Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

Martin Scorseses Filmepos „Silence“: Was, wenn Gott schweigt?

Zwei junge Jesuitenpater reisen in „Silence“ in den Fernen Osten, wo Katholiken wegen ihres Glaubens verfolgt und gefoltert werden. Mit Andrew Garfield und Adam Driver.
Pater Rodrigues (Andrew Garfield, stehend) hält heimlich die Heilige Messe für die christlichen Dorfbewohner ab. Sollten sie bei ihrem Tun entdeckt werden, droht ihnen eine grausame Bestrafung. Pater Rodrigues (Andrew Garfield, stehend) hält heimlich die Heilige Messe für die christlichen Dorfbewohner ab. Sollten sie bei ihrem Tun entdeckt werden, droht ihnen eine grausame Bestrafung.

Oft schon hat sich Martin Scorsese mit Religion beschäftigt – auf direkte Weise in „Die letzte Versuchung Christi“ und „Kundun“, manchmal aber auch nur bei religiösen Schuldgefühlen einer Figur, wie sie Harvey Keitel in „Hexenkessel“ spielte. An Gott zu glauben, ist bei Scorsese nie einfach. „Silence“ stellt nun sogar sehr gewichtige Fragen: Kann man an Gott glauben, wenn dieser Glaube Leid und Tod über andere bringt? Darf man Gott verneinen, wenn man nur so Menschenleben retten kann?

Der Film beruht auf dem Roman „Schweigen“ (1966) des japanischen Autors Shusaku Endo, der nicht nur unterschiedlich aufgefasste Religiosität erkundet, sondern auch kulturelle Gegensätze: Es geht nicht nur um Gott, sondern auch um Nationen. Die Entschlossenheit, mit der Japan bis zum 19. Jahrhundert alles Fremde unnachgiebig bekämpfte, ist von besonderer Bedeutung.

Japan im Jahr 1640. Die Behörden halten unter allen Umständen Macht und Isolation des Landes aufrecht, christliche Missionare werden ebenso wie die Gläubigen verfolgt. Vor diesem Hintergrund werden zwei portugiesische Ordensmänner, Pater Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Garupe (Adam Driver), nach Japan geschickt, um mehr über den Verbleib ihres Mentors (Liam Neeson) zu erfahren: Pater Ferreira soll dem katholischen Glauben abgeschworen haben und zurückgezogen als Japaner leben. Zunächst nehmen die beiden Jesuitenpatres Kontakt mit japanischen Christen auf, die in Angst vor staatlicher Gewalt leben. Besonders Inquisitor Inoue, ein kalt lächelnder Sadist, will das Christentum in Japan ausradieren. Priester werden mit dem kochend heißen Wasser einer Quelle überschüttet.

Tagsüber verstecken sich Rodrigues und Garupe in einer kleinen Holzhütte in der Nähe des Dorfs, nachts halten sie in spärlich erleuchteten Räumen Predigten auf Latein, taufen Kinder und nehmen die Beichte ab. Doch dann hat das Versteckspiel ein Ende: Rodrigues wird von Inoues Häschern gefangen und muss mit ansehen, wie andere Katholiken gefoltert werden. Ein Machtkampf zwischen ihm und Inoue entspinnt sich, Rodrigues weigert sich, seinem Glauben abzuschwören. Bis urplötzlich Ferreira auftaucht.

Scorsese interessiert sich, neben dem religiösen Diskurs, vor allem für Pater Rodrigues, einen dieser gefallenen Männer, die sein Werk durchziehen. Mit angstgeweiteten Augen verfolgt Rodrigues die Folterungen, manchmal weist er die Gläubigen schroff zurück, immer wieder muss er sich vergewissern, dass er als Missionar Gutes tut. Am schlimmsten ist für ihn das Schweigen Gottes auf seine Gebete, das seinen Glauben so sehr erschüttert. Sein Leiden, auch seine Schwäche werden von Andrew Garfield aber nur unzureichend dargestellt. Nicht nur, dass er mit langen, hochtoupierten Haaren aussieht wie ein Model – ihm fehlt auch die nötige Schwere. Manchmal wirkt er wie ein Kind, das erschrocken auf das Geschehen blickt.

Visuell beeindruckt der Film durch die Genauigkeit, mit der Scorsese einer vergangenen Zeit nachspürt, nicht zuletzt in der Schönheit der Landschaft, die in starkem Kontrast zum grausamen Geschehen steht. Insgesamt ist „Silence“ zu lang geraten. Nicht immer stimmt der Rhythmus, zu ausführlich ist die Einführung. Die Wiederholung von Folterungen und Demütigungen (etwa das Treten mit dem Fuß auf ein Holzrelief mit dem Abbild Christi) ermüdet. Andererseits macht Scorsese gerade in den Gesprächen zwischen Rodrigues, Inoue und Ferreira die Frage nach dem Glauben und dem Zweifel deutlich. Annehmbar

 

Frankfurt: E-Kinos (D+E), Harmonie (D+E), Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse