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Wagners „Holländer” überzeugt am Passionstheater

Zum zweiten Mal bietet Christian Stückl am Oberammergauer Passionstheater große Oper. In Wagners „Holländer” beeindruckte vor allem die Leistung des 180-köpfigen Laienchors.
Die Neuinszenierung von Wagners „Fliegender Holländer” fand mit einem 180-köpfigen Laienchor statt. Die Besucher waren dennoch begeistert. Foto: Arno Delair/Passionstheater Oberammergau /dpa Die Neuinszenierung von Wagners „Fliegender Holländer” fand mit einem 180-köpfigen Laienchor statt. Die Besucher waren dennoch begeistert. Foto: Arno Delair/Passionstheater Oberammergau /dpa
Oberammergau. 

Oper in der Provinz? Noch dazu im Passionstheater? Und gleich mit einem Laienchor? Klassikfreunde mögen da die Nase rümpfen. Doch wer sich in Oberammergau Christian Stückls Neuinszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer” ansah, wurde eines Besseren belehrt.

Riesenjubel für eine musikalisch wie darstellerisch reife Leistung. Und das letzte Quäntchen Perfektion, das manchmal fehlte, wurde durch den Enthusiasmus der Darsteller mehr als ausgeglichen.

Stückl, in Personalunion Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele und Intendant des Münchner Volkstheaters, inszeniert das Märchen vom Geisterkapitän als Drama dreier Außenseiter: des Holländers, der Gott verflucht und verdammt ist, bis in alle Ewigkeit durch die Weltmeere zu segeln, wenn ihn nicht eine liebende Frau erlöst, von Senta, die sich in den wilden, unglücklichen Mann verliebt und dafür den braven Erik sitzen lässt. Doch auch Erik hadert mit der Gesellschaft. Er wird als gehörnter Bräutigam und Schwächling verhöhnt. 

Anfangs umarmt Senta nur das Bildnis des sagenhaften Holländers, das in ihrem Elternhaus hängt, bis sie dann im Schlepptau ihres gleichfalls seefahrenden Vaters Daland wahrhaftig auf ihn stößt und am Ende mit ihm in den Tod fährt. Ob das alles nur Sentas Imagination ist, lässt Stückl offen. Er lässt zwar einen jungen Cherubin mit Migrationshintergrund über die Bühne spazieren, vielleicht als eine Art Märchenerzähler oder himmlischen Spielleiter, doch diese Brechung ist nicht ganz zu Ende gedacht.

Dafür findet Stückl schöne Regielösungen für heikle Passagen der Oper, wie die spinnende Schar von Dorfmädels, die heute reichlich altbacken wirkt. In Oberammergau tragen sie gouvernantenhafte Röcke, beige Strickjacken und dicke Brillen und sitzen nicht hinterm Spinnrad, sondern machen aus dem Gassenhauer „Summ und Brumm, mein gute Rädchen” eine satirische Chorprobe, die an die absurden Settings des Schweizer Regisseurs Christoph Marthaler erinnert.

Eigentlich ist Wagners „Holländer” eine Choroper mit drei großen Ensembles, die zuweilen in regelrechten Chorduellen gegeneinander antreten: Dorfmädchen, Dalands Matrosen und die geisterhafte Mannschaft des Holländers. Stückl weiß als Leiter der Oberammergauer Passion, wie man Menschenmassen auf der Bühne platziert und in Bewegung hält. Und dass es die 180-köpfige Laienschar in dem komplizierten rhythmischen Geflecht mit Orchester und Solisten nicht aus der Bahn wirft, verdient höchste Anerkennung.

Der junge lettische Dirigent Ainars Rubikis, designierter Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, legt zügige Tempi vor und bietet mit seinem international besetzten Projektorchester Neue Philharmonie München einen ganz unromantisch-geschärften  „Holländer”. Die beschränkten technischen Möglichkeiten des Passionstheaters zwangen Bühnenbildner Stefan Hageneier zu wohltuendem Minimalismus. Wichtigstes dekoratives Element ist eine sich langsam drehende, mit Meereswogen und Gischt bemalte Trommel, in deren Innerem sich das Geisterschiff des Holländers verbirgt.  

Ein musikalischer Höhepunkt der Oper ist die technisch hoch anspruchsvolle Ballade der Senta, in der sie den braven Spinnmädchen die schaurige Sage vom Holländer erzählt. Obwohl gerade erst von einer Bronchitis genesen, bewältigte die lettische Sopranistin Liene Kinca ihre Partie mühelos, erst ganz am Ende der Oper musste sie ein wenig forcieren. Der sonore ungarische Bass Gábor Bretz gab einen ungewöhnlich gut aussehenden, souverän agierenden Holländer, dem der dänische Tenor David Danholt in puncto Phrasierungskunst und schauspielerischem Ausdruck nicht nachstand. Etwas farblos wirkte dagegen der Daland des deutschen Bassbaritons Guido Jentjens.

(Von Georg Etscheit, dpa)
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