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Ausblick mit Augenzwinkern: Was 2018 passieren könnte, aber wahrscheinlich doch wieder nicht passiert

52 Dinge im neuen Jahr, an die wir kaum zu denken wagen: Michael Kluger, Thomas Kurtenbach und Sylvia Menzdorf blicken ein wenig bang, doch insgesamt fidel in die Zukunft.

1 Twitter entscheidet, dass amerikanische Präsidenten nur noch vollständige, grammatikalisch korrekte und den international allgemein üblichen Konventionen der Höflichkeit entsprechende Sätze senden dürfen.

 

2 Peter Handke kündigt seinen wirklich allerletzten Roman an: „Die winterliche Reise eines Pilznarren in eine Niemandsbucht mit Jukebox und Elfmeterschießen“.

 

3 Bei Ausgrabungen in Athen wird ein Aktenkoffer des ehemaligen Documenta-Leiters Adam Szymczyk mit 10 Millionen Euro zur Finanzierung der nächsten Ausstellung gefunden.

 

4 Beim Adventsfest der 1000 Lichter im MDR gelingt es Florian Silbereisen, aus dem Stegreif eine spontan formulierte Frage zu stellen, die er noch nie zuvor gestellt hat. Die Stille im Saal wird unerträglich.

 

5 Bei den Bayreuther Festspielen wird der „Parsifal“ durch Bizets „Carmen“ ersetzt. Aus Protest verspricht Alexander Dobrindt hoch und heilig, nie wieder den Grünen Hügel zu betreten.

 

6 Christian Lindner veröffentlicht ein Gedichtbändchen mit Liebesversen an Katrin Göring-Eckardt: „Tropische Elegien“.

 

7 Im Nachlass von „AC/DC“-Rhythmusgitarrist Malcolm Young findet sich die Partitur für ein Solo von drei Minuten. Es enthält vier Akkorde und eine Pause mit viel Verzerrung.

 

8 Helene Fischer färbt die Haare schwarz, wagt einen Seitenscheitel (links) und ersetzt Lipgloss durch Penaten-Creme. Dann verabschiedet sie sich in die Babypause.

 

9 Martin Walsers neue Novelle handelt von einem alten Mann, der sich nicht in eine 40 Jahre jüngere Frau verliebt und von keinen schwülen erotischen Fantasien verfolgt wird. Knapp zwei Seiten.

10 Die Alte Oper Frankfurt entwickelt ein neues Mini-Festival und lässt sämtliche Streichquartette Schuberts an der Startbahn West aufführen. In der Pause gibt es Tomatensaft.

 

11 Der Frankfurter Oberbürgermeister gibt bekannt, dass er sich in Zukunft nicht mehr fotografieren, sondern nur noch im Stil Alter Meister in Öl malen lassen werde. Alle Werke sollen in einer neuen Dauerausstellung im Städel präsentiert werden.

 

12 Die Sondierungsgespräche gehen in die 17. Runde. Peter Altmaier serviert Mai-Bowle und wird Waldmeister des Jahres. Man einigt sich, bis auf Weiteres Zwischenmenschliches zu pflegen: Martin Schulz und Andreas Scheuer schwitzen gemeinsam in der Sauna, Angela Merkel und Andrea Nahles trinken Eckes Edelkirsch und spielen Blinde Kuh.

 

13 Nach einer Brusthaar-Transplantation posiert Christian Lindner mit Schiesser-Dekolleté für einen Sportwagen der Luxusklasse. Seine politische Karriere hat er aufgegeben. Wolfgang Kubicki hat ihm geraten: Es ist besser, nicht Politik zu machen als schlecht Politik zu machen.

 

14 Die Berliner Philharmoniker fusionieren aus Kostengründen mit dem Johann-Strauß-Orchester. Kirill Petrenko spielt die Erste Geige. André Rieu lächelt und bewegt dazu die Arme.

 

15 Martin Schulz gibt die Parteiführung der SPD ab und wird Abteilungsleiter Sachbuch in der Hugendubel-Filiale im Frankfurter Steinweg, um die immensen Bestände seines Buchs „Was mir wichtig ist“ endlich loszuwerden.

 

16 Der Frankfurter Baudezernent Mike Josef richtet sich im Günthersburgpark einen Sandkasten ein. Unter der Aufsicht des Bunds Deutscher Architekten baut er mit Sieb, Schippe und Eimer neue Stadtviertel. Und macht sie anschließend wieder kaputt.

 

17 Angela Merkel tritt zurück und übernimmt das Direktorium des Frankfurter Museums für Weltkulturen. In ihrer ersten Ausstellung als Kuratorin beschäftigt sie sich mit der Wirkung von Selfies auf die Kulturen Nordafrikas und Afghanistans.

