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„Welcome to Norway“: Vollpension für Asylbewerber

Von In der Komödie „Welcome to Norway“ von Rune Denstad Langlo wandelt ein norwegischer Hotelier seine Herberge in eine Flüchtlingsunterkunft um.
Olivier Mukuta (links) und A.B. Christiansen als Hotelier. Olivier Mukuta (links) und A.B. Christiansen als Hotelier.

Zeitungsartikel und Fernsehberichte über Einwanderungswillige aller Art hat es im zurückliegenden Jahr wahrlich genügend gegeben. Jetzt kommen die Spielfilme. Sie haben sehr viel größere Freiheiten bei der Betrachtung der vielen wirtschaftlichen und politischen Flüchtlinge, denn sie müssen nicht sachlich und ausgewogen berichten wie die Medien, sondern können ganz persönliche und auch drastische Sichtweisen wagen. Vor allem Komödien dürfen sich angesichts des Zustroms von Asylbewerbern aus den entferntesten Ländern reichlich satirische Direktheit erlauben. Wenn eine solche Komödie obendrein aus Norwegen kommt, wo die Filmemacher für ihre Brachialität bekannt sind, darf man sich auf einiges an Ungeniertheit gefasst machen.

Allzu heftig geht der Norweger Rune Denstad Langlo in „Welcome to Norway“ zwar nicht an die Sache heran. Aber er macht sich doch ganz schön lustig über den norwegischen Sozialstaat sowie über die Asylantragsteller, die in seinem Land eintreffen. Schon in den ersten Filmminuten ist da von „Negern“ die Rede, wie es etwa im deutschen Staatsfernsehen völlig undenkbar wäre. Der „Neger“ kommt hier aus dem Munde des Hoteliers Primus (Anders Baasmo Christiansen), in dessen heruntergekommener Herberge die Gäste ausbleiben. Deshalb bringt er nun eben Flüchtlinge unter. Das ist ein gutes Geschäft. Denn pro Tag und Person bekommt der Mann vom Staat eine Pauschale. Dafür bietet er gleichsam Vollpension.

Die neuen „Gäste“ sind allerdings mit der Unterbringung nicht durchweg zufrieden. Der Moslem will nicht mit einem Christen das Doppelzimmer teilen, der Afrikaner nicht mit dem Araber, der Sunnit nicht mit dem Schiiten, und obwohl es „jeden Tag Büffet“ gibt, beanstandet gar mancher das Essen. Beschwerden werden formuliert und vorgebracht, als die Beamten der Ausländerbehörde die Quartiere besichtigen und ebenfalls einen höheren Unterbringungsstandard fordern. Hotelier Primus muss zusehen, dass seine Buden nicht als unzumutbar für Asylbewerber dichtgemacht werden.

Unter der Regie von Rune Denstad Langlo werden die Reibereien so inszeniert, dass nichts beschönigt wird, aber die Streitigkeiten auch nicht ausarten. Letztlich überzeugt „Welcome to Norway“ durch Wirklichkeitsnähe. „Willkommenskultur“ heißt hier: Es wurden mitleidsbedürftige, halb verhungerte, verfolgte und gequälte Menschen erwartet. Doch nun ist ein Bus mit 50 kräftigen, willensstarken Fremden eingetroffen, die ein neues Leben beginnen wollen, finanzielle Forderungen stellen, mit Nachdruck auf ihre Rechte verweisen und das für sie bereitstehende Hotel empört als „Guantanamo“ bezeichnen. Annehmbar

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