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Thriller mit Emma Watson über die Gefahren der digitalen Welt: "The Circle": Das Internet übernimmt die Macht

Von James Ponsoldt hat den Roman "Der Circle" verfilmt, das Buch von Dave Eggers über einen Internetkonzern, der die Welt nach seinen eigenen Vorstellungen verändern will.
Mae (Emma Watson) wird von Jared (Mamoudou Athie) in ihren Aufgabenbereich beim Internetkonzern „Circle“ eingeführt. Doch bald kommen der Mittzwanzigerin Zweifel an ihrer Tätigkeit. Foto: Frank Masi Mae (Emma Watson) wird von Jared (Mamoudou Athie) in ihren Aufgabenbereich beim Internetkonzern „Circle“ eingeführt. Doch bald kommen der Mittzwanzigerin Zweifel an ihrer Tätigkeit.

Als der Amerikaner Dave Eggers im Jahr 2013 seinen Roman „Der Circle“ veröffentlichte, da wurde vielen erst bewusst, welche Gefahren das Internet-Zeitalter überhaupt birgt. War denn nicht alles bestens? Konnte man sich übers Internet nicht Informationen beschaffen, an die man sonst nie gelangt wäre? War es nun nicht ein Leichtes, berufliche Kontakte herzustellen, neue Freunde und Geliebte zu finden, wie es sich früher nie ergeben hätte, und obendrein an Besitztümer zu gelangen, die zuvor unerreichbar gewesen wären? Öffnete sich mit den Weiten des Datennetzes nicht ein neues grenzenloses Reich des Wissens und der Möglichkeiten? Die Antwort lautete: „Ja“. Doch Dave Eggers schob mit seinem Buch ein großes, dickes „Aber“ hinterher, wie es bislang nur ganz Gesellschaftskritische vorgebracht hatten.

Ideologischer Auftrag

Die Geschichte, die Eggers erzählt, und die James Ponsoldt nun verfilmt hat, ist eigentlich sehr einfach: Die junge Mae (Emma Watson) bekommt einen Job als Kundenbetreuerin beim Internetkonzern „Circle“. Sie ist begeistert. Bei diesem Großunternehmen im Silicon Valley zu arbeiten, bedeutet nicht nur ein gutes Gehalt. Es heißt auch, Teil der digitalen Erneuerung, ja eines ideologischen Auftrags zu sein. Unternehmensgründer Eamon Bailey (Tom Hanks) gleicht einem Missionar. Er möchte die Welt zu einem besseren Ort machen. Stellen Sie sich vor, sagt er seinen Angestellten, Sie sind Surfer wie ich und können eine kleine Kamera an einem Baum am Surferstrand befestigen. Sie können nun, führt Bailey aus, von Ihrem Smartphone zu Hause sehen, wie das Wetter dort ist, wie hoch die Wellen schlagen und welche Surfer am Strand sind. Perfekt.

Voyeure und Stalker

Was Bailey nicht sagt, was aber für Mae immer deutlicher zutage tritt und aus ihr schließlich eine Widerständlerin macht: Wenn alles mit Kameras ausgestattet ist, wird auch der Mensch zum unablässig auskundschaftbaren Wesen. Für eine Frau wie Mae würde das bedeuten: Voyeure, Stalker, Vergewaltiger oder Entführer könnten beobachten, wann und wie sie zum Surfen geht. Und wenn der „Circle“ es erst geschafft hat, alle Kunden mitsamt ihren Persönlichkeitsmerkmalen zu erfassen, ihre Gewohnheiten und Körperfunktionen zu vermessen und sie als politisch beeinflussbare Wähler zu betrachten, würde dies in einer totalitären Herrschaft über sie alle enden.

Es ist diese immer näher heranrückende gesellschaftliche Vision, die aus „The Circle“ einen sehenswerten Film macht, obwohl der Roman die höhere Qualität hat. Regisseur James Ponsoldt, bisher nur durch kleinere Independent-Produktionen hervorgetreten, zeigt die Verführbarkeit durch einen Konzern, der sich wie George Orwells „Großer Bruder“ zum Beschützer erklärt und dabei knallhart eigene Interessen verfolgt. Ganz abgesehen davon, dass der Mensch durch digitale Fremdsteuerung das Empfinden für sich selbst verliert, im Denken und Fühlen verkümmert, wie es Mae fast passiert. Als sie einem alten Freund begegnet, verspricht sie, ihm Terminvorschläge für eine Verabredung zu mailen. Der Freund fragt verdutzt, warum sie nicht jetzt, da er leibhaftig vor ihr steht, einen Vorschlag macht.

Hinter dem Firmennamen „Circle“ (Kreis) steckt ganz klar eine Anspielung auf den amerikanischen Internetkonzern Google, bekannt durch seine Suchmaschinen. Mittlerweile wächst in der westlichen Welt das Misstrauen gegen derlei Unternehmen.

Gezielte Gesetze sollen schädliche Einflussnahmen verhindern. Doch nicht nur der Film „The Circle“ zeigt, wie aussichtslos derlei Maßnahmen sind, wenn die Internetnutzer sich bereitwillig einer Firmenphilosophie unterwerfen, die den Anschein von Fürsorglichkeit erweckt und mit Glücksverheißungen lockt.

Wo alles erfasst und veröffentlicht werden kann, gibt es keine privaten Geheimnisse mehr, erkennt auch Mae. Und es geht noch weiter: Hat die Gefahr erst keine Grenzen mehr, macht sie sich unsichtbar und scheint zu verschwinden.

Urteil: Sehenswert

 

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