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Konzert: „Vielen Dank, Ihr Verrückten!“: Beatsteaks in Frankfurt

In der Frankfurter Jahrhunderthalle zelebrierte die Berliner Formation „Beatsteaks“ innige Verbundenheit mit der auf Party geeichten Fangemeinde.
„Beatsteaks“-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß animiert sein Publikum in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Foto: Sven-Sebastian Sajak „Beatsteaks“-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß animiert sein Publikum in der Frankfurter Jahrhunderthalle.
Frankfurt. 

Schon die fröhlich mit Hochprozentigem vor sich hin zechenden Krawall-Grüppchen in den beiden überfüllten S-Bahn-Linien mit Zielstation Farbwerke Höchst ließen erahnen: Da braut sich etwas Besonderes zusammen. Zumal sich jene Fahrgäste glücklich schätzen durften. Kamen sie noch rechtzeitig an der mit Flaschen und Dosen bereits zugepflasterten Haltestelle an, um den Fußmarsch Richtung Jahrhunderthalle in Angriff zu nehmen. Zu jenem Zeitpunkt befand sich der öffentliche Nahverkehr schon im Ausnahmezustand. Schlug sich doch der RMV mit einer „Großstörung“ herum. Was Verspätungen und den teilweisen Ausfall der Züge nach sich zog.

In der ausverkauften Jahrhunderthalle lief indes alles wie am Schnürchen. Pünktlich legte die Flensburger Punkrock-Truppe „Turbostaat“ mit einem komprimierten Best-Of-Set los. Glasklare Akustik, patente Lichtverhältnisse, ordentliche Bewegungsfreiheit und ein Publikum im Party-Modus – da blieben für den Support Act keine Wünsche offen.

Knackiger Titelsong

Dank einer emsigen Tour-Crew geriet der Umbau kurzweilig. Zumal auch der erstmals zur erweiterten Besetzung der „Beatsteaks“ zugehörige DJ Illvibe zwischenzeitlich seinen Dienst aufnahm. Unmerklich leitete das DJ-Set in den Konzertteil über: „Yours“, der knackig energetische Titelsong vom achten Studioalbum, diente als Einstieg in einen zweistündigen Marathon, der nur Höhe-, aber keine Tiefpunkte kannte. Oder wie es der athletische Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß schon mal nach liebevoller Begrüßung der Fangemeinde als Vorab-Fazit zusammenfasste: „Alte Sachen, neue Sachen und Sachen, die wir schon lange nicht mehr gespielt haben.“

Es folgte ein üppiger Querschnitt durchs Schaffen der vor 23 Jahren in Berlin gegründeten Formation, deren Anfänge beim Stromgitarren-Punk mit Hang zur Aufmüpfigkeit lagen. Durch konsequente Weiterentwicklung wurden die „Beatsteaks“ im Aktionsradius zwischen Alternative Rock und Indie Pop zu einer der interessantesten Gruppen hierzulande. Stets für weitere Verfeinerungen des Konzepts gut, erwies sich die mit Bernd Kurtzke (Sologitarre, Gesang), Peter Baumann (Rhythmusgitarre, Keyboard, Gesang), Thomas Götz (Schlagzeug, Gesang), Torsten Scholz (Bass) sowie für Tourneen mit dem Perkussionisten Dennis Kern und dem Trompeter Richard Koch komplettierte Truppe im weiteren Verlauf als überaus empfänglich für kreative Purzelbäume. Als Propheten diagnostizierten „Die Ärzte“ in ihrer Hymne „Unrockbar“ schon 2003: „Wie kannst Du bei den ,Beatsteaks‘ ruhig sitzen bleiben, wenn Dir doch Schlagersänger Tränen in die Augen treiben?“

Unvermeidliches Ritual

Da verstehe die recht abschätzigen Kritiken zum neuen Werk „Yours“, wer will. Angeblich zu kommerziell geraten, warf man der nach wie vor fidelen Band auch noch vor, sie sei zu alt für ihr Metier. Die übers Set verteilten Auszüge „Policoro“, „Summertime“, „40 Degrees“ und „You In Your Memories“ straften solche harschen Urteile schlicht Lügen. Aufgelockert wurde das Programm durch längst zu Evergreens avancierte Favoriten: „Hello Joe“ zollte dem 2002 verstorbenen Joe Strummer von „The Clash“ Tribut. „Turbostaat“-Vokalist Jan Windmeier assistierte bei „Frieda und die Bomben“. Bei „Let Me In“ fehlte das unvermeidliche Ritual nicht: Im Innenraum setzten sich alle auf den Hosenboden, um bei Kommando wieder aufzuspringen. Mit kollektivem Singen, Tanzen, Hüpfen, Toben, Springen und Wüten quittierte das willige Publikum weitere Lobpreisungen von Teutoburg-Weiß wie „Vielen Dank, Ihr Verrückten!“

Auch im Zugabenteil gab es noch Überraschungen: Für „L auf der Stirn“ und das „Deichkind“-Cover „So ’ne Musik“ gesellten sich zwei Bandmitglieder von „Deichkind“ hinzu. Nicht fehlen durften die Hymnen „Cut Off The Top“ und „I Don’t Care As Long As You Sing“ und das „Beastie-Boys“-Cover „Sabotage“ als Absacker.

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