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„Frankfurter Haus-Gespräche“: Vielfalt und Einheit – geht beides?

Die „Frankfurter Haus-Gespräche“ widmen sich in diesem Jahr dem komplizierten Thema des Miteinanders in einer von vielen Einzelinteressen geprägten Gesellschaft.
Roland Kaehlbrandt moderiert einen Abend über die Aufklärung. Foto: Swen Pförtner (dpa) Roland Kaehlbrandt moderiert einen Abend über die Aufklärung.
Frankfurt. 

Das Multikulti-Ding funktioniert nicht so richtig gut, wenn es zu multipel wird. Das ist eine Erfahrung, der sich heute auch die großherzigsten Menschenfreunde nicht verschließen können. Jahrzehntelang wurde immer wieder darum gestritten. Die einen setzten sich die rosarote Toleranzbrille auf und waren geneigt, alles schön zu finden, was bunt und anders war. Die anderen wollten lieber unter sich bleiben und grunzten „Genug ist genug“. Grenzen, Kontrollen und Abschiebungen, das gehörte zu ihrem Repertoire.

Im Grunde ist es ein alter Zopf mit neuer Aktualität, den Holzhausenschlösschen, Haus am Dom, Literaturhaus und Goethe-Haus weiterflechten, wenn sie „Vielfalt und Einheit“ zum Thema ihrer diesjährigen „Haus-Gespräche“ machen: vier Veranstaltungen an vier Orten an vier Mittwochabenden im Juni, die wie gewöhnlich hochkarätig besetzt sind und insofern für Denkimpulse sorgen könnten, die weit über Frankfurt hinausreichen.

Im Holzhausenschlösschen diskutiert am 7. Juni Ulrike Ackermann vom Heidelberger John-Stuart-Mill-Institut für Freiheitsforschung mit dem Frankfurter Politikwissenschaftler Harald Müller und seinem Tübinger Professorenkollegen Jürgen Wertheimer, einem Literaturwissenschaftler, über die Frage: „Mehr Einheit oder mehr Vielfalt in Europa?“ Es geht darum, wie es gelingen kann, Balance zu halten in einer Welt, die aus dem Gleichgewicht zu kippen scheint.

„Religion in schlechter Verfassung?“ fragt eine Woche darauf das Haus am Dom. Dessen Direktor, Professor Joachim Valentin, wird die Diskussion selber moderieren, an der neben Wolfgang Pax, dem Kommissariatsleiter der Katholischen Bischöfe in Hessen, auch Aiman A. Mazyek, der Vorstandsvorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, und die Professorin Ute Sackofsky, Vizepräsidentin des hessischen Staatsgerichtshofs, teilnehmen.

Leben im Wimmelbild

Am 21. Juni präsentiert das Literaturhaus „Fünf Thesen für Einklang“. Sie stammen aus dem Buch „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“, das Literaturhaus-Chef Hauke Hückstädt zum Lutherjahr herausgegeben hat, um nicht zurück-, sondern vorauszublicken. Unsere Gesellschaft stelle sich dar „wie ein Wimmelbild“, so Hückstädt. Die einzelnen Thesen, unter anderem von Roland Kaehlbrandt, dem Vorstandsvorsitzenden der Polytechnischen Gesellschaft, und Ursula Ott, Chefredakteurin des „Chrismon“-Magazins, sollen durchaus „provozierende“ Denkanstöße sein.

Zum Schluss spannt am 28. Juni das Frankfurter Goethe-Haus den ganz großen philosophisch-historischen Rahmen, indem es zur Debatte stellt: „Können wir aus dem Erbe der Aufklärung zu einer gemeinsamen Kultur kommen?“

Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken diskutiert nach einer Einführung von Roland Kaehlbrandt mit Wissenschaftlern der Frankfurter Goethe-Universität darüber, ob der Bezug auf die Aufklärung und deren Freiheits- und Vernunftideale noch als Rahmen für unser gegenwärtiges Weltbild geeignet ist, das dem Individuum die Möglichkeit zur größtmöglichen Entfaltung geben möchte. Ist das „lebendige Erbe“ der Aufklärung womöglich nur (westliches) Wunschdenken?

Die Frankfurter Haus-Gespräche blicken mittlerweile auf eine mehrjährige Tradition zurück. Dass sie zu einer „Frankfurter Dachmarke“ werden könnten, ähnlich dem „Museumsufer“ oder den diversen Literaturfestivals der Stadt, könnten sich die Veranstalter gut vorstellen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig jedenfalls, sagen sie, hätte ihnen „aufmerksam zugehört“. Die Idee kommt deren schon bei ihrem Amtsantritt geäußerter Vorstellung entgegen, Frankfurt als Ort des Diskurses neu zu beleben: Von hier aus könnten sich Debatten entzünden, die alle angehen.

 

„Frankfurter Haus-Gespräche: Vielfalt und Einheit“. 7., 14., 21. und 28. Juni, jeweils 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei

 

(wol)
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