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Kihwan Sim: Vom Frankfurter Opernstudio an die Met

Bassbariton Kihwan Sim, einer der frühen Stipendiaten aus dem Frankfurter Opernstudio, singt in diesem Jahr nach seinem Debüt 2016 wieder an der Metropolitan Opera in New York.
Kihwan Sim singt mit Inbrunst, links dirigiert Hartmut Keil bei den Proben. Foto: Michael Faust Kihwan Sim singt mit Inbrunst, links dirigiert Hartmut Keil bei den Proben.

„Er will es langsamer“, beschwört Dirigent Hartmut Keil das Frankfurter Opern- und Museums-Orchester und klopft bei der Probe für das Jubiläumskonzert an sein Pult. Mit „er“ ist einer der größten Publikumslieblinge des Frankfurter Opernhauses gemeint: der gebürtige Südkoreaner Kihwan Sim.

Geholfen hat ihm bei seiner strahlenden Laufbahn die gründliche Ausbildung im Opernstudio. Heute singt das beliebte Ensemblemitglied für Frankfurt, und zwar beim großen Jubiläumskonzert zur zehnjährigen Erfolgsgeschichte der sängerischen Nachwuchsschmiede.

Ein Finsterling ist er gern

Wenn er als Philipp II. melodienreich beklagt, dass Königin Elisabeth nicht ihn liebe, sondern seinen Sohn, „amor per me non a“ (für mich empfindet sie keine Liebe), probiert der hoch gewachsene Asiate wieder einmal eine der finstersten Partien der Opernliteratur: die des spanischen Monarchen aus Giuseppe Verdis „Don Carlos“. Er hat sich diese berühmte Arie Anfang des vierten Aktes ausgesucht, um seinen Beitrag zu leisten für die große Feier des Opernstudios. Schließlich gehörte er 2011/12 selbst dazu und erinnert sich nur zu gerne an den damaligen Meisterkurs bei seiner Lehrerin Edith Wiens, an strenge deutsche Grammatikübungen und vor allem an die Chance, auf der Bühne zu stehen und dabei von den anderen Sängern in Ruhe zu lernen.

Opernstudio-Leiter Thomas Stollberger erinnert sich genau daran, wie das war, als Kihwan Sim in Frankfurt einschlug wie ein Meteor. „Der Witz war: Er sollte gar nicht kommen. Er hatte sich auch nicht offiziell beworben. Kurz zuvor hatte er in Darmstadt als Gast sein Deutschland-Debüt gegeben und sollte übernommen werden.“ Das klappte aus verschiedenen Gründen nicht, und sein Agent rief im Frankfurter Opernstudio an, ob er nicht mal vorsingen könne. Sofort nach Anhörung erhielt er einen der begehrten sechs bis acht Studio-Plätze. Zwei Monate, nachdem er in Frankfurt Stipendiat geworden war, gewann er in Paris den begehrten Concours Régine Crespin und erhielt vom Züricher Opernhaus ein verlockendes Angebot. „Da mussten wir sagen, wollen wir oder wollen wir nicht? Letztlich war es eine reine Bauchentscheidung von Bernd Loebe: Das Risiko gehe ich ein. Ich glaube, der hat es. Wir kämpfen gegen Zürich.“

Einer der Besten

So schildert Martin Stollberger die aufregenden Tage. Und weil der Frankfurter Opernchef Kihwan Sim schließlich die Hauptrolle im „Figaro“ anbot und ihn in das Frankfurter Ensemble zur Spielzeit 2012/2013 übernahm, blieb das Ausnahme-Talent in der Metropole am Main.

Eine derart stürmische Karriere ist selten, ebenso, wie direkt nach dem Studiojahr ins Ensemble übernommen zu werden. Im Gegenteil. Stollberger betont, dass die langsame Reifung der Talente höchstes Gebot sei: „Es gibt keine 25-jährigen Sopranistinnen, die eine Gräfin singen können und sollten, denn diese Stimmen wären mit 35 kaputt. Das machen wir nicht. Lieber einen Schritt zurück, kleine bis mittlere Partien.“ Und er ist sich sicher: „Die jungen Sänger schätzen unseren Rat, der nicht immer der ist, den sie gerne von uns hören wollen.“

Gesundheit geht vor

Aber nur so blieben die Stimmen gesund und nur dann könne man mit 35 Jahren auf der Bühne der Met stehen, wie jetzt Kihwan Sim. Der lächelt spitzbübisch, als er zugibt: „Manchmal bin ich ein bisschen neidisch auf die Tenöre, die so viele Liebesduette mit den Frauen singen.“ Kein Wunder: Sparafucile, Tiridate, Jean Procida – die Liste der fiesen Fanatiker und Despoten ist lang, die er in Frankfurt gesungen hat.

Seit zehn Jahren gehen im Haus am Willy-Brandt-Platz berühmte Gesangspädagogen ein und aus: Stimmcouch Eytan Pessen gehört dazu, Hedwig Fassbender, der berühmte Pianist Ernst Deutsch und Neil Shicoff, einer der größten Tenöre des vergangenen Jahrhunderts.

Stimmglanz für alle

Mit der Unterstützung des Patronatsvereins und den Stiftungen der Deutschen Band und der Polytechnischen Gesellschaft gelingt es, dass große Talente wie Paula Murrihy, Iurii Samoilov oder Julia Dawson ihren Stimmglanz in die großen Opernhäuser der Welt tragen. Sie alle werden heute Abend gemeinsam mit aktuellen Stipendiaten die Partien des Abends bestreiten. Bernd Loebe moderiert den Abend, Hartmut Keil dirigiert das Orchester. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Opernhaus.

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