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Show in der Alten Oper: Uniforme Blaumänner treiben es ganz schön bunt

Grotesk, absurd, bizarr und pittoresk: Die nonverbale Multimedia-Performance der „Blue Man Group“ gastiert noch bis 8. April in der Alten Oper Frankfurt.
Sie sehen schon ein wenig furchteinflößend aus, die Mitglieder der „Blue Man Group“, die mit dem Publikum allerhand Schabernak treiben. Foto: Sven-Sebastian Sajak Sie sehen schon ein wenig furchteinflößend aus, die Mitglieder der „Blue Man Group“, die mit dem Publikum allerhand Schabernak treiben.
Frankfurt. 

Gerne wird ja für die uniform aussehende „Blue Man Group“ die etwas stereotype Umschreibung „Sie schauen aus wie Außerirdische“ gewählt. Vielleicht schauen Extraterrestrier tatsächlich so aus oder eben auch ganz anders. Was das von diversen Musikern unterstützte kahlköpfige Fronttrio in glänzendem Stahlblau und identisch dunklen Anzügen tatsächlich an E. T. erinnern lässt, wenn es zur Premierenvorstellung minutenlang auf immer wieder mit eingefärbtem Wasser versorgten Trommeln herumdrischt, ist die nonverbale strenge Gestik und Mimik, der Bewegungsmodus eines Kybernauten sowie der fast schon kindliche Beobachtungseifer auf Publikumsreaktionen.

90 Minuten lang erlebt der Zuschauer eine bizarre Mixtur aus absurder Comedy, avantgardistischer Rockdarbietung auf diversen selbstgebastelten Instrumenten, kindlichen Schelmereien, reizüberfluteter Visualität sowie wagemutiger bis grenzwertiger Artistik. Nicht zu vergessen die hinzugefügte Kombination aus Nervenkitzel und Ekeleffekt. Streunen doch die drei Blau-Männer immer mal wieder im Innenraum durch die Sitzreihen, um sich spontan Personen für die Show auszusuchen. Das erinnert ein wenig an Überraschungsmomente in der Geisterbahn, aber auch an die Schulzeit, als der Mathe-Lehrer einen unvermittelt an die Tafel zur Lösung einer schwierigen Gleichung beorderte.

Minutiös geplant

Als erstes trifft es ausgerechnet jenen Herrn, der samt Angetrauter zu spät eintraf und mittels ausführlich auf die Bühne projizierter Kamerabegleitung zu den Sitzplätzen geleitet wird.

Da befindet sich das rasant inszenierte, zwar spontan wirkende, aber in Wahrheit selbstverständlich bis auf die letzte Sekunde minutiös geplante Spektakel schon in voller Fahrt. Gerade verschwinden über eine Distanz von mehreren Metern direkt auf Münder gezielte Farbkugeln in selbigen. Nun muss der Herr aus Reihe acht Teile seiner Toblerone-Schokolade in aufnahmebereite Mäuler zielen. Noch haarsträubender gerät die Sache, als rund zwei Dutzend Marshmallows in einer Mundhöhle landen, nach wenigen Minuten als länglicher Obelisk wieder ins Freie gelangen und ein Preisschild mit 5000 Euro augenzwinkernd angebracht wird. Das pappig-klebrige weiße Etwas landet in der Tasche eines Zuschauers.

Wenig appetitlich nimmt sich auch das Candlelight-Dinner einer ebenfalls aus dem Auditorium ins Rampenlicht verfrachteten jungen Dame aus. Dort darf sie mit der „Blue Man Group“ die Kuchenröllchen „Twinkies“ verdrücken – rasch entledigt sich das Quartett der Mehlspeise auf nicht gerade feine Weise. Nur gut, dass bei all diesen Eskapaden mit Weitspritzeffekt die ersten Sitzreihen im Parkett mit Schutz-Kapuzen-Ponchos ausgestattet wurden. Wer mag schon komplett eingeschmutzt den Heimweg antreten?

Weitere Preziosen an seltsamen Aktionen lassen nicht lange auf sich warten: Einem überraschten Zuschauer wird eine Kamera in den Rachen eingeführt – per Leinwandübertragung kann das Publikum bis in den Magen hinunterschauen. Ein Blick in den Darm des guten Mannes bleibt aber dann löblicherweise doch erspart. Um einiges länger dauert die Tortur, die ein bebrillter Herr mittleren Alters über sich ergehen lässt. Auf der Bühne bekommt er einen Overall übergestreift, muss sich seiner Brille entledigen und einen Motorradhelm aufsetzen.

Kopfüber am Flaschenzug

In einen Seitenraum geführt, erlebt der Zuschauer das weitere Vorgehen per Videoeinspielung: Nunmehr komplett blau angestrichen, hängt der arme Tropf kopfüber an einem Flaschenzug in der Luft, wuchtig prallt sein farbgetränkter Körper gegen eine mannshohe Leinwand. Fertiggestellt wird der menschliche Kartoffeldruck durch eine pinkfarben aufgesprühte Umrandung. Als der Aspirant unversehrt wieder im Rampenlicht steht, wird ihm das so entstandene Kunstwerk ausgehändigt.

Als zum Finale Tonnen an Luftschlangen auf die Köpfe des restlos begeisterten Publikums niederprasseln und beleuchtete riesige Heliumbälle umherhüpfen, herrscht im Auditorium eine Stimmung wie bei einer Fastnachtssitzung zu vorgerückter Stunde.

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