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Vom Main bis zur Mathildenhöhe

Frankfurts Architekturmuseum plant mit acht Architektenbüros einen „Architektursommer“, der schon bald in Darmstadt beginnt und nächstes Jahr fortgesetzt wird.
Alles fließt, auch der Main: Leben und bauen am Fluss ist schön.	Foto: Rüffer Alles fließt, auch der Main: Leben und bauen am Fluss ist schön. Foto: Rüffer

Ein starkes Signal haben gestern die Oberbürgermeister von Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und Darmstadt ausgesendet. Beim gemeinsamen Auftritt im Frankfurter Architekturmuseum ging es zwar nur um den Architektursommer 2015. Aber das Quartett beschwor unisono das Zusammenwachsen der Region. Neue Ideen dafür haben acht internationale Architekturbüros für zwei gigantische Brachen entwickelt. Die erste Brache liegt zwischen Frankfurt-Oberrad und Offenbach-Kaiserlei; die zweite Brache ist die Maaraue zwischen Wiesbaden und Mainz an der Mündung des Mains in den Rhein.

Diese acht Visionen sind nun für zwei Wochen im Museum zu sehen. Es geht also nicht nur um vergessene oder noch zu entwickelnde Orte, sondern auch um die gemeinsame Zukunft der Rhein-Main-Region. So will das Pariser Büro AWP mit einem Kulturfestival die Region einen. Das Wiener Büro Feld 72 indes rückt die Mobilität in die Mitte der Überlegungen und macht dabei auch Vorschläge zum Carsharing. Superpool aus Istanbul wiederum sieht das Verbindende in den vielen Brücken über den Main und entwickelt die Idee, dass der Main künftig einfacher per Schiff befahrbar sein soll, trotz Staustufen.

Erfahrung aus Rotterdam

Viel tiefer ins Detail ging das vierte Büro, Urbed aus London und Manchester. Die britischen Architekten haben das Nordend in Offenbach mit seiner Mischung aus Kleingewerbe und Wohnen zum Vorbild erkoren und wollen es auf die anderen Stadtteile übertragen – entgegen aller Probleme beim Bau- und Planungsrecht. Dagegen muten die vier Ideen für die Brache zwischen Wiesbaden und Mainz ungleich utopischer an. Das Rotterdamer Lola-Büro beschäftigt sich, aufgrund eigener Erfahrungen in der Heimat, mit den zunehmenden Überschwemmungen. Sie lassen die Aue überfluten, bis hin zu „Flussbergen“, künstlichen Erhöhungen oder Aussichtspunkten.

Ebenfalls mit den Überschwemmungen setzt sich das in München und Bonn angesiedelte Büro Sieverts auseinander. Freilich plädieren die Deutschen für eine doppelte Nutzung des Mainbereiches, zwischen Überschwemmungsgebieten und urbanen Wohnmöglichkeiten. Noch radikaler ist das Berliner Büro Magma, das für eine komplette Bebauung der Maaraue votiert. Die Planer wollen eine neue Stadt erbauen, eine von Wiesbaden und Mainz unabhängige dritte Stadt, trotz Überflutungsgefahr.

Doch bei kurzfristigen künstlerischen Interventionen soll es nicht bleiben, betonte Professor Kai Vöckler, der Sprecher des „Architektursommers“. Vielmehr will man nun über die Machbarkeit der Ideen mit den Politikern diskutieren. Die gaben sich erst einmal offen für alle Visionen und wollen „von einem eher beiläufigen Neben- zu einem guten Miteinander“ der Städte finden, so Frankfurts OB Peter Feldmann. Ob tatsächlich alle Ideen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Zumindest der knappe Wohnraum beschäftigt die vier Politiker.

Versäumnis aus Hessen

In Darmstadt beginnt der Architektursommer schon in wenigen Wochen. Vom 7. Juli bis 16. August dreht sich alles um den Osthang auf der Rückseite der Mathildenhöhe. Vor 100 Jahren ließ dort die Künstlerkolonie acht Mietshäuser bauen, die aber 1944 zerbombt wurden. Seither redet man sich die Köpfe heiß, aber gebaut wird nichts.

Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt. Bis 6. Juni, dienstags bis sonntags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr. Eintritt 9 Euro. Telefon (069) 212-388 44. Internet www.dam-online.de

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