 

18 Die Frankfurter Buchmesse lädt Georgien als Ehrengast wieder aus und Ostdeutschland ein. Es kommen fünf rechte Verlage. Alle anderen distanzieren sich. Die Antifa haut die Stände kurz und klein und brüllt „Nieder mit dem Alphabet“. Direktor Juergen Boos ist auch diesmal zufrieden.

 

19 Bei der Oscar-Verleihung werden keine Auszeichnungen vergeben, weil die Darsteller entweder schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, alt oder jung sind. Das darf nicht sein. In die Akademie werden nur noch politisch korrekte Androiden aufgenommen.

 

20 Alice Schwarzer legt den Posten als Cheffeministin der Nation nieder. Sie kündigt an, aus mentalen Gründen künftig Stiefmütterchen züchten und sich nur noch zu Fragen der Gartenpflege, der Balkongestaltung und der Unkrautbekämpfung äußern zu wollen.

 

21 Der unter anderem durch seine „Tatort“-Hauptrolle als Kommissar bekannte Schauspieler Wotan Wilke Möhring verblüfft die Kritik mit einem zweiten Gesichtsausdruck und einer deutlichen Aussprache. Til Schweiger will nun schleunigst nachlegen.

 

22 Die Plattenfirma von Udo Jürgens veröffentlicht vor Weihnachten „Unplugged – The Secret Tapes“. Der 2014 verstorbene Musiker interpretiert darauf zu Klavier oder Akustikgitarre die Songs anderer deutschsprachiger Künstler. Die Aufnahmen entstanden im Hobbykeller in der Schweiz. Zu den Stücken gehört „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ (Westernhagen), „Apfelmann“ („Blumfeld“), „Macht kaputt, was euch kaputtmacht“ („Ton Steine Scherben“) sowie „Pizza“ („Antilopen Gang“).

 

23 Die Fernsehreihe „Tatort“ wird eingestellt, weil alle absurden, sozialpädagogischen und idiotischen Stoffe abgedreht sind. Es gebe außerdem schon zu viele gute Krimis, teilt das Erste mit.

 

24 Die Schwedische Akademie zeichnet die US-Band „Metallica“ mit dem Nobelpreis für Literatur aus. Daraufhin versenkt Bob Dylan seine Mundharmonika im Klondike River und pustet nur noch gegen den Wind.

 

25 Das deutsche Fernsehen entwickelt für den US-Markt ein neues Vorabendserienkonzept: Zwei depperte Bergretter fahren mit einem Traumschiff der Küstenwache nach Bayern, um in einem Alpenkloster nach Schimpansen zu fahnden, die aus einer Schwarzwaldklinik ausgebrochen sind.

 

26 Der ehemalige Chefstratege Donald Trumps, Steve Bannon, nimmt an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Posaunenunterricht, um zur Apokalypse aufspielen zu können.

 

27 Die Bauherren des Berliner Stadtschlosses stehen vor neuen Herausforderungen. Neben der noch immer nicht gesicherten Finanzierung stellen Geologen nun Bewegung im Untergrund fest. Finden die Ingenieure keine Lösung, versinkt das Schloss in etwa 15 Jahren im märkischen Sand. In Regierungskreisen wird bereits über Alternativen nachgedacht. Ein Entscheidungsträger, der nicht genannt werden wollte, sagte: „Der Platz wäre eigentlich auch schön für einen Palast der Bundesrepublik“.

 

28 Emmanuel Macron gesteht, dass er nur eine Romanfigur sei – und zwar der „kleine Prinz“. Auf die Frage, ob er sich deshalb in seine ehemalige Lehrerin verliebt habe, erwidert er: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“.

 

29 Alexander Gauland gibt seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannt. Er sei noch immer stolz darauf, im heldenhaften Alter von drei Jahren vom Richtschützen eines Sturmpanzers gewindelt worden zu sein.

 

30 Sahra Wagenknecht stellt mit Wirkung 1. Januar sämtliche Talkshow-Auftritte ein und gründet mit Wolfgang Bosbach eine Coaching-Akademie. Sie bieten Seminare und Einzeltraining zu Themen an wie: „Glänzen vor der Kamera“. Oder: „Beredtes Schweigen“. Als Gastdozent wurden Thomas Oppermann und Ralf Stegner verpflichtet.

 

31 Bono, Sänger der mildtätigen Rockband „U 2“, entlässt alle Mitarbeiter seiner Briefkastenfirmen. In Panama, auf den Bahamas und den Cayman Islands explodiert plötzlich die Arbeitslosigkeit.

