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Kunstausstellung Documenta eröffnet: Weißer Rauch über Athen und Kassel

Die Kunstausstellung Documenta in Athen ist eröffnet. Was dort zu sehen sein wird, erwartet die Besucher in ähnlicher Form im Juni in Kassel.
Auch der Athener „Parko Eleftherias“ (Park der Freiheit) ist eine Örtlichkeit der Kunstausstellung. Foto: Alexia Angelopoulou (dpa) Auch der Athener „Parko Eleftherias“ (Park der Freiheit) ist eine Örtlichkeit der Kunstausstellung.

Zur Eröffnung der Documenta 14 für das Publikum am heutigen Samstag in Athen wird es auch ein künstlerisch gedachtes Zeichen in Kassel geben. Über die gesamte Dauer der Ausstellung von 163 Tagen wird täglich von 10 bis 20 Uhr weißer Rauch von einem Turm aus aufsteigen. Dabei handelt es sich um die Arbeit des Künstlers Daniel Knorr mit dem Titel „Expiration Movement“. Der Rauch steigt von der Spitze des Zwehrenturms in Kassel auf. Damit solle ein „optimistischer und warmer Gruß“ in die Documenta-Stadt Athen gesendet werden, erklärten die Ausstellungsmacher.

Athens Benaki-Museum ist das größte Privat-Museum Griechenlands. Es steht im Zentrum nahe des Syntagma-Platzes. Bild-Zoom Foto: Alexia Angelopoulou (dpa)
Athens Benaki-Museum ist das größte Privat-Museum Griechenlands. Es steht im Zentrum nahe des Syntagma-Platzes.

Schon bei der Voreröffnung gab es eine Performance, bei der auch der künstlerische Leiter Adam Szymczyk und Geschäftsführerin Annette Kulenkampff mitgurgelten und glucksten. Auch traten Freunde des 2006 in Kassel ermordeten NSU-Opfers Halit Yozgat beim Festakt ans Mikrofon und plädierten für eine Überwindung von Nationen und den Aufbau einer „Gesellschaft von Menschen“. Dieser Gedanke trägt das Konzept der Documenta an zwei Orten, das die Verantwortlichen als politisches Statement verstanden wissen wollen: raus aus der Kunst-Komfortzone Mitteleuropas, hin zum krisengeschüttelten Rand des Kontinents. Als einen „historischen Moment“ hat der Athener Bürgermeister Giorgos Kaminis die Eröffnung am Standort Athen bezeichnet.

Ob das Kunst ist? Für den aus Polen stammenden Kopf der Documenta 14 schon. Zum Programm gehören Musik und Tanz, Film und Debatten, Radiosendungen und Fernsehprogramme, politische Aktionen, Essen, Trinken, Spazierengehen und so viele Performances wie nie zuvor. Die ganze Stadt soll zur „sozialen Skulptur“ werden. Dem ortsunkundigen Kultur-Touristen fordert das einiges ab. Der documenta-Stadtplan, der am Donnerstag verteilt wurde, listet 37 Schauplätze in Athen auf. In Kassel, der Geburtsstadt der documenta, beginnt die Kunstschau am 10. Juni. In Athen läuft sie bis zum 16. Juli.

Die Spannung steigt

Die Documenta des Jahres 2017 beschränkt sich nicht auf bildende Kunst: Werke und Performances von mehr als 150 Künstlern an fast 50 Orten sind in der griechischen Hauptstadt zu sehen. Dazu gibt es Aktionen aller Art. Sogar Pflanzen, Tiere und das Meer spielen in Athen eine Rolle.

Documenta-Leiter Adam Szymczyk unter einem Kunstwerk von Cecilia Vicuna aus Chile im neuen Museum für zeitgenössische Kunst (EMST). Bild-Zoom Foto: Sandra Trauner (dpa)
Documenta-Leiter Adam Szymczyk unter einem Kunstwerk von Cecilia Vicuna aus Chile im neuen Museum für zeitgenössische Kunst (EMST).

Die Documenta breitet sich in Athen 100 Tage lang über die ganze Stadt aus. Fast 50 Orte listen die Organisatoren auf.

Als Hauptschauplätze werden vier öffentliche Gebäude genannt: das Museum für zeitgenössische Kunst, das historische Benaki-Museum, das Konservatorium und die Kunsthochschule.

Dazu kommen zahlreiche weitere Museen, aber auch Konzerthäuser, Theater, Kinos, Bibliotheken, Archive und Galerien. Die Documenta ist auch zu Gast auf Straßen und Plätzen, in Parks, Clubs, einer Einkaufspassage, Wohnhäusern und sogar auf dem zentralen Friedhof.

