Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Satire: Von Putin verboten: Groteske "The Death of Stalin" verspottet sowjetischen Diktator

Von Mit schwarzem Humor schildert Filmemacher Armando Iannucci, wie Chruschtschow und Molotow 1953 in der Sowjetunion um den Parteivorsitz rangeln.
Wer wird der Größte? Von links: Molotow (Michael Palin), Malenkow (Jeffrey Tambur), Wassili Stalin (Rupert Friend), Chruschtschow (Steve Buscemi) und Beria (Simon Russell Beale). Foto: - (Concorde Filmverleih GmbH) Wer wird der Größte? Von links: Molotow (Michael Palin), Malenkow (Jeffrey Tambur), Wassili Stalin (Rupert Friend), Chruschtschow (Steve Buscemi) und Beria (Simon Russell Beale).

Steve Buscemi ist der Verrückte vom Dienst. Seit seinem Durchbruch in Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ spielt er vorzugsweise Psychopathen und Gangster. Den 60-jährigen Amerikaner als sowjetischen Staatsmann Nikita Chruschtschow zu besetzen, scheint auf den ersten Blick skurril. Doch Buscemis Mafia-Mimik passt wie der Hammer zur Sichel zu einer bitterbösen Satire, die den Klüngel im Kreml durch den Kakao zieht. Im Frühjahr 1953 erleidet Josef Stalin (Adrian McLoughlin) einen Schlaganfall. Eigentlich müsste man die besten Ärzte des Reiches an sein Krankenlager zitieren, aber der Diktator hat alle Koryphäen hinrichten lassen – aus Angst vor einer Verschwörung. Die Minister scharren sich wie Geier um den sterbenden Herrscher. Wer wird seine Nachfolge antreten?

Schlaue Füchse

Geheimdienstchef Lawrenti Beria (Simon Russell Beale) bringt sich in Stellung. Schließlich hält er genügend belastendes Material gegen seine Konkurrenten parat. Stalins Stellvertreter Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) wäre eine Marionette in Berias Händen. Außenminister Wjatscheslaw Molotow (Michael Palin) ist dagegen ein schlauer Fuchs, der sich nicht so leicht ausschalten lässt. Während sich auch noch Stalins geistig verwirrter Sohn Wassili (Rupert Friend) und Tochter Swetlana (Andrea Riseborough) in den Kampf einmischen, erweist sich Chruschtschow als geschicktester Strippenzieher auf dem Weg zur Spitze. Das historische Ergebnis ist bekannt, dennoch verfolgt man das tragikomische Ränkespiel gespannt. Regisseur und Autor Armando Iannucci („Veep“) findet die passende Balance zwischen herrlich albernem Slapstick und beißender Sozialkritik. In den besten Momenten erinnert sein Film an Stanley Kubricks Ost-West-Satire „Dr. Seltsam“. Politiker werden als egozentrische Machtmenschen dargestellt, die sich um ihre Ämter balgen wie Kinder im Sandkasten. Der Humor ist typisch britisch, mitunter tiefschwarz. Ein Hauch von „Monty Python“ weht durch die Szenerie, und das nicht nur, wenn Michael Palin („Das Leben des Brian“) auftritt. Das großartige Ensemble liefert sich messerscharfe Wortgefechte, in denen beinahe jede Pointe sitzt. Neben Steve Buscemi ragt der britische Theater-Schauspieler Simon Russell Beale heraus, der den Geheimdienstler so teuflisch verschlagen spielt wie den Bösewicht eines Comic-Films.

Weltweit gültig

In Moskau konnte man über die Karikaturen der Polit-Originale nicht lachen. Die Aufführung der Kinokomödie wurde verboten. Dabei zielt „The Death of Stalin“ nicht allein auf russische Verhältnisse. Der Spott der Satire trifft alle Regierungen weltweit, die ihren Auftrag vergessen, wenn sie chaotisches Postengeschacher über das Wohl des Volkes stellen. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Eldorado, Harmonie (D+OmU), Metropolis (OF)

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse