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Geschichtsfilm "Detroit": Weißer Polizist erschießt schwarze Unruhestifter

Von Das Geschehen kreist um den polizeilichen Einsatz in der Nacht des 25. Juli, bei dem in einem Motel gewaltverdächtige junge Männer rassistisch getötet wurden.
Der Polizeibeamte Krauss (Will Poulter, rechts) will den verdächtigen Fred Temple (Jacob Latimore) zu einem Geständnis nötigen. Der Polizeibeamte Krauss (Will Poulter, rechts) will den verdächtigen Fred Temple (Jacob Latimore) zu einem Geständnis nötigen.

Fünfzig Jahre ist es her, dass in Detroit tagelang die schwarzen Einwohner protestierten, randalierten, plünderten, brandschatzten und so ihren angestauten Hass auf die Herrschaft der Weißen rausließen. Seither hat sich viel verändert in den USA: Ein Schwarzer hat es zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und mächtigsten Mann der Welt gebracht. Aber es ist auch vieles fast gleich geblieben im „Lande Gottes“. Vor drei Jahren erst spielte sich in Ferguson, US-Staat Missouri, fast dasselbe ab wie damals in Michigan: Weil ein Schwarzer von einem weißen Polizisten erschossen worden war, kochte die Stadt.

Was genau die Unruhen in Detroit 1967 ausgelöst hat, ist nicht erwiesen. Die amerikanische Filmemacherin Kathryn Bigelow hält sich in ihrem Rückblick an die wahrscheinlichste Möglichkeit: Nach der Räumung eines schwarzen Nachtclubs ohne Ausschankgenehmigung durch die Polizei warfen die auf die Straße gesetzten Gäste Schaufenster ein, räumten Geschäfte leer, zertrümmerten Autos, setzten Tankstellen in Brand. Zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung erklärte der Gouverneur bald den Ausnahmezustand und holte die Nationalgarde in die Stadt der großen Autofabriken.

Keine Strafe

Am 25. Juli dann wurden bei einem polizeilichen Einsatz in einem Motel unter der Befehlsgewalt des verrohten jungen Officer Krauss (Will Poulter) drei „Neger“, wie es seinerzeit noch offiziell hieß, von weißen Polizisten vorsätzlich getötet. Ein Schwarzer hatte zuvor mit einer Startpistole, wie sie bei Pferderennen benutzt wird, aus dem Fenster geschossen und damit den Eindruck erweckt, echte Schüsse abgegeben zu haben. Nach Ende des Einsatzes, zu dem auch Folter gehörte, wurden die rassistischen Polizeidienst-Täter gerichtlich angeklagt und schließlich beruflich freigestellt. Sie gingen aber straffrei aus.

Kathryn Bigelow, bekanntgeworden mit dem Thriller „The Hurt Locker“ über ein amerikanisches Bombeneinsatzkommando im Irak-Krieg, stürzt sich mit ihrem Film mitten rein in die Ereignisse von Detroit (das Drehbuch hat erkennbar wieder Mark Boal verfasst). Die Kamera wird geradezu mitgerissen vom Aufstand der Schwarzen. Die Handlung folgt den historischen Gegebenheiten, ergänzt durch erfundene Episoden. Gefühlvoll getragen wird das Geschehen von der persönlichen Geschichte des jungen Motown-Sängers Larry (Algee Smith), den es tatsächlich gab – und noch gibt. Sein erster großer Auftritt wird während des Aufruhrs aus Sicherheitsgründen abgesagt, die Hoffnung auf einen Karrierestart ist zunächst dahin.

Larry gehört zu jenen Schwarzen von Detroit, die den Ausgleich zur Arbeit an den Fließbändern der Ford-Fabriken in der Musik suchen. Sie scheint die einzige Möglichkeit, zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Das Frauentrio „The Supremes“ mit seinem Erfolg macht es gerade vor. Nachdem Larry aber nun als Motel-Gast den rassistischen Hass der Polizisten erlebt hat, wird er lieber Sänger in einer Kirchengemeinde. Er will nicht in den Revuetheatern der Stadt „ein Schwarzer sein, der singt, damit die Weißen tanzen können“. Immer wieder durchbricht der Film aber bewusst das rassische Schwarz-Weiß-Schema, indem er auf beiden Seiten Beteiligte zeigt, die es durch pure Menschlichkeit überwinden wollen. Es gelingt ihnen nicht. So wie es dem gesamten schwarz-weißen Amerika bis heute nicht gelungen ist, zu einer einigen Nation zusammenzuwachsen, in der die Hautfarbe ohne Belang ist.

Gespaltenes Amerika

Diese Schlussfolgerung ist aber schon alles an politischer Stellungnahme, was Kathryn Bigelow mit ihrem Kinowerk abgibt. Die Regisseurin bleibt nahezu neutral, erhebt keine große moralische Anklage. Und so wirkt „Detroit“ denn auch immer wie eine verlebendigte Geschichtsstunde aus einer Zeit, in der die USA sich nach innen letztlich notdürftig befrieden konnten, während sie nach außen weiter im Vietnam-Krieg standen, wo viele Schwarze ihr Leben für ihr „Vaterland“ gaben. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinestar, Harmonie (D+E), Metropolis (D+E). Limburg: Cineplex

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