Was die Besucher in Athen erwartet, zeugt von einem weit gefassten Kunstbegriff. Bilder an Wänden scheinen eher die Ausnahme. Viele Aktionen sind zeitlich nicht begrenzt, entstehen spontan oder beziehen die Besucher mit ein.

Musik spielt eine große Rolle: Für die Documenta wurde ein historischer Synthesizer aus den 70ern restauriert. Die Documenta hat Auftragswerke bestellt, die in Athen uraufgeführt werden. Angekündigt ist aber auch ein Rap-Konzert und eines mit griechischem Rembetiko.

Soundkunst ist zum Beispiel die „Whispering Campaign“ auf einem alten Friedhof, in einem Sportstadion und einem Park. Im Garten eines Museums, das früher Sumpfland war, gibt es ein „Akustisches Graffito“ aus Froschstimmen.

Performance bleibt ein Kernformat: In Athen ist zum Beispiel eine „Bewegungspartitur“ angekündigt, die zwischen Tänzern und den antiken Statuen entstehen soll. In einem antiken Tempel sollen Körperbewegungen einen „Kommentar zur Architektur“ abgeben.

Was geplant ist

Unter dem Titel „Interventionen“ kann man Arbeiten zusammenfassen, die den öffentlichen Raum bespielen: Auf einem Platz sollen Zeltpavillons aufgebaut werden, in denen Athener und Besucher zum gemeinsamen Mahl geladen werden. Auf dem Syntagma-Platz ist eine Aktion mit Jutesäcken angekündigt.

Auf der Documenta wird auch getanzt: zum Beispiel im Stadtteil Piräus und im Isadora-Duncan-Zentrum. Eine Choreografie mit dem Titel „Kollektive Ausstellung“ bezieht Künstler der Documenta mit ein, die den Tänzern Bewegungen vorschlagen – inmitten der Besucher.

Debatten müssen sein: Schon vor Beginn der Documenta hatten die Kuratoren im Städtischen Kunstzentrum zu Diskussionen und Aktionen aller Art geladen. Sie gehen während der Ausstellung weiter – zum Beispiel auch in einer ehemaligen Seidenfabrik über Arbeiterrechte.

Filme sind auch dabei: zum Beispiel von einem syrischen Filmemacher-Kollektiv, aber auch ein Film über ein Massaker deutscher Nazis in Griechenland 1944. Arbeiten von griechischen Filmemachern thematisieren die aktuellen Probleme des Landes.

Theater: Angekündigt sind unter anderem eine „Meditation über menschliches Leiden“ im Attis-Theater und ein improvisiertes Theater in der Villa des deutschen Archäologen Heinrich Schliemann.

Reisen: Ein Künstler will in Athen eine Wandzeichnung hinterlassen und dann zu einer Fahrt durch Osteuropa nach Kassel aufbrechen. Vier Reiter absolvieren die 3000 Kilometer lange Strecke auf Pferden.

Auch andere Tiere spielen bei mit: Ein Künstler will eine Schafherde indigoblau einfärben und in einem Obstgarten aussetzen – ein Lamm für jedes afrikanische Land. Die Wolle anderer Schafe soll als „Opfergabe an die Götter“ ins Meer geworfen werden.

Bilder im herkömmlichen Sinne gibt es vermutlich nicht so viele. Angekündigt sind zum Beispiel Collagen, Bilder, die im Krater eines Vulkans gemalt wurden – inklusive Schmutz, Erde und Wasser – und umgestaltete Landkarten.

Natur: Auf dem Gelände der Kunsthochschule wurde schon im März ein Baum gepflanzt – es ist eine Kreuzung aus einer einheimischen und einer deutschen Eichensorte.

Selbst in Wohnhäusern kann man die Documenta finden: etwa im Haus eines verstorbenen exzentrischen Bühnen- und Kostümbildners und im „Haus ohne Eigentümer“ einer Documenta-Künstlerin.

Sogar die Archäologie ist dabei: Im Archäologischen Nationalmuseum sollen Fundstücke aus den Straßen des heutigen Athen als „Archäologie von heute“ zwischen Buchseiten gepresst werden.

Welche Künstler kommen

Etwa 150 Künstler hat der künstlerische Leiter Adam Szymczyk eingeladen, für Athen und Kassel neue Werke zu schaffen. Die Liste der Teilnehmer wurde wie immer geheim gehalten, mit der Zeit drangen aber immer mehr Namen durch.

Bekannte Namen sind wenige dabei. Die Stars der Kunstwelt sucht man vergebens – die Documenta hat den Anspruch, Neues zu entdecken. Viele Künstler stammen aus Ländern, die nicht im Fokus der europäischen und amerikanischen Kunstwelt stehen.

Auch sind viele Künstlerkollektive dabei, deren Arbeiten in einer mal mehr, mal weniger fest umrissenen Gruppe entstehen.

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