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Kunstmuseum Bonn: Und plötzlich kratzt er alle Farbe wieder ab

Ein Geheimtipp aus London: Das Kunstmuseum Bonn würdigt den britischen Maler Frank Auerbach. In seiner Heimat gilt der Künstler als Star. Im Rest Europas fand er bislang weniger Beachtung. Das Kunstmuseum Bonn zeigt nun zusammen mit der Tate Britain eine Werkschau des 84-jährigen Künstlers.
»The Origin of the Great Bear« (hier ein Ausschnitt) hat Frank Auerbach dieses 1967/68 entstandene Gemälde in sattem Gelb betitelt.	Abb.: Kunstmuseum »The Origin of the Great Bear« (hier ein Ausschnitt) hat Frank Auerbach dieses 1967/68 entstandene Gemälde in sattem Gelb betitelt. Abb.: Kunstmuseum
London. 

Frank Auerbach reicht ein Radius von fünf bis zehn Kilometern um sein Londoner Atelier. Mehr Inspiration braucht der britische Maler nicht für seine Gemälde. Die Stadt an der Themse verlässt er nur ungern – zuletzt vor 20 Jahren. Vielleicht sei diese Zurückgezogenheit ein Grund, warum Auerbach international weniger bekannt sei als seine Malerkollegen Francis Bacon und Lucian Freud, vermutet Christoph Schreier, Kurator am Kunstmuseum Bonn. Als erstes deutsches Haus seit 30 Jahren zeigt das Kunstmuseum eine Werkschau Auerbachs.

Der 1931 in Berlin geborene und 1939 nach Großbritannien emigrierte Künstler gilt dort gemeinsam mit Bacon und Freud als eine der zentralen Malerpersönlichkeiten der „School of London“, deren Vertreter entgegen dem Trend zur Abstraktion eine expressiv-gegenständliche Malerei verfolgen. „Er ist in England ein absoluter Star, aber im Rest Europas fast noch ein Geheimtipp“, sagt der Bonner Museumsdirektor Stephan Berg. So war es auch die Tate Britain aus London, die dem auf Gegenwarts-Malerei spezialisierten Bonner Kunstmuseum vorschlug, gemeinsam eine retrospektive Werkschau Auerbachs zu planen.

 

Nur wenige Motive

 

Herausgekommen ist eine chronologische Reise durch das Künstlerleben Auerbachs. Die 71 Gemälde und Zeichnungen, die bis zum 13. September in Bonn zu sehen sind, wählte der Künstler selbst aus. Charakteristisch für seine Malerei ist die Beschränkung auf wenige Motive. Auerbach malt Porträts, Akte sowie sein direktes städtisches Umfeld in London. Dabei arbeitet er mit dicken, übereinander aufgetragenen Farbschichten.

Die Schau beginnt mit Auerbachs erdigen und materialbetonten Gemälden aus den 50er Jahren. Der Maler sei ein Grenzgänger zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, sagt Kurator Schreier. Denn vor allem bei den frühen Bildern sind bei naher Betrachtung auf den Leinwänden nur dicke Farbschichten zu erkennen. Erst mit Abstand werden die Motive schemenhaft erkennbar. So etwa das Porträt seines Malerkollegen Leon Kossoff. Die Farbe in Weiß-, Grau- und Erd-Tönen ist dabei so dick aufgetragen, dass das Gemälde reliefartigen Charakter bekommt.

Ein immer wiederkehrendes Motiv ist Mornington Crescent, die Straße im Londoner Stadtteil Camden, in der Auerbach seit den 50er Jahren sein Atelier hat. Daran lässt sich verfolgen, wie seine Palette langsam farbiger wird. In den 60er Jahren malt er den Straßenzug in klarem Gelb, Grün, Blau und Rot. Im Laufe der Jahre wird der Farbauftrag dünner, die Farben werden pastelliger und heller. Balkenartige Pinselstriche werden zum Gestaltungsinstrument.

Auerbach sei kein Maler der Flächen, sondern der Linien, erklärt Schreier. Auch sei er nicht daran interessiert, seine Bildsprache weiterzuentwickeln. Vielmehr gehe es ihm darum, immer tiefer in die gleichen Themen einzudringen. Der Prozess des Malens sei für Auerbach wie ein ständiges Proben, sagt Catherine Lampert, Ko-Kuratorin der Ausstellung sowie langjährige Vertraute und Modell des Malers. Er malt seine Entwürfe direkt auf die Leinwand und übermalt sie dann wieder. Dann könne es sein, dass er plötzlich eine Idee habe und das bislang Entstandene als ungenügend betrachte und alle Farbe wieder abkratze. So dauert es oft Jahre, bis Auerbach mit einem Bild fertig ist.

 

Kunstmuseum Bonn, Friedrich-Ebert-
Allee 2. Bis 13. September, Di–So
11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 21 Uhr.
Eintritt 7 Euro. Telefon (02 28) 77 62 60. Internet www.kunstmuseum-bonn.de

 

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