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Amy MacDonald spielte auf der Mainzer Zitadelle: Unter Stars und unter Sternen wird die Liebe zur Ballade

Von Die Folkmusik der schottischen Songwriterin ist rockiger und resoluter geworden. Das bekommt ihr recht gut und passt zu den Ferraris im Besitz der Sängerin.
Amy MacDonald singt zur Akustikgitarre, und obwohl sie rockiger geworden ist, lässt sie die Figer von der E-Gitarre. Foto: Boguslaw Sajak Amy MacDonald singt zur Akustikgitarre, und obwohl sie rockiger geworden ist, lässt sie die Figer von der E-Gitarre.

Von Amy McDonald sieht oder ahnt man an diesem Abend gleich drei Varianten. Die eine zeigt sich in dem kraftvollen Auftritt, den die 29-jährige Schottin stimmlich und überhaupt hinlegt. Von früher kennt man sie ja eher als Liedschreiberin, und doch bestätigt sich die Vorwarnung, auch durch den ansonsten unsäglichen ZDF-„Fernsehgarten“ vor einem Monat. Mit dem vierten Album nämlich, das sich aufs kompositorische Mittun der Band mit Jimmy Sims (Bass) und Ben Parker (Gitarre) einlässt, wird vieles rockiger, MacDonalds Folkrock nimmt Farbwerte von US-Country an, und die kleine resolute Person, immer schon der größte Fan Bruce Springsteens und nie ein Glamour-Girl, gleicht im gepünktelten Hemd einem singenden Trampel vom Land.

Elektronik muss man nicht grundsätzlich verteufeln, bei ihr aber trägt deren Abwesenheit zugunsten des klassischen Gitarrensounds mit Schlagzeug und rarem Keys-Piano sehr schön zum bodenständigen Gesamteindruck ihres Freiluftkonzerts bei.

Näher zu Patti Smith

Amy Zwo tritt stimmlich, in ihren Ansagen und in ureigenen Nummern (teils mit Solo-Touch), ganz anders hervor. Zurückgenommen und bescheiden, freundlich und persönlich, dazu aber mit komisch penetranten Kaufappellen.

Amy Drei ist die Besitzerin zweier Ferraris im 70-Stundenmeilen-Heimatland („Schottland hat viele Landstraßen im Nirgendwo, wo es wenig Polizisten gibt“), was man ihr, zugegeben, nicht ansieht. Der Rasanz vieler Nummern hört man es aber allemal an.

Von der dänischen Vorband „Paper Tigers Attitude“ muss nicht viel die Rede sein. Ihre Lieder klapperten licht-fröhlich die Musik der mittleren und späteren „Beatles“ und der 70er Jahre ab, frei nach der alten Rekapitulationstheorie („Ontogenese wiederholt Phylogenese“). So etwas bekommt man nicht gerade selten zu hören heutzutage.

Amy fängt mit dem rockig-starken Mutmacher „Stars and Stripes“ an und macht in „Don’t Tell Me That It’s Over“ herb-hymnisch mit teils überstürzender Stimme weiter, dass man sie zeitweise neben die göttliche Patti Smith halten möchte. Auch die war kürzlich nach Mainz gekommen. Dann landet Amy MacDonald, nach Animationsprosa zum Mitklatschen und mehr „Party“, bei „Pride“, ein Titel, den sie wundersamerweise so gut für den Fußball (MacDonald verehrt die „Glasgow Rangers“) einsetzen konnte wie als Propagandamittel für die Homo-Ehe.

Mandoline zum Whisky

Am Ende sind sechzehn Songs und drei Zugaben abgespielt. Vorerst steigert sich die Begeisterung mit der Pathoskurve von Titeln wie „Youth Of Today“ und „Mr. Rock & Roll“, um mit „Dream On“ poppig, rhythmisch, selbstbetrachtend einen der Knaller von „Under Stars“ zu bringen. „Slow It Down“ setzt in raffinierter Parallele zum Text auf nervöse Kurzrhythmen, „4th Of July“ macht den alten Pflicht-Klassiker von Liebeslied balladenhafter.

Ist die Mandoline schottisch? „Leap Of Faith“ weckt den Verdacht, weil in der Unabhängigkeits-Hymne eine solche zum Einsatz kommt. Der geisterhafte „Poison Prince“ ist ein Pausenfüller, der „Automatic“ umso mehr glänzen läss. Ähnlich bereiten „Love, Love“ und „Run“ den alten Knaller „This Is The Life“ vor. Damit ist das Publikum nah an den Zugaben, für die MacDonald nach dem lyrischen Liebeslied „Life In A Beautiful Light“ auf die immens starken Nummern „Prepare To Fall“ (fast solo, sehr nachdenklich) und „Down By The Water“ (tolle Rhythmik, wirksam monoton) vertraut. Als Rausschmeißer hält zuletzt „Let’s Start A Band“ her. Keine schlechte Idee, eigentlich.

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