision im Zusammenspiel. Auf diesen Nenner kann man ein modernes Jazztrio bringen. Und in dieser Hinsicht konnte sich der kürzlich 60 Jahre alt gewordene Routinier Christof Lauer auf seine Partner verlassen. Mit dem 20- minütigen „Weed Song“ des unvergessenenen Frankfurter Posaunisten Albert Mangelsdorff begann das Recital im schwülheißen Hof des Museums für Angewandte Kunst, die insgesamt dritte Station der sonntäglichen Jazzmatinee im Laufe des Sommers. Die Schattenplätze waren im Nu belegt, so dass sich die Zuhörer, beileibe nicht nur Jazzpuristen, über den gesamten Park verteilten und lockere Picknick-Atmosphöre herrschte.

Mit kühnen Hard-Bop-Phrasen zeigten die Musiker schnell ihr ganzes Können, und Lauer gefiel sich in der lustvollen Überblastechnik, während das Rhythmus-Team kantige und splittrige Töne erzeugte. Kontrabassist Dieter Ilg grub förmlich nach Noten, ließ die Saiten auch in Doppelgriffen schnurren und brummen. Schlagzeuger Patrice Héral bediente die Becken wie mit Samthandschuhen, um wenig später impulsiv die Basstrommel zu rühren und ein Synkopen-Gewitter auszulösen. Die rhythmische Grundierung ging im Laufe des zweiten Stücks, „Do You Love, Ines“, eine Komposition von Héral, in arabische Gefilde über.

Nur ein paar Noten

Dazu gab es minutenlanges Gleiten durch die Skalen des Tenorsaxofons, indem Lauer hochkonzentriert einen sonoren, manchmal frei ausschwingenden Ton erzeugte: Virtuosität, die jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Selbstzweck wurde, sondern immer Team-orientiert eingesetzt wurde. Was die angesprochene Präzision betrifft, so spielte das Trio mit traumwandlerischer Sicherheit. Drei Spitzenmusiker, die lediglich ein paar Noten als Grundgerüst auf den Pulten liegen haben, um zur Improvisation überzugehen und schließlich wieder harmonisch zusammenzufinden.

Bebop und Hardbop

Nach Mongo Santamaría, einem kubanischen Perkussionisten, war ein weiteres Stück betitelt, das natürlich klanglich afro-kubanische Rhythmik evozierte und Lauer zum Sopransaxofon wechseln ließ. Bebop- und Hardbop-Einflüsse vermischten sich hier auf großartige Art und Weise. Natürlich hatte jeder Musiker im Laufe des Konzerts Gelegenheit zum ausgiebigen Solieren. Bleibt zu hoffen, dass die beliebte Traditionsreihe „Jazz im Museum“, ausgerichtet vom Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm, fortgeführt wird. Die Finanzierung steht derzeit in den Sternen, das Kulturdezernat muss sparen. Insgesamt 9,2 Millionen Euro sollen im Kulturetat des laufenden Jahres gestrichen werden. Kulturdezernent Felix Semmelroth will seine Prioritäten nach der Qualität setzen.

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