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Tragikömödie „Jahrhundertfrauen“: Vaterloser Junge wächst im Kalifornien der 70er auf

Von In der amerikanischen Tragikömödie „Jahrhundertfrauen“ erzählt Regisseur Mike Mills von drei Frauen, die für einen Jungen zu einer Art Familie werden.
Dorothea (Annette Bening) mit Sohn Jamie (Lucas J. Zumann). Foto: Splendid (Splendid) Dorothea (Annette Bening) mit Sohn Jamie (Lucas J. Zumann).

Wie entwickelt sich ein Junge, der seinen Vater zum letzten Mal gesehen hat, als der seinem Sohn eine große verspiegelte Sonnenbrille geschenkt hat? Dieser Junge, Jamie (Lucas Jade Zuman), ist mittlerweile 15 Jahre alt und bekommt nur an Geburtstagen und Weihnachten Anrufe von ihm. Ansonsten lebt Jamie im Jahr 1979 mit seiner Mutter Dorothea (Anette Bening) in Santa Barbara (Kalifornien) in einem großen, alten viktorianischen Haus. Allerdings nicht alleine. Die Frau Mitte 50, die als Zeichnerin in einem Architekturbüro arbeitet, hat ein Zimmer an die junge Künstlerin Abbie (Greta Gerwig) vermietet. Zudem wohnt hier der Handwerker William (Billy Crudup). Er kümmert sich um die langwierigen Renovierungsarbeiten im Gebäude. Nicht selten kommt Jamies beste Freundin Julie (Ella Fanning) zu Besuch.

Nun glaubt Dorothea, nicht mehr allein mit der Erziehung von Jamie klar zu kommen. Der Althippie William scheint kaum eine Stütze zu sein. So bittet sie die 17-jährige Julie und die Mittzwanzigerin Abbie um Hilfe, Jamie zu einem „guten Mann“ zu machen. Während Abbie ihn mit Punk-Musik bekannt macht, will Julie dem Jungen, der in sie verliebt ist, beibringen, wie man möglichst cool raucht. Dabei mag Jamie Zigaretten überhaupt nicht. Schließlich wirft er seiner Mutter, einer starken Raucherin, sogar vor, dass sie sich mit ihrer Sucht noch umbringen werde . . .

Eine Geschichte im konventionellen Sinne erzählt der Drehbuchautor und Regisseur Mike Mills („Thumbsucker“, „Beginners“) nicht. Vielmehr gleicht sein dritter Spielfilm einer in sich schlüssigen Reihung von Momentaufnahmen und Zustandsbeschreibungen, die stark mit dem Ende der 70er Jahre verbunden ist. Hierbei sind es nicht nur die außergewöhnlich stimmige Ausstattung und Kostümierung, welche die Tragikomödie so reizvoll machen, sondern auch die beiläufige Schilderung von Themen wie Feminismus und Machtwechsel in der amerikanischen Politik. Schließlich wird Jimmy Carter von Ronald Reagan als Präsident abgelöst.

Auch spiegelt der Soundtrack von „Jahrhundertfrauen“ auf sehr eindrückliche Weise einen Ausschnitt der alternativen Pop-, Rock-, Wave- und Punk-Musik wieder. Vor diesem Hintergrund siedelt Mike Mills mit viel Feingefühl sein autobiografisch geprägtes Geschehen an. Es schreitet eher unspektakulär voran und kommt ganz ohne klischeehaft gezeichnete Figuren aus. Vielmehr rücken die von den ausgesprochen natürlich auftretenden Schauspielerinnen und Schauspielern verkörperten Charaktere recht nah an den Zuschauer heran. Die kleinen Alltagsprobleme und großen Tragödien der Filmfiguren werden glaubhaft und berühren. Allerdings bleibt der von Sean Porter unaufdringlich kunstvoll bebilderte Independent-Film dank sorgfältig geschriebener Dialoge meist heiter und optimistisch. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinema (D+OF)

 

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