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Krimis: Wenn Seriekiller Serienkiller serienkillen

Die drei Krimiautorinnen Kanae Minato, Candice Fox und Monika Geier zeigen, wie unterschiedlich und wie klug eine blutig-groteske Figuren- und Handlungsüberzeichnung ausfallen kann.
In einem Roman der Australierin Candice Fox hat es der Mörder auf Joggerinnen abgesehen. Foto: Carsten Rehder (dpa) In einem Roman der Australierin Candice Fox hat es der Mörder auf Joggerinnen abgesehen.

Weil ihre kleine Tochter von zwei Schülern getötet wurde, rächt sich eine Lehrerin auf perfide Weise – und das gibt den Anstoß zu einer ganzen Reihe von schockierenden Entwicklungen und Geschehnissen. „Geständnisse“ von Kanae Minato – 2008 in Japan erschienen, 2010 verfilmt, aber erst jetzt ins Deutsche übersetzt – erzählt dies aus der Sicht von fünf verschiedenen Figuren, wodurch nach und nach die Motive, die Hintergründe und die Konsequenzen der Taten klarer werden.

Der Roman zeigt eine auf Leistung getrimmte Gesellschaft, in der Kinder und Jugendliche vernachlässigt und psychisch missbraucht werden. Mobbing an Schulen sowie Morde unter Jugendliche sind in Japan sehr reale Probleme, die das Debüt von Kanae Minato im Stil des „Iyamisu“ aufgreift, eines neuen japanischen Krimigenres, das blutig-grotesk überzeichnet. So ist „Geständnisse“ gleichzeitig sehr kühl, distanziert und äußerst höflich wie auch mit großer Lust an Perfidie und Boshaftigkeit erzählt.

Dank der Überzeichnung kommt ein absurd-untergründiger Humor hinzu. Man könnte fast denken, diesen Roman hätte Friedrich Dürrenmatt vor Augen gehabt, als er sagte, eine Geschichte sei erst dann wirklich zu Ende erzählt, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.

Auch die Australierin Candice Fox mag es blutig und überzogen, und mit ihrer Eden-Archer-Trilogie zeigt sie, wie gut sie das beherrscht: Nach „Hades“ (Frühjahr 2016) und „Eden“ (Herbst 2016) liegt nun auch „Fall“ vor, der letzte Band um die Polizistin und Serienmörderin Eden Archer. Erzählt wird aus auktorialer Sicht wie aus Perspektive von Archers Polizeipartner Detective Frank Bennett; im ersten Band kommen Rückblenden hinzu, um die Entwicklung der schönen, eiskalten Eden Archer zur Killerin und zum Police Detective aufzurollen.

In „Hades“ verfolgen Archer und Bennett einen Serienkiller, der chirurgische Eingriffe bei seinen Opfern unternimmt, in „Eden“ versucht Archer undercover den Verbleib mehrerer junger Frauen aufzuklären, und in „Fall“ schließlich sind Bennett und Archer auf den Spuren eines Killers, der es auf junge Joggerinnen abgesehen hat. Candice Fox zieht von Band zu Band Tempo und Überzeichnung an bis hin zum furiosen Finale, das genauso Serienkillerthriller wie eine Parodie auf das Genre ist. Das ist sehr cool, extrem unterhaltsam und sehr gekonnt.

Auf ganz andere Weise überzogen und unterhaltsam sind die Romane von Monika Geier. Mit „Alles so hell da vorn“ legt sie ihren siebten Krimi um Deutschlands vermutlich einzige halbtags tätige Serienheldin vor: Kriminalkommissarin Bettina Boll arbeitet teilzeit bei der Ludwigshafener Abteilung für Schwerverbrechen und ermittelt in einer fiktiven Pfalz. So auch diesmal: Ein Ludwigshafener Kollege von KK Boll wird in einem Frankfurter Bordell für minderjährige Mädchen erschossen, und zwar mit seiner eigenen Dienstpistole – und er war nicht aus ermittlungstechnischen Gründen vor Ort. Die Täterin flieht und begeht einen weiteren Mord in einem (erfundenen) Dorf in der Pfälzer Provinz. Vor zehn Jahren ist hier ein sechsjähriges Mädchen verschwunden. – Handelt es sich bei der jungen Mörderin um die vermisste Meggie, die sich an ihrem Entführer rächt? Bettina Boll ermittelt klug und chaotisch.

Monika Geiers Kriminalromane leben von ihrer sympathischen Hauptfigur, die immer etwas zu spät, immer etwas unorganisiert, immer etwas improvisierend ist – und gleichzeitig mit präziser Beobachtungs- und Kombinationsgabe ihre komplexen Fälle löst. Die Personen, die Geier zeichnet, sind immer ein bisschen exzentrisch, aber nie schrill, sondern stets bodenständig. Kluge Dialoge mit subtilem Witz runden die fein geplotteten Kriminalromane souverän ab.

 

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