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Festival: Wacken: Otto (70) begeistert die Metalheads

Otto auf der Bühne eines Heavy-Metal-Festivals? Dass es funktioniert, beweist der Ostfriese bei seinem Auftritt in Wacken. Das Konzert ist von der ersten Strophe an ein Heimspiel.
Der Komiker Otto Waalkes tritt auf dem Wacken Open Air Festival auf. Das nach Veranstalterangaben größte Heavy-Metal Festival der Welt besuchen 75.000 Menschen. Foto: Daniel Reinhardt Der Komiker Otto Waalkes tritt auf dem Wacken Open Air Festival auf. Das nach Veranstalterangaben größte Heavy-Metal Festival der Welt besuchen 75.000 Menschen.
Wacken. 

„Otto! Otto! Otto!”, schallt es aus Tausenden Kehlen, noch bevor Deutschlands berühmtester Ostfriese auf der Bühne steht. „Der König tritt hervor”, sagt einer der Besucher zu seinem Begleiter, als die ersten Töne gespielt werden.

Otto Waalkes - seit gut zwei Wochen 70 Jahre jung - hat sein Publikum beim „Wacken Open Air” von der ersten Sekunde an fest im Griff. „Ich freue mich hier zu sein, in Wacken”, begrüßt er das Publikum. „Dann fangen wird doch gleich an mit einem kleinen Friesenlied. (...) Denn wir sind ja in Norddeutschland.” Spätestens jetzt sind die letzten Zweifler im Publikum überzeugt. Die allermeisten in der Menge stimmen bei „Friesenjunge” ein. Noch lange nachdem Otto von der Bühne verschwunden sein wird, werden die Fans seine spezielle Version von Stings Welthit „Englishman in New York” im Chor weitersingen.

Obwohl er in der Nacht zum Samstag mit dem Headliner „In Flames” konkurriert, sind Tausende gekommen. „Ich bin sehr überrascht, dass Otto auf Wacken so viele Leute anzieht”, sagt Peter Schieritz. Das eigentlich für Heavy Metal bekannte Festival zieht vor allem Fans der harten bis härtesten Rockmusik an. „Otto ist ein Idol aus meiner Kindheit, deswegen bin ich hier”, sagt der 41-jährige Sebastian Bohnstaedt.

Wie ihm geht es offenbar vielen im Publikum. Die von Otto präsentierten Lieder werden ausnahmslos mitgesungen - egal ob Klassiker wie „Aber bitte mit Sahne”, „Dänen lügen nicht”, „Grund zum Feiern” oder rockige Cover von Queens „We Are The Champions” oder AC/DCs „Highway To Hell”. Wobei „Grund zum Feiern” bei sehr bierseliger Stimmungslage besonders großen Anklang findet.

Bei „Zehn kleine Ottifanten” wirft der 70-Jährige zunächst Plüschversionen des Fantasie-Tieres ins Publikum - ein Exemplar für jeden in dem Lied gestorbenen Ottifanten. Am Ende feuert Otto mit einer Kanone eine ganze Ladung samt Konfetti in die Menge. Unterstützt wird er von seiner Band, den „Friesenjungs”. Beim Konzert greift er aber auch selbst zu E- und Akustikgitarre.

„Otto ist 70 und rockt einfach immer noch die Bühne auf dem Wacken”, sagt Anna Nacke staunend. Tatsächlich merkt man ihm sein Alter bei dem Auftritt nicht an. Leichtfüßig hatte er die Bühne betreten, kurz das Shirt gelüftet, seine nackte Brust gezeigt - und von der ersten Strophe an geliefert, was seine Anhänger wollten.

Der Auftritt enthält alles, was ein gutes Rockkonzert braucht: Ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handys bei Balladen, Crowd-Surfing bei schnellen Songs, Tausende Arme, die sich, in die Luft gereckt, bei Klassikern im Takt von links nach rechts bewegen. Beharrlich fordert das Publikum eine Zugabe nach der anderen. Zwar können sie Otto zu mehreren weiteren Liedern überreden, doch nach gut eineinhalb Stunden ist endgültig Schluss.

Für Rick Terhorst ist es am Ende sogar das zweitbeste Konzert seiner fünfjährigen Wacken-Geschichte, wie er sagt. Nur der Auftritt seiner Lieblingsband Iron Maiden habe Otto übertroffen. Auch die 20-jährige Jana Etschmann hat der Ober-Ostfriese überzeugt: „Ich fand es megageil.” Und Tim Sadowsky stellt klar: „Otto ist allemal besser als Heino damals.” Der Schlagersänger war 2013 bei dem Metal-Festival aufgetreten.

Kurz vor Ende ermahnt Otto das Publikum noch, dass Alkohol am Steuer nicht gehe. Sonst fahre man noch jemanden an und verschütte etwas.

Samstag ist der letzte offizielle Festivaltag dieses Wacken-Jahres. Auf den Bühnen sollten unter anderem „In Extremo” und „Die Apokalyptischen Reiter” auftreten. Rund 75 000 zahlende Besucher waren zur 29. Auflage des Festivals in die schleswig-holsteinische 1800-Einwohner-Gemeinde gereist.

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