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Frankfurter Buchmesse: Viel Politisches zwischen den Bücherständen

„Es lebe Europa!“, rief Frankreichs Premierminister Manuel Valls. Von Migartion bis Brexit stieß man überall auf Bücher, Themen und Kongresse über Europa.

Im vergangenen Jahr galt die Frankfurter Buchmesse mit ihrem Programm als ausgesprochen politisch. Die Flüchtlingskrise, das Schreiben in der Fremde, etwa von Verfolgten, und die Lage der Menschenrechte gehörten zu den dominierenden Themen. Hinzu kam ein iranischer Boykott der weltgrößten Bücherschau, weil der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie als gefeierter Gastredner eingeladen war. Er ist seit 1989 wegen einer Fatwa mit dem Tod bedroht.

Schweres Zusammenleben

Auch in diesem Jahr sind freilich politische Themen präsent – immer wieder geht es um Europa, nicht nur nach dem britischen Votum für den Brexit. Europa ist bis zum Ende der Buchmesse an diesem Sonntag auch Schwerpunkt der eher politisch angelegten Veranstaltungsreihe „Weltempfang“. Es soll dabei um nichts weniger als die Frage gehen: Wie wollen wir in Europa weiterhin zusammenleben? Dies wird aus verschiedenen Blickwinkeln und mit diversen Aspekten – zum Beispiel Migration – diskutiert.

Dass der Kontinent mit Krisen konfrontiert ist, daran erinnerte auch der nach Frankfurt gereiste französische Ministerpräsident Manuel Valls. Sein Land ist Ehrengast auf der Buchmesse im nächsten Jahr. Angesichts von Krisen in Europa kommt der Kultur nach seinen Worten eine wichtige Bedeutung zu. „Europa steht vor großen Herausforderungen.“ Als Beispiele nannte Valls die Bedrohung durch den Terror, die Flüchtlingsfrage und den Brexit. Die Kultur könne Europa dabei nach vorne bringen. „Der kulturelle Raum Europa muss gemeinsam verteidigt werden“, sagte der Ministerpräsident.

Auf dem Programm stand auch ein Podiumsgespräch zum Thema Meinungsfreiheit, Türkei und Europa. Aus diesem Anlass wurde an die Worte des türkischen Journalisten Can Dündar erinnert, der zur Zeit im Exil in Deutschland lebt un in diesem Jahr aus der türkischen Haft schrieb: „Ins Gefängnis zu kommen, ist für Autoren in der Türkei fast wie eine Stufe auf ihrer Karriereleiter.“

Bei einer anderen Veranstaltung wurde darüber diskutiert, welche Folgen der Brexit für die europäische Hochschullandschaft haben könnte. Manche Wissenschaftler fürchteten zum Beispiel, künftig möglicherweise keine gemeinsamen Forschungseinrichtungen mehr nutzen zu können, berichtete Georg Krawietz, Leiter der Londoner Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Es wurde auch die Sorge geäußert, dass Forscher nicht mehr mit Partnern wie gewohnt kooperieren könnten.

Teures Insel-Studium?

Nach dem Brexit müssten Studenten aus der Europäischen Union wohl mit deutlich höheren Studiengebühren in Großbritannien rechnen als bisher, sagte Krawietz. Da könnten bei einem Auslandsaufenthalt auf der britischen Insel durchaus Summen in fünfstelliger Höhe anfallen. Eine mögliche Folge sei, dass junge Menschen aus finanziellen Gründen nicht in Großbritannien studieren könnten, obwohl sie es planten.

Dies wiederum könne bedeuten, dass sich Studenten bei Überlegungen zu einem Auslandsaufenthalt nach Frankreich orientierten, sagte der Generalsekretär der Deutsch-Französischen Hochschule, Jochen Hellmann, aus Saarbrücken, vergaß aber nicht hinzuzufügen, dass studentische Mobilität zwischen Deutschland und Frankreich nicht vom Brexit abhänge. Hier spiele auch eine Rolle, wie die beiden Sprachen in den jeweiligen Ländern gelernt würden.

Willkommen in England?

Krawietz brachte auf der Buchmesse noch einen anderen Aspekt ins Spiel: die Frage nach dem Willkommensgefühl. Ausländische Wissenschaftler stellten sich in Großbritannien Fragen wie: „Bin ich hier weiter willkommen?“ Oder: „Will ich das meiner Familie zumuten?“ Der Experte sagte aber auch, dass fremdenfeindliche Ausfälle in dem Milieu eine Ausnahme seien.

Ganz verloren scheint nichts. Am Ende seines Auftritts auf der Buchmesse rief jedenfalls Frankreichs Ministerpräsident Valls: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft, es lebe Europa!“

(kna)
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