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African Angels: Trommelwirbel für den Walzer

Die „African Angels“ haben in der Alten Oper Frankfurt ihre Deutschland-Tour begonnen. Diesmal haben sie Wagner, Strauß und Bizet gesungen.
Ein „Angel“ trommelt für abendländische Klassik. Ein „Angel“ trommelt für abendländische Klassik.
Frankfurt. 

Durch und durch geht es den begeisterten Fans in Frankfurts Alter Oper, als die männlichen Chorsänger der „African Angels“ Aufstellung nehmen und den erhabenen Pilgerchor aus dem „Tannhäuser“ anstimmen: „Beglückt darf nun ich, oh Heimat, dich schaun.“ Die Besucher blicken in ernsthafte, hoch konzentrierte, schwarze Männergesichter, die ihrerseits schon viel in ihrem Leben gesehen haben. Vor allem das soziale Elend in den Wellblechhütten der südafrikanischen Townships. Der erlösende Gesang, kraftvoll mit einem triumphierenden „Halleluja“ abgeschlossen, ist vielleicht der Höhepunkt des Tourauftakts der „African Angels“. Mit sonniger Ausstrahlung und neuem Programm gastieren sie in 11 weiteren deutschen Städten.

Der 18-köpfige Chor ist mit seiner unvergleichlichen Charmeoffensive schon lange kein Geheimtipp mehr. Seit drei Jahren füllen die charakterstarken Naturstimmen zuverlässig alle großen Konzerthallen in Deutschland. Ihre Mischung aus exquisiten Klassikchören, afrikanischen Traditionals und amerikanischen Gospels gefällt vielen Menschen. Doch hinter der vermeintlichen Folklore steckt mehr: Speziell die Klassik ist ein Genre, das während der Apartheid allein für die gebildete weiße Oberschicht reserviert war. Schwarze arbeiteten in Knochenjobs hinter den Kulissen, während auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und im feinen Parkett galt: „Whites only“.

Halleluja und Folklore

Und es lässt wirklich niemanden kalt, wenn sich neun schwarze Männer aus den Armenvierteln Kapstadts die Hochkultur eines Richard Wagner erobern. Aber sie wären nicht die African Angels, wenn sie nicht, kaum ist das letzte Wagner-Halleluja verklungen, mit Trommeln aufspielten und ihr ansteckendes „Baba Yetu“ intonierten. Am liebsten möchte man sich auch so mitreißend bewegen können wie die Südafrikaner in ihren fröhlichen, bunten Westen und geblümten Kleidern: Sie scheinen sich ohne Absprachen zu verstehen, korrespondieren schlicht durch die sanfte Bewegung ihrer Körper, ihr lässiges Tanzen und Wiegen. Faszinierend auch zu erleben, wie sich die Altistin Danielle Speckman plötzlich aus dem Ensemble löst, sich in Bizets rassige Carmen verwandelt und mit ihrer markanten Altstimme die Habanera girrt.

Ohne Schnickschnack

Wie immer verzichten die Säulen der Cape Town Opera auf technischen Schnickschnack, singen dezent in Head-Sets und werden nur von einem Pianisten am Flügel begleitet. Beim Auftakt übrigens musste der fingerfertige Tim Murray für ihren sonstigen Begleiter José Dias einspringen. Traditionell beenden sie ihren Auftritt bei stampfender Tanzatmosphäre zum fetzigen „Pata Pata“ Miriam Makebas, der berühmten „Mama Afrika“. Als Zugabe kredenzen sie Johann Strauß’ Reißer „Ihre Majestät wird anerkannt“ aus der „Fledermaus“. Dabei singen sie das Chorstück in der Sprache des Xhosa-Volkes, dessen bekannteste Angehörige Nelson Mandela und Desmond Tutu sind. Ein toller Effekt, denn mit den zahlreichen, munter eingestreuten Klick-Lauten prickelt das Champagnerlied gleich noch mal so gut.

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