 

32 Der Bundesverband der sächsischen Weihnachtskrippenhersteller gibt auf seiner Jahrespressekonferenz die Entwicklungen für die kommende Weihnachtssaison bekannt. Es gebe einen Trend hin zur „abendlandgemäßen Gestaltung“, sagt Verbandsvorsitzender Ronny Christ-Kugel. Auf arabische, afrikanische und jüdische Krippenfiguren werde tendenziell verzichtet. Es bleiben: Schafe, Rindvieh und Esel.

 

33 Johnny Cash kündigt sein Comeback an.

 

34 David Bowie auch.

 

35 Und die „Scorpions“.

 

36 Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig ergreift Maßnahmen, um den Frankfurter Zoo wieder attraktiver zu machen und lässt in den Besucher-Toiletten im Keller des Exotariums Duftsteine in den Urinalen ausbringen.

 

37 Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig ergreift Maßnahmen, um die Frankfurter Musikszene zu beleben. Sie lässt am Mainufer ein interdisziplinäres Museum zur Geschichte des Kammblasens errichten, das mit dem Hard Rock Café in Los Angeles und dem Haus des Alphorns in Füssen vernetzt werden soll.

 

38 Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig ergreift Maßnahmen, um der Disneysierung der Frankfurter Kultur zu begegnen. Sie lässt die neue Altstadt abreißen und künstliche Ruinen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufbauen, um Zeugnis vom Geist der Kritischen Theorie abzulegen.

 

39 Das Frankfurter Ensemble Modern erweitert sein Repertoire und gibt bei der satanischen Metal-Band „Slayer“ ein Kammerkonzert für Oboe, Harfe und Triangel in Auftrag.

 

40 Bundestrainer Joachim Löw tritt nach der verpatzten Titelverteidigung bei der Fußball-WM in Russland zurück. „Der Rückzug isch von uns Deudsche au oft underschätzt worde“, sagt er in Moskau. Er wolle sich zunächst eine Auszeit nehmen und dann erneut angreifen, diesmal mit einer doppelt so großen Mannschaft.

 

41 Der AfD-Politiker Björn Höcke setzt sich für eine vollständige Revision der deutschen Geschichte ein. Erstens heiße er, Höcke, nicht Bernd und zweitens nicht Barbarossa. Höcke will auf dem Kyffhäuser ein monumentales Denkmal für Heinz Rühmann errichten. Es sei eine Schande!

42 Markus Lanz begrüßt in seiner Talkrunde nicht mehr jeden Gast mit der Formel „Freu’ mich, dass Sie bei uns zu Gast sind“, sondern mit „Scheren Sie sich doch zum Teufel, verdammt noch mal“.

 

43 Die Kunst stellt ihren Betrieb ein, weil sie nur noch den Müll reproduziert, der ohnehin schon überall rumliegt oder bei Amazon verkauft wird. Konzeptkunst erledigen künftig Computer und stellen sie bei Bedarf bei Facebook ein.

 

44 Auf der Bühne des Frankfurter Schauspiels wird zum letzten Mal Goethes „Faust“, Teil eins und zwei, aufgeführt. Da das Publikum ohnehin nur noch aus japanischen Touristen besteht, werden künftig abwechselnd amerikanische Fernsehserien und alte Ufa-Filme im Großen Haus gezeigt.

 

45 Die FDP erneuert ihre Forderung, die Steuererklärung müsse auf einen Bierdeckel passen. Dafür sollten eigens Bierdeckel im DIN A3 Format in den Kneipen ausgelegt werden.

 

46 Kurz vor Silvester erlässt der Bundestag ein Böller-Verbot. Da die Sondierung noch nicht abgeschlossen sei, gebe es für Freuden-Feuerwerke keinen Anlass.

 

47 Judith Rakers beendet ihre Karriere als TV-Sprecherin und wechselt mit Giovanni di Lorenzo ins Liedermacher-Fach.

 

48 Der Videobeweis der Bundesliga wird auf den Kulturbetrieb ausgeweitet. Alle fragen sich: Warum das denn?

 

49 Die Jury des Deutschen Buchpreises wird in diesem Jahr an den Roman vergeben, der am längsten auf Platz 46 der Verkaufscharts gestanden hat. Damit will man Vorwürfen aus dem Weg gehen, der Preis werde nach Proporz vergeben.

 

50 Robert Menasse schreibt einen zweiten Europa-Roman unter dem romantischen Titel „Jenseits von Afrika“.

 

51 Der deutsche Humor gerät in eine ernste Krise. Zum Lachen geht man nicht mehr in den Keller, sondern bucht zwei Wochen Türkei.

 

52 Das Jahr 2018 nimmt einfach kein Ende.

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