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Buch „Die Kanzler und ihre Familien“: Warum Brandt und Schröder für Gleichberechtigung stritten

Wie prägt eigentlich das Familienleben der Politiker die deutsche Politik? Passt das überhaupt zusammen? Ein neues Buch geht dieser Frage nach und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
Hat immer eine starke Frau an seiner Seite: Gerhard Schröder mit seiner vierten Ehefrau, Doris Schröder-Köpf. Foto: Peter Steffen (dpa) Hat immer eine starke Frau an seiner Seite: Gerhard Schröder mit seiner vierten Ehefrau, Doris Schröder-Köpf.

Zwei der acht deutschen Bundeskanzler kommen von ganz unten. Die familiären Verhältnisse von Willy Brandt und Gerhard Schröder kann man durchaus als prekär und gesellschaftlich randständig bezeichnen. Die anderen sechs wachsen in einem eher bürgerlichen Umfeld auf – die amtierende Kanzlerin Angela Merkel im Osten Deutschlands.

Herkunft und familiäres Umfeld von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter haben erheblichen Einfluss auf die Politik der Kanzler. Die Journalisten und Autoren Jochen Arntz und Holger Schmale haben das Spannungsfeld zwischen Herkunft und Politik in ihrem Buch „Die Kanzler und ihre Familien. Wie das Privatleben die deutsche Politik prägt“ aufgegriffen.

Lübecker Arbeiterviertel

Willy Brandt kommt im Dezember 1913 im Lübecker Arbeiterviertel St. Lorenz zur Welt. Hier wächst er als Herbert Frahm heran. Brandt ist unehelich, für damalige Verhältnisse ein Makel, den politische Gegner noch Jahrzehnte später gegen ihn wenden. Die bei der Geburt 19-jährige Mutter kennt den Vater, nennt ihn aber nicht.

In der Nachfolge der drei Unions-Kanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger leitet Brandt unter anderem Reformen bei den Sozialversicherungen und in der Bildung ein. Ein weiterer Schwerpunkt ist die im Grundgesetz garantierte, aber nicht verwirklichte Gleichberechtigung der Frauen. Erbittert wird in diesen Jahren um eine Reform des Ehe- und Scheidungsrechts und vor allem um eine Reform des Abtreibungsparagrafen 218 gestritten. Die Reform scheiterte in den 70er Jahren – noch.

Brandt dürfte sich damals in einer verzwickten persönlichen Situation befunden haben. Möglicherweise hätte sich seine Mutter ohne die im seit 1871 geltenden Paragrafen 218 angedrohten drakonischen Strafen gegen ihn entschieden.

Auch Gerhard Schröder „kommt aus einer unübersichtlichen Familie, in der es viele Jahre lang wenig Gewissheiten und Sicherheiten gab“. Mutter unehelich, Vater aus zerrütteten Familienverhältnissen. Schröder wird im April 1944 geboren, ein Jahr vor Kriegsende. Der Vater fällt im Oktober 1944. „Vater und Sohn haben sich nie gesehen.“ Die Mutter muss die Kinder großziehen, und Gerhard Schröder muss sich durchbeißen. Trotz allem sieht er seine Kindheit im Rückblick durchaus positiv.

Zu Schröders Aufstieg trugen auch starke Frauen an seiner Seite bei. Die Autoren sehen ihn als Familienmensch – trotz oder gerade wegen seiner vier Ehen. Und auch wenn ihm 1998 nach der gewonnenen Wahl mit Blick auf das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der despektierliche Ausrutscher „Familie und das ganze Gedöns“ unterläuft, steht Gleichstellung und Gleichberechtigung von Mann und Frau und Bildung ganz oben in seiner Regierungsprogrammatik.

Natürlich weiß man das eine oder andere schon über das Leben der deutschen Kanzler. Doch der Blickwinkel von Arntz und Schmale ist erfrischend anders als die üblichen Politik verstehenden Biografien. Das Buch bietet neue Zugänge zu diesem Wissen und zeigt neue Zusammenhänge auf, ohne psychologisierend zu wollen.

(may)
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