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Western „Hostile –: Weißer Mann und roter Mann finden ihren Frieden

Von In dem Film von Scott Cooper wandelt sich im Amerika des Jahres 1892 ein rassistischer Kriegsveteran in einen Fürsprecher der Ureinwohner.
Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi, links) und Captain Joseph Blocker (Christian Bale) haben eine gemeinsame Vergangenheit, die ihnen über alle Feindseligkeit hinweghelfen könnte. Foto: - (Universum Film) Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi, links) und Captain Joseph Blocker (Christian Bale) haben eine gemeinsame Vergangenheit, die ihnen über alle Feindseligkeit hinweghelfen könnte.

Western sind nicht von gestern. Die Weiten der Prärie bieten noch immer einen idealen Hintergrund für das ewige Ringen des Menschen mit den Kräften der Natur – und den dunklen Trieben seiner Seele. In diesem Sinne nutzt Regisseur Scott Cooper („Crazy Heart“) die Wildwest-Kulisse, um die Passionsgeschichte eines innerlich zerrissenen Kriegers zu erzählen.

Wie Winnetou

An vielen Stellen zitiert Cooper einen Meilenstein des Genres: John Fords „Der Schwarze Falke“ (1956). Beide Filme beginnen mit einem brutalen Überfall der Comanchen auf eine Farm. Die Siedlerin Rosalie Quaid (Rosamund Pike) überlebt, während ihr Mann und die drei Kinder von den Pferdedieben abgeschlachtet werden.

Zur gleichen Zeit erhält Captain Joe Blocker (Christian Bale) den Auftrag, den todkranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (edel wie Winnetou: Wes Studi) mitsamt dessen Familie von Arizona in die Reservation nach Montana zu begleiten. Blocker nimmt den Auftrag nur widerwillig an, weil ihm alle „Rothäute“ verhasst sind. Der Veteran könnte ein Zwillingsbruder jenes erbarmungslosen Comanchen-Jägers sein, den John Wayne in „Der Schwarze Falke“ spielte. Ein harter Mann, dem das Töten in Fleisch und Blut übergegangen ist, der sich aber in der Tiefe seines Herzens nach einem Ende des Gemetzels sehnt. Während der Reise durch die Wildnis entdeckt Blockers Truppe die Trümmer des Farmhauses, in denen Rosalie neben den Leichen ihrer Kinder Wache hält. Die Mutter schließt sich dem Treck an. Obwohl sie unsagbares Leid erlebt hat, trägt Rosalie keine Rachsucht gegen die Indianer in sich. Blocker fühlt sich von der tapferen Frau angezogen und lernt neue Sichtweisen kennen.

Bei einem erneuten Angriff der Comanchen erweist sich Häuptling Yellow Hawk als entscheidende Hilfe. Gemeinsame Gefahren schweißen die ungleichen Reisegefährten zusammen. Plötzlich beginnt Captain Blocker, den Feind wie einen Freund zu betrachten. Die hehre Wandlung des Rassisten zum Fürsprecher der Ureinwohner entspricht dem heutigen Zeitgeist. Doch untergräbt sie die Glaubwürdigkeit einer Geschichte, die 1892 angesiedelt ist. Schwer vorstellbar, dass ein strammer Soldat wie Blocker eine derartige moralische Kehrtwende innerhalb weniger Tage vollzogen hätte. Auch sein Hang zur tränenseligen Selbstzerfleischung passt besser in eine Therapie-Gruppe des 21. Jahrhunderts als zu einem Siedlungsabenteurer. Zu John Waynes Zeiten wäre die charakterliche Veränderung allenfalls subtil angedeutet worden.

Stilvolle Bilder

Ebenso platt und lebensfremd wirkt die Romanze zwischen Blocker und der Witwe. Ungeachtet der realitätsfernen Handlung ist „Hostiles“ aber ein stilistischer Hochgenuss. In ruhigen Bildern kontrastiert Scott Cooper wunderschöne Landschaftsaufnahmen mit roher Gewalt, wenn die Bestie Mensch die Maske abstreift. Für gefühlsstarke Szenen nimmt sich der Filmemacher minutenlang Zeit – ganz wie die Altmeister Ford und Leone. Schauspielerisch überstrahlt besonders Christian Bale, der in „American Psycho“ und „Batman“ bereits Serienmörder und Superhelden überzeugend verkörperte, alle Mängel des Drehbuchs. Er benötigt keine theatralischen Gesten, um zu verdeutlichen, was sich in dem wortkargen Kriegsveteranen abspielt. Ein einziger Augenausdruck genügt, und schon begreift man, dass der wahre „Wilde“ hier ein Weißer ist. Sehenswert

In diesen Kinos

Von Donnerstag an. Frankfurt:
Harmonie (D+E). Sulzbach: Kinopolis

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