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Weinstein Company wirft Harvey Weinstein raus

Mit Harvey Weinstein verliert ein Mann der Hollywood-Elite über Nacht Macht und Ansehen. Knapp vier Jahrzehnte lang war er bewundert und gefürchtet. Jetzt brachte ihn seine Schattenseite zu Fall.
Produzent Harvey Weinstein 2016 in Pasadena, USA. Foto: Richard Shotwell Produzent Harvey Weinstein 2016 in Pasadena, USA.
Los Angeles/New York. 

Einer der mächtigsten Filmbosse in Hollywood ist über seinen Umgang mit Frauen gestürzt. Harvey Weinstein, die treibende Kraft der Weinstein Company (TWC), ist vom eigenen Studio entlassen worden.

Nachforschungen der „New York Times” hatten ergeben, dass der einflussreiche Produzent jahrzehntelang junge Talente und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und mit Abfindungen zum Schweigen gebracht haben soll. Ob der 65-Jährige - wie Roman Polanski und Bill Cosby vor ihm - auch von der Justiz zur Rechenschaft gezogen wird, bleibt abzuwarten. 

Der Skandal um den Oscar-Preisträger und Oscar-Promoter von Filmen wie „Pulp Fiction”, „Shakespeare in Love” und „The King's Speech” trifft Hollywood wie ein Schlag. Kein Kollege kam ihm bisher zu Hilfe. Stars wie Matt Damon, Judi Dench und Gwyneth Paltrow, die Weinstein oft und überschwänglich für ihre Karriere gedankt hatten, blieben stumm. Betroffenes Schweigen auch in den Late-Night-Shows: Hillary Clinton, die im Wahlkampf um das Weiße Haus Spenden ihres politischen Freundes angenommen hatte, hielt sich verdeckt.

Die Demokratische Partei begann umgehend, Wahlkampfgelder von Weinstein zurückzugeben oder an Organisationen für Frauenrechte weiterzureichen. US-Präsident Donald Trump, der im vergangenen Jahr selbst durch sexuelle Prahlerei in Misskredit geraten war, gab sich in einem Tweet als Hollywood-Insider aus. „Ich kenne Harvey Weinstein schon lange und bin keineswegs überrascht”, schrieb er.

Derweil erklärten sich Feministinnen und Frauen mit Hollywood-Kenntnissen in den sozialen Medien erleichtert. „Für mich ist der Wendepunkt gekommen”, schrieb die Produzentin der HBO-Fernsehserie „Girls”, Jenni Konner, über Twitter. „Dies ist der Moment, auf den wir zurückblicken und sagen werden: "So hat der Wandel begonnen."” Weinsteins Rauswurf werde „jedem Mann in Hollywood Angst machen, seine Macht anders als für Film- und TV-Produktionen einzusetzen”. 

Das Branchenblatt „Variety” fragte am Montag in einem Kommentar: „Wird die (Film-) Industrie jemals ihre Bereitschaft aufgeben, obszönes Verhalten, Belästigung, Vergewaltigung und Attacken zu übersehen?” Es habe gelegentlich den Anschein, als sei der Missbrauch von Frauen „in die DNA der Unterhaltungsindustrie eingebacken”.

Die Fernsehautorin Carina MacKenzie („The Originals”) twitterte zum Fall Weinstein: „Harvey hat den Ton angegeben in der (Film-) Industrie, und Tausende Männer haben gelernt, dass es akzeptabel ist, in seine Fußstapfen zu treten.”

Der ältere Weinstein-Bruder Harvey hatte mit seinem Bruder Bob 1979 das Studio Miramax gegründet. 1993 veräußerten sie das Unternehmen an Walt Disney Co., führten es aber aktiv weiter.

Miramax gelang, was laut „Los Angeles Times” kein anderes Studio in Hollywood schaffte: Es heimste in nur 15 Jahren 249 Oscar-Nominierungen und 60 Oscar-Trophäen ein. Harvey Weinstein „war der Mann, der kaum bekannte Indie-Film-Regisseure zu Rockstars machte”, schrieb die „LA Times” weiter. Er habe „Hollywoods größte Träume und schmutzigste Impulse verkörpert”. 

Ein früherer Kolumnist der Zeitung, Patrick Goldstein, beschrieb Weinstein 2007 wie folgt: „Ein verrückter, speichelspuckender und kettenrauchender Gauner, der Beleidigungen brüllt, Arme verrenkt und schamlos jeden Film anpreist, der gerade ins Kino kommt.” Zwei Jahre vor diesem Porträt hatten Harvey und sein Bruder Bob eine neue Firma gegründet, The Weinstein Company (TWC).

Obwohl derzeit noch 42 Prozent des Unternehmens in den Händen der Brüder liegen, wurde Harvey Weinstein am Sonntag vom TWC-Vorstand, darunter auch Bruder Bob, vor die Tür gesetzt.

Die vier Direktoren beriefen sich in einer Erklärung auf bisher nicht veröffentlichte Informationen, die nach dem Artikel der „New York Times” nur vier Tage zuvor zu ihnen durchgedrungen waren. 

(Von Gisela Ostwald, dpa)
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