Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Wenn Christian Gerhaher singt, spricht der Dichter selbst

Von Der famose Bariton zeigte sich bei seinem Auftritt in der Alten Oper Frankfurt mit Vertonungen von Schumann und Fauré als herausragender Liedpoet.

Singt er oder spricht er? Diese Frage stellt man sich als Zuhörer immer wieder, wenn Christian Gerhaher romantische Lieder wie die von Schumann interpretiert. Wobei „interpretiert“ wohl das falsche Wort ist. Denn der famose Bariton, der den Liedgesang in Deutschland wieder zu neuer Blüte gebracht hat, stülpt den Vertonungen nichts über, auch keine übertriebene Deklamation. Gerhahers selten gewordene Kunst besteht darin, in der Diktion so klar und natürlich den Text vorzutragen, dass er - einem Erzähler gleich - den Dichter gleichsam selbst sprechen lässt. Der Gesang, die vokale Linie, entwickeln sich wie von selbst. Und manchmal spricht Gerhaher tatsächlich.

Die Schumannschen Vertonungen, besonders die „Zwölf Gedichte“ op. 35 aus dem „Liederjahr“ 1840 und die später entstandenen „Sechs Gesänge“ op. 107, scheinen in Christian Gerhaher einen seelenverwandten Musiker gefunden zu haben. Wie er vom Schmerz der unerfüllten, enttäuschten Liebe singt, von Todessehnsucht und Einsamkeit wie etwa in „Herzeleid“ oder „Im Wald“, das geht unter die Haut, weil Gerhaher jede kleinste Ausdrucksnuance in gebotener Schlichtheit zu vermitteln weiß. Umso erschütternder wirken dann emphatische Ausbrüche wie am Schluss von „Stille Tränen“ oder die aufwühlende Dramatik in „Lust der Sturmnacht“. Ohne Gerold Hubers kongeniale Klavierbegleitung, die auf jede Regung Gerhahers eingeht, wäre freilich das Erleben romantischer Liedkunst in dieser Intensität kaum möglich.

Während die ausgewählten Fauré-Lieder, darunter die Victor-Hugo-Vertonung „Der Schmetterling und die Blume“, eine gewisse Stimmungsaufhellung brachten, schloss Jörg Widmanns Liederzyklus „Das heiße Herz“ bewusst an die Schumannschen Vorbilder an. Die Alte Oper, der Widmann seit Jahren eng verbunden ist, und weitere Konzerthäuser hatten diese Komposition in Auftrag gegeben. Gerhaher verblüffte nun mit der Deutschen Erstaufführung dieses Zyklus’. Am Ende großer Enthusiasmus im Mozart-Saal und drei Zugaben!

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse