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Sound von Frankfurt: Vom Disco-Groove zum Techno-Beat: Tanzen, bis du tropfst

Wie klingt der Sound einer Stadt? Wie klingt der „Sound von Frankfurt“? Wir haben hineingehört. In unserer Sommerserie „Der Sound von Frankfurt“ spüren wir dieser Frage nach, erinnern an große Persönlichkeiten und stellen interessante Newcomer vor. Die fünfte Folge ist Dance und Techno gewidmet.
Techno-DJ Sven Väth beim Auflegen 2011. Foto: Thomas Frey (dpa) Techno-DJ Sven Väth beim Auflegen 2011.

Wie klingt der Sound einer Stadt? Wie klingt der „Sound von Frankfurt“? Wir haben hineingehört in die Vergangenheit und in die Gegenwart, wir haben nach Sounds und Rhythmen, Stilen und Stimmungen gelauscht und wollen sie Ihnen in den nächsten Wochen vorstellen. Was haben Musiker vom Main zur Rock-, Schlager-, Dance-, Techno- oder Hip-Hop-Szene in Deutschland und darüber hinaus beigetragen? In unserer Sommerserie „Der Sound von Frankfurt“ spüren wir dieser Frage nach, erinnern an große Persönlichkeiten und stellen interessante Newcomer vor. Die fünfte Folge ist Dance und Techno gewidmet.

Weltweiter Kultur-Tsunami

Als der im Stadtteil Griesheim aufgewachsene Andreas Tomalla gegen Ende seiner Lehrzeit zum Industriekaufmann 1982 im Plattenladen „City-Music“ unter dem Frankfurter Hauptbahnhof jobbte, ahnte er nicht, welchen weltweiten Kultur-Tsunami er entfachen würde. Der 19-Jährige betreute im Geschäft das Segment Dance. Um die elektronische Musik gesondert zu katalogisieren, erfand er eine ureigene Bezeichnung: „Technologie-Musik klang blöd, also nannte ich es Techno“, erinnert sich der heute 55-jährige Tomalla. Wenig später sollte er als DJ Talla 2 XLC zu einem Wegbereiter von Techno und Trance avancieren. Seine frühen Karrierestationen als aufstrebender DJ in Frankfurt führten ihn durch ehemalige In-Spots wie „Tanzschule Kiel-Blell“, „Nouvelle“ und „No Name“. In Letzterem ersann Tomalla sein Konzept „Techno Club“, der sonntags von 15 bis 21 Uhr stattfand. Nach einiger Zeit wechselte die Veranstaltung ins „Roxanne“, dann ins „Omen“ und schließlich ab 1978 für elf Jahre ins „Dorian Gray“ im Frankfurter Airport.

Musikproduzent Frank Farian. Bild-Zoom Foto: Karlheinz Schindler (dpa-Zentralbild)
Musikproduzent Frank Farian.

Parallel arbeitete Tomalla als Komponist und Produzent unter Pseudonymen wie „Axodry“, „Two Of China“ und „Moskwa TV“. Ab 1989 initiierte er das populäre Techno-Fachmagazin „Frontpage“. Mit einer clubeigenen Compilation-Reihe auf der hauseigenen Marke „New Zone“ zündete 1990 auch seine Karriere als Label-Chef. 28 Jahre später sind der nach wie vor aktive Tausendsassa Tomalla und sein „Techno Club“ Legende und reif fürs Museum: Sein von ihm und Wegbegleiter Alex Azary vorangetriebenes „Museum Of Modern Electronic Music“ (MOMEM), das sämtliche Facetten elektronischer Musik von deren Ursprüngen bis heute unter einem Dach vereint, findet im ehemaligen Kindermuseum an der Frankfurter Hauptwache ein Zuhause und soll noch 2018 eröffnet werden.

Frank Farians „Boney M.“

Für weltweit gesteigerte Tanzaffinität sorgte auch ein gewisser Franz Reuther, und zwar unter dem Pseudonym Frank Farian. Gestartet in den frühen 60ern als Rock-’n’-Roll-Frontmann der Combo „Frankie Farian und die Schatten“, arbeitete sich der heute 77-jährige Multimillionär mit Dauerwohnsitz Miami über den Beruf des recht erfolgreichen deutschen Schlagersängers (Nummer-eins-Hit „Rocky“) in den des Komponisten und Produzenten Platin-Truppe „Boney M.“ vor. Möglich machte das der Bump- und Philly-Soul-Boom aus USA: Im Dezember 1974 spielte Farian im Europa-Sound-Studio in Offenbach-Bieber im Multiplayback-Verfahren den Titel „Baby, Do You Wanna Bump?“ ein. Für TV-Auftritte benötigte Farian eine von einer Künstleragentur angeheuerte Truppe. Mitglieder kamen und gingen, bis die Stammbesetzung stand: Bobby Farrell, Maizie Williams, Marcia Barrett und Liz Mitchell, ehemaliges Mitglied der „Les-Humphries-Singers“. Nach dem Durchbruch von „Daddy Cool“ im Aufwind der globalen Disco-Welle zündeten „Boney M.“ international mit Chart–Rennern wie „Sunny“, „Ma Baker“, „Belfast“, „Rasputin“ und „Rivers Of Babylon“. Realisisert wurde das alles im hauseigenen Studio in Rosbach.

