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Bayreuther Festspiele: Wagners Göttervater Wotan verbrennt sich die Finger

Frank Castorfs Bayreuther „Ring“-Inszenierung wird mit der „Walküre“ fortgesetzt. Dirigent Marek Janowski schürt musikalisch das Feuer.
Da hat Wotan (John Lundgren) in Castorfs Inszenierung ganz schön was zu schleppen. Foto: Enrico Nawrath (Festspiele Bayreuth) Da hat Wotan (John Lundgren) in Castorfs Inszenierung ganz schön was zu schleppen.

Richard Wagner gestaltete das „Rheingold“ als burlesken Tetralogie-Auftakt mit beißender Komik und hintergründigem Witz. Das Gedöns um die altnordischen Götter ist reine Gesellschaftskritik. „Die Walküre“, die dem „Vorabend“ folgt, wird nun ernst und düster und vertieft die Charakterdarstellung der Figuren. Der verfluchte Ring wechselte bereits von Alberich über Wotan zu Fafner den Besitzer. Durch Verträge gebunden, darf Wotan nicht selbst Fafner zu Leibe rücken. Doch bereitet er diskret seinem heimlichen Sohn Siegmund die Bahn einer feindlichen Übernahme des Rings. Aber Siegmund trifft auf seine verschollen geglaubte Schwester Sieglinde, die als Waisenkind an den Grobian Hunding verschachert wurde. Umgehend wird ein inzestuöses Kind gezeugt, von dem später noch als Siegfried zu hören sein wird.

Gehorsamsverweigerung

Der Skandal ruft jedoch die Göttergattin und Moralwächterin Fricka auf den Plan, die klarstellt, dass der frevlerische Siegmund zu sterben hat. Wotans mühsam errichtetes Kartenhaus bricht wieder zusammen. Noch schlimmer kommt es, als seine Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde, gegen seine Anweisung für Siegmund Partei ergreift und folglich wegen der Gehorsamsverweigerung bestraft werden muss.

Castorfs „Walküre“ zieht ihre Faszination vor allem aus der atemberaubenden Bühnenbildkonstruktion von Aleksandar Denic. Man befindet sich in Baku, Anfang des 20. Jahrhunderts, und erlebt dort eine Zeitreise bis ins Jahr 1942. An einen hoch aufragenden hölzernen Ölförderturm schließen sich eine Halle und weitere Nebengebäude an. Das Gebäude wird sowjetisches Kombinat, die Umweltverschmutzung nimmt zu. Bevor die deutsche Wehrmacht anrückt, werden Zündschnüre entfacht, und „Wotans Feuerzauber“ illuminiert die Bühne, während Marek Janowski dem Orchester die feinsten hypnotisierenden Töne entlockt.

Einige Sänger werden zwar durch die schwindelerregende Bühnenkonstruktion gejagt, aber über weite Strecken wird gesungen, ohne dass Castorf seine Besetzung mit komplexerer Personenführung belästigt. Die Videos sind dezenter als im „Rheingold“. In Livebildern in Schwarzweiß grimassieren die Sänger urkomisch nach Stummfilmart, was soweit noch hilfreich ist. Sehr ablenkend, da es mit den Bühnenvorgängen nicht direkt zu tun hat und doch die Blicke auf sich lenkt, sind historisches Filmmaterial, kyrillische Texteinblendungen und die Kasperei, in der Regieassistent Seibert Szenen aus dem „Panzerkreuzer Potemkin“ nachspielt. Doch die Sache mit dem Öl läuft relativ beziehungslos konträr zur „Ring“-Geschichte und bietet wenig erhellenden Mehrwert. Glücklicherweise hat Marek Janowski Entscheidendes mit dem sehr gut einstudierten Festspielorchester entgegenzusetzen. Festspielwürdig ist auch die Sängerriege.

Eher lyrisch und hell

Als „Wälsungenpaar“ Siegmund und Sieglinde waren Christopher Ventris und Camilla Nylund in bester Form. Einzig durch den mit Sahnetortenbildern diffamierten Hit „Winterstürme“ jagt Janowski den Sänger wie auf der Flucht. Georg Zeppenfeld erinnert als Hunding noch sehr an seinen Gurnemanz aus dem Parsifal, klingt also eher lyrisch und hell. Ungewöhnliche Töne für den Finsterling Hunding. Als „Walküren“-Wotan stellt John Lundgren einen ganz anderen Typen vor, als es Paterson im „Rheingold“ war. Ihm gelingt die kraftraubende Partie meisterlich, sowohl im strahlenden Forte-Bereich wie auch in den großen Monologen, die gut deklamiert Licht in die Hintergrundgeschichte bringen. Auch Tanja Ariane Baumgartner war jetzt als Fricka sehr präsent und schön austariert zwischen verletzlicher Frau und bedrohlicher Xanthippe. Catherine Foster schleuderte das Hojotoho-Kampfgebrüll mit Durchschlagskraft und feiner Leichtigkeit in den Saal, dass es eine reine Freude war, und berührte in ihrer Sorge um Sieglinde und in den intimen Unterredungen mit Wotan. Abgesehen von denen, die sich noch über Castorf ärgern, herrschte einhellige Begeisterung im Publikum.

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