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Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“: Versäumte Liebe, verpasstes Glück

Von Volker Schlöndorffs Liebeserzählung „Rückkehr nach Montauk“ mit Nina Hoss, Stellan Skarsgård und Sabine Wulff ist frei nach Max Frisch entstanden.
Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) und seine Freundin Clara (Susanne Wolff) sind zu einer Lesung in New York. Foto: Wild Bunch (Wild Bunch) Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) und seine Freundin Clara (Susanne Wolff) sind zu einer Lesung in New York.

Es ist nicht so, dass ein Film von Volker Schlöndorff unmittelbar als Film von Schlöndorff erkennbar wäre. Es gibt keinen bestimmten Schlöndorff-Stil, keine Schlöndorff-Schule, keinen einschlägigen Schlöndorff-Stoff. Welches gemeinsame Wiedererkennungsmerkmal sollten auch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Die Blechtrommel“, „Tod eines Handlungsreisenden“ und „Der Unhold“ haben? Wenn überhaupt etwas die Werke Schlöndorffs verbindet, dann die Frage, was der Mensch mit seiner Freiheit anfange. Ob er sie erkenne. Ob er sie nutze. Und ob er an ihr zugrunde gehe. Die Freiheit bewegte auch den Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Nicht zuletzt die Freiheit in der Liebe. Wie können zwei, die ein Paar bilden, noch jeweils sie selbst sein? Wie kann das Ich sich im Wir bewahren? Nach allem, was man weiß, ist es in der gescheiterten Beziehung zwischen Max Frisch und der Dichterin Ingeborg Bachmann ebenso darum gegangen wie in der geschiedenen Ehe von Volker Schlöndorff und der Filmemacherin Margarethe von Trotta. Verliebt, verlobt, verheiratet – verzweifelt.

Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ erzählt eine Liebesgeschichte vom Ende her zum Anfang hin, sehr frei nach Max Frisch. Der erfolgreiche Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) kommt mit seiner Freundin Clara, einer Verlagslektorin, aus Deutschland zu einer Lesung nach New York. Hier verabredet er sich heimlich mit seiner früheren Liebe Rebecca, nun Anwältin. Eine Fahrt zum Leuchtturm des einstigen Fischerdorfs Montauk auf Long Island soll die Erinnerung zurückbringen an die Zeit zu zweit. Aus dem geplanten Ausflug wird ein ungeplantes Wochenende. Und aus der einen Liebesgeschichte werden nachgerade zwei Liebesgeschichten. Denn die Vergangenheit geht in der Gegenwart auf, mit all ihren rückblickenden Erklärungsversuchen: Warum die Trennung vor 20 Jahren? Wäre es auch anders gegangen? Wann war der Moment, in dem die Hoffnung erlosch? Und ist es wirklich ein für alle Mal vorbei?

Bei den Spaziergängen am Strand sieht Clara (Nina Hoss) aus wie Marilyn Monroe, ohne dass Max aussähe wie Arthur Miller. Aber der Gedankensprung ist da, hin zu Amerikas berühmtem intellektuellen Ostküsten-Paar, das in den 50er/60er Jahren seine Sommer auf Long Island verbrachte. Eine schöne Anspielung, die zugleich offenbart, wie wenig Schlöndorfff sonst das Geheimnisvolle, Schwebende zulässt, obwohl es gut zu der versäumten Liebe passen würde. Seinem Film hängt eine Schwere an, die immer dort das Direkte in Wort und Bild hervorholt, wo das Indirekte viel feiner, raffinierter wäre. Allzu deutlich ist etwa der Unterschied zwischen den beiden ebenso beeindruckenden wie beeindruckend gespielten Frauen, der weiblich blonden Clara und der burschikos brünetten Rebecca (Susanne Wolff). Max wiederum bleibt zwischen ihnen völlig reizlos: weichlich, unkonturiert – ein Zauderer, der sich nie voll und ganz für jemanden entscheiden wird.

In zwei kurzen Szenen begegnet Max auch einem reichen alten Freund und Förderer (Niels Arestrup) wieder. Man spürt eine ungute Spannung zwischen den Männern. Sie macht neugierig, wird aber rasch ausgeblendet. So wie überhaupt viel Wissenswertes über die verschiedenen Beziehungen nicht angerührt wird in diesem Film. Und so bleibt am Ende auch nicht viel übrig, das man für sich selbst aus ihm mitnehmen könnte, zum Weiterdenken oder Weiterfühlen. Annehmbar

 

Frankfurt: Eldorado, Harmonie

 

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