Formationen wie der „Max Clouth Clan“ konnten den Popularitätsschub nutzen und gehen mutig eigene Wege.
Sound of Frankfurt Die Stadt, der Jazz und die Zukunft

Wie klingt der Sound einer Stadt? Was haben Musiker vom Main zur Rock-, Schlager- oder Hip-Hop-Szene in Deutschland und darüber hinaus beigetragen? In unserer Sommerserie "Der Sound von Frankfurt" spüren wir dieser Frage nach. Die erste Folge ist dem Jazz gewidmet. Jazz und Frankfurt waren über Jahrzehnte Synonyme. Nur noch Techno wird so eng mit der Stadt verbunden.

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1988 startete Farian mit dem Disco-Pop-Duo „Milli Vanilli“ neu durch. Weltweit erfolgreich, endete das Projekt im Skandal, als herauskam, dass Fab Morvan und Rob Pilatus zu den Stimmen einer Studiosangesriege mimten. „Milli Vanilli“ wurde der Grammy Award für das zweite Album aberkannt.

Kurt Hauenstein, Vokalist, Bassist und Pianist aus Wien, half häufig bei Farian im Offenbacher Studio aus. Mit dem multinationalen Soul-Funk-Disco-Reggae-Ensemble „Supermax“ machte er sich 1977 selbständig. Ein kultiger Welthit gelang dem 2011 mit 62 Jahren verstorbenen Hauenstein mit dem Diskotheken-Kracher „Love Machine“.

Anfang der 80er Jahre jobbte DJ Andreas Tomalla alias Talla 2XLC in einem Plattenladen unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Dabei erfand er, so die Legende, den Begriff „Techno“. Bild-Zoom Foto: Andreas Tomalla (dpa)
Anfang der 80er Jahre jobbte DJ Andreas Tomalla alias Talla 2XLC in einem Plattenladen unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Dabei erfand er, so die Legende, den Begriff „Techno“.

Im Zuge von Farians Weltkarriere kopierten gleich mehrere Frankfurter Komponisten und Produzenten recht erfolgreich dessen Konzept: Bernt Möhrle schuf 1978 das Vokal-Quartett „Chilly“. Eine 12-minütige Dance-Rock-Version des „Yardbirds“-Beat-Oldies „For Your Love“ zündete in Diskotheken, der Single-Mix in den Charts.

Helene Fischers späteres Allround-Genie Jean Frankfurter wiederum platzierte 1977 das bis auf den Top-10-Hit „Marigot Bay“ nur moderat, in Fernost jedoch erfolgreiche Disco-Trio „Arabesque“.

Mitte der Achtziger ging die nächste Generation an den Start: „OFF“ nannte das Produzentenduo Benito Benites alias Michael Münzing und John Virgo Garrett III alias Luca Anzilotti sein Projekt.

Mit Sven Väth als Vokalist gelang den beiden „Dorian-Gray“-DJs der Club-Hit „Electrica Salsa“. Ein weiteres Projekt des Trios namens „16 BIT“ mit dem Hit „Where Are You?“ folgte. Väth, Münzing und der ehemalige „Dorian-Gray“-Geschäftsführer Matthias Martinsohn kauften 1988 den Frankfurter Club „Vogue“ auf und benannten ihn in „Omen“ um. Fortan testete das Team dort unveröffentlichte Produktionen wie Rapper Moses Pelham und das Eurodance-Projekt „SNAP!“ hautnah am Konsumenten.

„Rhythm is a Dancer“

Als weltweiter „SNAP!“-Megahit empfahl sich 1990 „The Power“, gefolgt von „Ooops Up“, „Cult Of SNAP!“, „Mary Had A Little Boy“ und „Rhythm Is A Dancer“. Münzings und Anzilottis Tanzflächenfüller entstanden im hauseigenen Studio beim Label Logic Records am Offenbacher Kaiserlei in der Strahlenberger Straße. Es war einmal die heißeste Adresse der Stadt. Im gleichen Gebäudekomplex machte sich auch Sven Väth mit Manager Heinz Roth und den Plattenmarken EyeQ, Harthouse und Recycle Or Die breit. Väth etablierte sich im Techno- und DJ-Boom der frühen 90er als Global Player.

Ebenfalls zur Strahlenberger-Connection zählten die Produzenten Martin Haas und Robert Sattler, die gemeinsam mit Moses Pelham („Rödelheim Hartreim“, Schwester S., Sabrina Setlur, Xavier Naidoo) die USP-Studios etablierten. „Culture Beat“, das Darmstädter Projekt des 1993 früh verstorbenen „Dorian-Gray“-DJs Torsten Fenslau und der Studiokoryphäe Nosie Katzmann, fuhr im Erfolgsfahrwasser von „SNAP!“ den Welthit „Mr. Vain“ ein.

Gleich zwei Projekte prägte der Konzertgitarrist Rolf Ellmer: Unter dem Pseudonym Jam El Mar paarte er sich in „Jam & Spoon“ („Right In The Night“) mit DJ Markus Löffel alias Mark Spoon, in „Dance2Trance“ („P.ower Of A.merican N.atives“) mit DJ Dag Lerner. Ellmers Erfolge im In- und Ausland steuerte sein Manager Matthias Grein (Alltsar Music). Via Grein kommen wir in der Gegenwart an: Managt er doch auch „Rey & Kjavik“. Dahinter steckt der Solokünstler namens Alexander Schomann. Debüt-Werk „Rkadash“ (2017) nimmt den Hörer mit auf eine Reise nach Indien. Eine kaleidoskopische Klang-Collage mit Groove-Fundament aus Soundpartikeln, Hindu-Chorälen und Gesprächsfetzen fremden Zungenschlags. Hessens derzeit erfolgreichste Kommerzauswertung im Ausland gebührt allerdings Nicht-Frankfurtern: Folktronica-Duo „Milky Chance“ stammt aus Kassel.

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