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John von Düffel: Was weiß Karl, das ich nicht weiß?

Von Ein verblüffendes Rollenspiel unternimmt John von Düffel in „KL“. Ein „Gespräch über die Unsterblichkeit“ nennt es der Autor im Untertitel.
John von Düffel hat Lagerfeld beim Denken beobachtet.	Fotos: dpa Bilder > Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) John von Düffel hat Lagerfeld beim Denken beobachtet. Fotos: dpa

„KL“, das ist natürlich Karl Lagerfeld, den John von Düffel hier interviewt. Wobei: John von Düffel hat Karl Lagerfeld nie wirklich interviewt. Das Werk ist, wie sich das für einen Dramatiker und Literaten gehört, Fiktion. Doch Ähnlichkeiten sind nicht unbeabsichtigt, und John von Düffel hat meisterhafte Arbeit geleistet: Dem deutschen Modezar aus Paris, für den gerade eine große Ausstellung in der Bundeskunsthalle eröffnet worden ist, hat er dermaßen genau auf die Finger geschaut, dass man ein ums andere Mal ausrufen möchte: So gut hätte es Karl Lagerfeld selbst nicht hinbekommen! Im Buch einigen sich der Interviewer und der modeschöpfende Selbstdarsteller darauf, das schwadronierende Philosophieren Schwadrosophieren zu nennen: ein Begriff, der Groß und Klein – das Nachdenken über letzte Dinge wie Tod und Unsterblichkeit ebenso wie das zur Geschwätzigkeit neigende Sich-Verzetteln in sehr menschlichen Regungen nach Geltung und Ruhm – trefflich zusammenführt.

In drei großen Gesprächen darf „KL“ seine Lebenssicht erklären, immer gehetzt, immer gedrängt, immer apodiktisch und unbedingt. Dabei jedoch von großer Klarheit und liebenswerter Rigorosität. Und dass selbst dieser Held des schönen Scheins ein Sklave der Arbeit und ein Getriebener ist, einem Ideal verpflichtet, zu dem ihn früh seine Mutter verdammte, das ist nur eine der schönen Pointen in diesem überaus geistreichen Werk.

Weise und stur zugleich ist, was „KL“ äußert, hilflos, hartnäckig und dann wieder bezaubernd einfühlsam, was „John von Düffel“ fragt. Dazu gibt es viele erhellende Einsichten zum Verhältnis von Erfolg und Religion zum Beispiel, die John von Düffel in aphoristischer Knappheit anbietet, wie einen Happen, von dem man nicht satt werden kann, der aber Lust macht, weiterzudenken.

In zwei Zwischenspielen, geschaltet inmitten der drei Lagerfeld-Gespräche, kommen ausführlich noch HS, „Heide Simonis“ beziehungsweise eine Heide Simonis spielende Filmschauspielerin, und BS, „Barbara Schöneberger“, zu Wort. Vexierspiele im Vexierspiel, die das große Interview-Spiel um Karl Lagerfeld um so schillernder erscheinen lassen. Sie alle kreisen um die Frage, was das Bild einer prominenten Figur in der Öffentlichkeit ausmacht, Ruhm und Glanz und das Verblassen: Wenn wir uns nach Bedeutung sehnen, jagen wir dann möglicherweise nur einer Fata Morgana hinterher? Für ein denkbar komplexes Thema hat John von Düffel in diesem Buch die denkbar leichteste Form gefunden. Das ist meisterhaft.

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