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HR-Sinfonieorchester: Voller Esprit ins Jubel-Finale

Von Die Cellistin Harriet Krijgh, die an der Kronberg Academy studierte, und der Dirigent Dominik Beykirch, faszinierten mit ihrem Debüt im Frankfurter HR-Sendesaal.
Dominik Beykirch gehört zu den aufstrebenden Dirigentenstars. Bilder > Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild) Dominik Beykirch gehört zu den aufstrebenden Dirigentenstars.
Frankfurt. 

Es wird oft geschimpft: Früher war alles besser! Auch die Musiker! Keine singt mehr so wie die Callas! Keiner spielt mehr so Klavier wie Horowitz! Wer so denkt, verkennt die Realität. Denn was in Deutschland und Europa an jungen Kräften im Bereich der klassischen Musik heranreift, ist atemberaubend. So viele herausragende junge Musiktalente scheint es noch nie gegeben zu haben. Und gerade Frankfurt bietet dem künstlerischen Nachwuchs viele Podien. Eines davon ist die „Auftakt“-benannte Konzertreihe im Sendesaal des Hessischen Rundfunks am Dornbusch. Ein idealer Ort, etwa für angehende Karajans, sich mit dem HR-Sinfonieorchester auf musikalische Tuchfühlung zu begeben. Oder auch für junge Solisten, die auf der Bühne des HR-Sendesaals das Zusammenwirken mit dem fabelhaften Frankfurter Orchester erfahren können.

Steile Karriere

Welch beglückende Begegnung dort das Frankfurter Publikum machen kann, war jüngst mit zwei Debütanten zu erleben, denen man, ohne sich zu versteigen, eine steile Karriere prophezeien möchte: der 25-jährigen niederländischen Cellistin Harriet Krijgh und dem Dirigenten Dominik Beykirch aus derselben Altersklasse.

Das geschulte HR-Publikum war dementsprechend gespannt auf die beiden Neulinge, zumal Harriet Krijgh mit ihrem Cellospiel schon das Publikum in der Londoner Wigmore Hall und in der New Yorker Carnegie Hall zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. Als die Niederländerin jetzt erstmals ihr außergewöhnliches Können im Verbund mit dem HR-Sinfonieorchester zeigte, waren die Zuhörer nicht minder fasziniert von ihrer Darbietung.

Mit einer für dieses Alter seltenen Souveränität durchlebte die junge Cellistin, die ihre Ausbildung in Wien und an der Kronberg Academy erhielt, Kabalewskijs erstes Cellokonzert in g-Moll op. 49. Sie ließ ihr Instrument wunderbar singen und gab ihrem Vortrag genau die richtige Balance aus Empfindsamkeit und Ernsthaftigkeit. Nichts war akademisch trocken oder gar pathetisch überzogen. Der betörende Klang ihres 400 Jahre alten Cellos aus der Werkstatt von Giovanni Paolo Maggini verströmte Musik pur. Das Publikum im Saal war gebannt von der Virtuosität der jungen Musikerin und applaudierte nach der faszinierenden Interpretation des russischen Werks so enthusiastisch, dass Harriet Krijgh die Emotionen beruhigen musste. Das glückte ihr vortrefflich mit einer ruhig ausschwingenden Sarabande von Johann Sebastian Bach.

Dass sich das HR-Sinfonieorchester bei der Begleitung der Cellistin diskret, aber durchaus fein nuanciert zurückhielt, war dem zweiten Debütanten des Abends, dem Dirigenten Dominik Beykirch, zu verdanken. Beykirch bekam seinen Schliff in der Dirigenten-Schmiede der Weimarer Musikhochschule. Seine Zeichengebung ist bei aller Präzision wohltuend geschmeidig. Man sieht genau, welche Klangvorstellung er am Pult verwirklicht haben will. So konnte Beykirch schon bei der eingangs gespielten „Pulcinella-Suite“ von Strawinsky mit einer Interpretation punkten, die rhythmische Finesse mit virtuoser Leichtigkeit und apartem Klangkolorit verband.

So richtig in Schwung kamen der Debütant am Dirigentenpult und das HR-Orchester dann nach der Pause mit Dvoráks sechster Sinfonie. Hier hatten alle sichtlich Spaß an dieser schwelgerisch aufblühenden Musik, die musikantisches Temperament versprühte – also genau das richtige Werk für junge Maestri wie Dominik Beykirch. Leidenschaftlich, ja wild, fegte der Furiant, jener böhmische Tanz, im dritten Satz über die Bühne. Und voller Euphorie, Eleganz und Esprit ging es ins rasante Jubel-Finale.

Stimme aus dem Publikum

Ein mitreißender Abend, der beim Publikum Enthusiasmus auslöste. Eine unter den euphorischen Zuhörern im Sendesaal war die Frankfurter Studentin Rosina Sfyridou. Für sie war der Abend „Balsam für die Seele“. Ihre Eindrücke fasst sie so zusammen: „Die talentierte Niederländerin Harriet Krijgh war neben dem aufstrebenden Dirigenten Dominik Beykirch der Mittelpunkt des Abends. Mit ihrem betörend blauen Kleid saß sie buchstäblich im Zentrum der Aufmerksamkeit, noch unterstrichen durch ihre zentrale Position im Frankfurter HR-Sendesaal. Es war faszinierend, zu beobachten, mit welchem Gefühl sie ihr 400 Jahre altes Violoncello umschlang. Mit vollem Körpereinsatz fühlte sie sich in jede noch so komplexe Tonfolge hinein. Man sah und hörte sie nicht nur, es war zu spüren, was sie zum Ausdruck bringen wollte. Mit der Sarabande von Johann Sebastian Bach als Zugabe erfüllte ein Gefühl der Ruhe die Ränge. Ich schloss die Augen, atmete tief durch, und jegliche Belastung fiel von mir ab. Als ich die Augen wieder öffnete, so sah ich, dass Klang und Optik sich in perfekter Harmonie befanden. Es war nicht nur ein hervorragendes Konzert, sondern auch ein außergewöhnliches Erlebnis zu einem studentenfreundlichen Preis.“

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